In welchem Meer ist der Salzgehalt am niedrigsten?
| Gewässer | Salzgehalt (Promille) |
|---|---|
| Nördliche Ostsee | unter 3 |
| Ostsee (Durchschnitt) | 3 bis 18 |
| Nordsee | 32 bis 35 |
| Atlantik | 35 |
In welchem Meer ist der Salzgehalt am niedrigsten? Ostsee-Rekord
Die Frage, in welchem Meer ist der Salzgehalt am niedrigsten, beschäftigt die Meeresforschung seit Generationen. Der extrem geringe Salzanteil dieses Gewässers beeinflusst die Tierwelt massiv und beschleunigt das Einfrieren im Winter. Das Verständnis dieser geografischen Besonderheiten schützt die Schifffahrt vor Risiken durch unvorhergesehene Eisdecken.
In welchem Meer ist der Salzgehalt am niedrigsten?
Die Antwort lautet eindeutig: Die Ostsee ist das salzärmste Meer der Welt. Während die meisten Ozeane einen relativ konstanten Salzgehalt aufweisen, ist die Ostsee ein riesiges Brackwassermeer mit extrem niedrigen Werten. Der Salzgehalt liegt dort im Durchschnitt nur bei etwa 0,3 bis 1,8 Prozent, was deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 3,5 Prozent liegt. Aber das ist [1] nur die halbe Wahrheit, denn das Meer verhält sich nicht überall gleich - ich erkläre Ihnen gleich im Abschnitt über die Geografie, warum das so ist.
Der Salzgehalt der Ostsee nimmt von West nach Ost stetig ab. In der westlichen Ostsee, nahe der Verbindung zur Nordsee, ist das Wasser noch vergleichsweise salzig. Doch je weiter man nach Nordosten in den Bottnischen oder Finnischen Meerbusen vordringt, desto mehr nähert sich der Wert dem von reinem Süßwasser an. Tatsächlich sinkt der Salzgehalt in diesen nördlichen Ausläufern oft auf unter 0,3 Prozent. [2] Man kann dort fast schon von einem riesigen See sprechen, der lediglich einen schmalen Zugang zum Weltmeer hat.
Warum ist die Ostsee so salzarm?
Es gibt zwei Hauptgründe für diesen niedrigen Salzgehalt: Die Geografie und das Klima. Die Ostsee ist fast vollständig von Land umschlossen und nur durch die schmalen dänischen Meerengen mit der Nordsee verbunden. Das bedeutet, dass nur sehr wenig salzhaltiges Nordseewasser in das Becken nachfließen kann. Gleichzeitig münden über 250 Flüsse in die Ostsee, die jedes Jahr gewaltige Mengen an Süßwasser einspeisen. Dieses Ungleichgewicht führt dazu, dass das Meer quasi ausgesüßt wird.
Zusätzlich spielt die geringe Verdunstung eine Rolle. In kühleren Regionen verdunstet weniger Wasser als in den Tropen. Im Roten Meer beispielsweise sorgt die starke Hitze dafür, dass das Wasser verdampft und das Salz zurückbleibt, wodurch der Salzgehalt auf über 4 Prozent ansteigt. In der Ostsee ist das Gegenteil der Fall. Der hohe Süßwasserüberschuss sorgt dafür, dass ein permanenter Strom von salzarmem Oberflächenwasser aus der Ostsee hinaus in Richtung Nordsee fließt. Das ist Physik in ihrer pursten Form.
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Tauchgang in der Kieler Bucht. Ich war es gewohnt, in salzigeren Gewässern zu tauchen und hatte meine Bleigewichte entsprechend eingestellt. Doch kaum war ich im Wasser, sank ich wie ein Stein. Ich hatte völlig unterschätzt, wie viel weniger Auftrieb das brackige Wasser bietet. Es war ein lehrreicher Moment - Brackwasser fühlt sich für den Körper fast wie das Wasser in einem Schwimmbad an, ganz anders als das schwere, tragende Gefühl im Mittelmeer.
Vergleich mit anderen Meeren: Wer hat noch wenig Salz?
Um die Ostsee besser einzuordnen, hilft ein Blick auf die globalen Durchschnittswerte. Während die Ostsee im Norden Rekordtiefstwerte von 3 Promille erreicht, liegt der Atlantik stabil bei 35 Promille.[4] Die Nordsee bringt es immerhin noch auf 32 bis 35 Promille. Das macht einen gewaltigen Unterschied für die Flora und Fauna. Die meisten Meeresbewohner können in der Ostsee nur unter Stress überleben, da ihre Zellen ständig mit dem osmotischen Druck kämpfen müssen.
Oft wird auch das Kaspische Meer genannt, wenn es um niedrigen Salzgehalt geht. Mit einem durchschnittlichen Salzgehalt von etwa 1,2 Prozent liegt es tatsächlich sehr niedrig. Aber hier gibt es eine wichtige Unterscheidung: Geografisch gesehen ist das Kaspische Meer ein Binnensee und kein Meer mit Verbindung zum Weltosean. Wenn wir also von den echten Meeren sprechen, bleibt die Ostsee der unangefochtene Spitzenreiter in Sachen Salzmangel.
