Was ist das besondere am Schwarzen Meer?
was ist das besondere am schwarzen meer? 17 vs 38 Promille
Hinter der Frage was ist das besondere am schwarzen meer verbirgt sich ein einzigartiges Naturphänomen mit extremen Gegensätzen zwischen den Wasserschichten. Diese ungewöhnliche Zusammensetzung birgt verborgene Gefahren in der Tiefe und beeinflusst das gesamte Ökosystem dieses Binnenmeeres grundlegend. Ein tieferer Blick in die wissenschaftlichen Fakten offenbart faszinierende Geheimnisse unter der blauen Wasseroberfläche.
Ein geteiltes Meer: Das Geheimnis der toten Tiefe
Das Schwarze Meer ist kein gewöhnliches Gewässer, sondern das größte meromiktische Meer der Erde - ein Ort, an dem sich das Oberflächenwasser niemals mit den tiefen Schichten vermischt. Wer hier in die Tiefe blickt, ahnt nicht, dass sich unter der glitzernden Oberfläche eine scharfe Grenze befindet, die das Leben vom Tod trennt.
Etwa 90% des gesamten Wasserkörpers im Schwarzen Meer sind faktisch tot, da ab einer Tiefe von etwa 150 Metern kein Sauerstoff mehr existiert.[1] Stattdessen reichert sich dort giftiger Schwefelwasserstoff an, der durch den Abbau organischer Stoffe entsteht. Selten habe ich eine so faszinierende und zugleich unheimliche Vorstellung erlebt wie diese gigantische, sauerstofffreie Zone, in der nur spezialisierte Bakterien überleben können. Diese Schichtung bleibt über Jahrtausende stabil, da der Nachschub an salzreichem, schwerem Wasser aus dem Mittelmeer am Boden liegen bleibt, während das leichtere Süßwasser der Flüsse oben schwimmt. Es ist ein fragiles Gleichgewicht.
Warum das Schwarze Meer kaum salzig schmeckt
Im Vergleich zu den großen Weltmeeren oder dem Mittelmeer fühlt sich das Wasser im Schwarzen Meer fast wie Süßwasser an. Das liegt an der enormen Menge an Flusswasser, die täglich in das Becken strömt und den Salzgehalt massiv verdünnt.
Der durchschnittliche Salzgehalt an der Oberfläche liegt bei nur etwa 17 bis 18 Promille.
Zum Vergleich: Das Mittelmeer weist Werte von rund 38 Promille auf - also mehr als das Doppelte. Ich erinnere mich gut an meinen ersten Sprung ins Schwarze Meer - das Brennen in den Augen, das ich von der Adria kannte, blieb fast völlig aus. Diese geringe Salinität ist vor allem den großen europäischen Strömen wie der Donau, dem Dnepr und dem Dnjestr zu verdanken. Jedes Jahr fließen rund 350 Kubikkilometer Süßwasser in das Meer, während durch den schmalen Bosporus nur etwa halb so viel salzhaltiges Tiefenwasser nachströmt. Ein echtes Verdünnungsbecken.
Ein Meer ohne Ebbe und Flut: Geografische Isolation
Wer am Strand des Schwarzen Meeres sein Handtuch ausbreitet, muss keine Angst haben, dass es plötzlich von der Flut weggespült wird. Durch seine fast vollständige Isolation vom Weltozean sind Gezeiten hier praktisch nicht spürbar.
Die einzige Verbindung zum Mittelmeer ist der Bosporus - eine Meerenge, die an ihrer schmalsten Stelle weniger als 700 Meter breit ist. Dieser Nadelöhr-Effekt verhindert, dass die Gezeitenwellen des Atlantiks oder Mittelmeers ins Innere vordringen können. Aber hier kommt der Haken. Diese Isolation macht das Ökosystem extrem anfällig für Umweltveränderungen und Schadstoffe, da ein vollständiger Wasseraustausch mit dem Mittelmeer schätzungsweise 2.500 Jahre dauert. Man könnte sagen: Das Schwarze Meer vergisst nichts. Die geringe Wasserzirkulation sorgt dafür, dass einmal eingetragene Stoffe sehr lange im System verbleiben.
Küsten der Kontraste: Von Pelikanen bis zum Magnetstrand
Die Besonderheiten enden nicht an der Wasserkante, sondern erstrecken sich über die gesamte Küstenlinie von Georgien bis Rumänien. Besonders das Donaudelta gilt als eines der letzten Naturparadiese Europas.
Im Donaudelta leben über 330 verschiedene Vogelarten, darunter riesige Kolonien von Rosapelikane, die bis zu 30.000 Tiere umfassen können. [6] Ein völlig anderes Phänomen findet man am georgischen Strand von Ureki. Dort ist der Sand nicht nur schwarz, sondern magnetisch - ein Überbleibsel vulkanischer Aktivität. Mein Versuch, dort mit einem kleinen Magneten im Sand zu spielen, endete damit, dass der Magnet innerhalb von Sekunden komplett mit feinen Magnetit-Partikeln überzogen war. Es wird behauptet, dass dieser Sand bei Gelenkschmerzen hilft. Ob man an die Heilkraft glaubt oder nicht - das Gefühl des warmen, schweren Sandes auf der Haut ist einzigartig.
Salzgehalt im Vergleich: Wo schwimmt man am leichtesten?
Der Salzgehalt beeinflusst nicht nur den Geschmack des Wassers, sondern auch den Auftrieb beim Schwimmen. Hier sehen Sie, wie das Schwarze Meer im internationalen Vergleich abschneidet.Schwarzes Meer
- Starke Verdünnung durch Donau und andere Zuflüsse
- Gering - man muss aktiver schwimmen als im Ozean
- 17-18 Promille
Mittelmeer
- Hohe Verdunstungsrate erhöht die Salzkonzentration
- Hoch - entspanntes Treiben an der Oberfläche möglich
- 37-39 Promille
Ostsee
- Extremes Brackwasser-Gefälle von West nach Ost
- Sehr gering im Norden, ähnlich dem Schwarzen Meer im Süden
- 3-18 Promille (stark ortsabhängig)
Thomas und die Entdeckung der zwei Meere
Thomas, ein 45-jähriger Hobbytaucher aus Berlin, reiste an die rumänische Küste bei Constanta, um das Schwarze Meer unter Wasser zu erkunden. Er hatte viel über die biologischen Besonderheiten gelesen, war aber skeptisch, was die Sichtweiten und das Leben in der Tiefe anging.
Erster Versuch: Thomas wollte tiefer als 40 Meter tauchen, um Schiffswracks zu finden. Aber der Guide stoppte ihn sofort - in diesen Tiefen gäbe es nichts zu sehen außer Schlamm und die Gefahr des Schwefelwasserstoffs sei real. Thomas war frustriert über die scheinbare Eintönigkeit.
Dann kam die Erkenntnis: Er änderte seinen Fokus auf die flachen Küstenzonen und das Donaudelta. Er begriff, dass die wahre Besonderheit nicht in der Tiefe liegt, sondern in der enormen Produktivität der oberen 100 Meter, wo das nährstoffreiche Flusswasser auf das Meer trifft.
Innerhalb von zwei Wochen fotografierte er 15 verschiedene Fischarten und beobachtete im Delta Pelikankolonien mit tausenden Tieren. Er lernte, dass das Schwarze Meer zwar unten tot ist, aber oben vor Leben explodiert, was seine Reise zu einem vollen Erfolg machte.
Fragen zum gleichen Thema
Ist das Schwarze Meer wirklich ein totes Meer?
Nur zum Teil. Während die oberen 150 Meter extrem fischreich und lebendig sind, ist das Wasser darunter aufgrund von Sauerstoffmangel und Schwefelwasserstoff tatsächlich für höhere Lebewesen unbewohnbar. Es ist damit das größte anoxische Becken der Welt.
Warum heißt das Schwarze Meer eigentlich so?
Der Name stammt vermutlich von antiken Seefahrern, die die dunkle Farbe des Wassers bei Stürmen oder die schwarzen Ablagerungen an Gegenständen beobachteten, die aus der Tiefe heraufgeholt wurden. Der Schwefelwasserstoff verfärbt Metalle und Holz in der Tiefe tatsächlich schwarz.
Kann man im Schwarzen Meer sicher schwimmen?
Ja, absolut. Die Schwefelwasserstoffschicht liegt tief unter der Oberfläche und stellt für Schwimmer oder Badegäste keine Gefahr dar. Das Wasser an den Küsten ist sauber und aufgrund des geringen Salzgehalts sogar sehr angenehm für die Haut.
Gesamtüberblick
Zwei Welten in einem BeckenDas Meer ist vertikal geteilt: Oben herrscht buntes Leben, ab 150 Metern Tiefe herrscht Sauerstoffmangel und Giftgas.
Sanftes SalzwasserMit nur 17-18 Promille Salzgehalt ist es ideal für Menschen mit empfindlicher Haut oder Augen.
Stabilität ohne GezeitenDie Isolation sorgt für einen fehlenden Tidenhub, macht das System aber auch anfällig für Umweltbelastungen.
Einzigartige KüstenphänomeneVom riesigen Donaudelta bis zu den magnetischen Sandstränden in Georgien bietet die Region extreme Kontraste.
Quellmaterialien
- Warum darf man im Toten Meer nicht schwimmen?
- Was passiert bei Sonnenbrand 3. Grades?
- Warum ist eine Mondlandung so schwierig?
- Was ist besser, heiß oder kalt zu Räuchern?
- Wie stellt man Salzwasser her?
- Auf welchem Planet könnte man am ehesten leben?
- Wie lange muss man Fischfilet räuchern?
- Was tun, um schnell braun zu werden?
- Warum müssen sich Planeten bewegen?
- Was tun gegen erste Erkältungsanzeichen?
Kommentar zum Antwort:
Vielen Dank für Ihr Feedback! Ihr Kommentar hilft uns, die Antworten in Zukunft zu verbessern.