Die Halokline - Eine unsichtbare Grenze im Wasser
Hier kommt die Überraschung, die ich anfangs erwähnt habe. Die Ostsee ist nicht durchgehend salzarm. Wenn man in die Tiefe taucht, stößt man auf eine Schicht, die Halokline genannt wird. Da salziges Wasser schwerer ist als süßes Wasser, schichtet es sich am Boden ab. Unterhalb einer Tiefe von etwa 60 bis 80 Metern kann der Salzgehalt plötzlich sprunghaft ansteigen. Das führt dazu, dass oben Süßwasserfische wie Hechte schwimmen, während am Grund Dorsche in salzigerem Wasser leben. Ein faszinierendes Doppelleben in einem einzigen Gewässer.
Die Auswirkungen auf Mensch und Natur
Der niedrige Salzgehalt hat handfeste Vorteile für uns Menschen. Ein großer Pluspunkt: Das Wasser brennt nicht so stark in den Augen wie im Ozean. Wer schon einmal im Roten Meer geschnorchelt ist, weiß, wie unangenehm das Salz auf der Haut und in den Augen sein kann. In der Ostsee ist das Baden deutlich angenehmer. Zudem ist die Korrosionsgefahr für Schiffe und Boote geringer, was die Wartungskosten für Segler in der Region spürbar senkt.
Allerdings gibt es auch Schattenseiten. Das salzarme Wasser gefriert im Winter deutlich schneller. Da der Gefrierpunkt von Salzwasser tiefer liegt als der von Süßwasser, verwandeln sich die northern Teile der Ostsee regelmäßig in eine geschlossene Eisdecke. In strengen Wintern können bis zu 45 Prozent der Ostseeoberfläche mit Eis bedeckt sein.[3] Das legt den Schiffsverkehr lahm und erfordert den Einsatz von schweren Eisbrechern, was logistisch eine riesige Herausforderung darstellt.
Früher dachte ich immer, dass Salz das Leben im Meer schützt. Aber in der Ostsee ist es genau andersherum. Der Mangel an Salz wirkt wie eine Barriere für viele Arten. Ein Seestern aus der Nordsee würde in der zentralen Ostsee innerhalb kürzester Zeit sterben. Die Natur hat hier Spezialisten hervorgebracht, die mit dem Minimum klarkommen müssen. Das macht das Ökosystem aber auch extrem anfällig für Veränderungen - ein kleiner Anstieg der Wassertemperatur oder eine Änderung des Salzgehalts kann hier Kettenreaktionen auslösen.
Salzgehalt im direkten Vergleich
Hier sehen Sie, wie extrem sich der Salzgehalt zwischen der Ostsee und anderen bekannten Gewässern unterscheidet. Die Werte beziehen sich auf den durchschnittlichen Massenanteil an Salz im Oberflächenwasser.Ostsee (Finnischer Meerbusen)
- Gefriert im Winter sehr leicht
- Brackwasser (fast Süßwasser)
- ca. 0,3 bis 0,5 Prozent
Atlantischer Ozean
- Referenzwert für den globalen Durchschnitt
- Typisches Salzwasser
- ca. 3,5 Prozent
Rotes Meer
- Hohe Verdunstung, sehr hoher Auftrieb
- Hochextremes Salzwasser
- ca. 4,0 bis 4,2 Prozent
Lukas und die Tücken des Auftriebs
Lukas, ein erfahrener Hobbytaucher aus Rostock, plante seinen ersten Tauchgang in der Nähe von Rügen. Er war zuvor nur in Ägypten getaucht und gewohnt, mit etwa 8 kg Blei am Gürtel perfekt im Wasser zu schweben.
Beim ersten Versuch in der Ostsee passierte das Malheur: Er sank trotz leerem Jacket sofort ab und hatte Mühe, den Druckausgleich rechtzeitig zu schaffen. Er fühlte sich schwerfällig und unsicher, was ihn fast dazu brachte, den Tauchgang abzubrechen.
Lukas erinnerte sich an einen Hinweis aus seinem Tauchkurs über den Salzgehalt. Er reduzierte sein Blei schrittweise auf 5 kg und experimentierte mit der Atmung, um den geringeren Auftrieb des Brackwassers auszugleichen.
Am Ende schwebte er doch noch ruhig über ein Wrack. Er lernte, dass der Salzgehalt von nur 0,8 Prozent sein Setup komplett veränderte und er für künftige Touren in der Heimat immer ein leichteres Gepäck einplanen muss.
Strategiezusammenfassung
Die Ostsee ist das salzärmste MeerMit Werten zwischen 0,3 und 1,8 Prozent Salz hält sie den weltweiten Rekord für das salzärmste Nebenmeer.
Süßwasserüberschuss ist die UrsacheÜber 250 Flüsse speisen die Ostsee, während der Austausch mit der salzigen Nordsee durch Engpässe stark begrenzt ist.
Geringerer Auftrieb beachtenSchwimmer und Taucher müssen wissen, dass man im salzarmen Brackwasser schneller untergeht als in Ozeanen mit 3,5 Prozent Salzgehalt.
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Ist die Ostsee eigentlich ein See oder ein Meer?
Geografisch ist sie ein Meer, da sie eine natürliche Verbindung zum Weltosean besitzt. Wegen des extrem niedrigen Salzgehalts und der umschlossenen Lage wird sie oft als Binnenmeer oder Brackwassermeer bezeichnet.
Kann man das Wasser der Ostsee trinken?
Nein, auch wenn der Salzgehalt mit bis zu 1,8 Prozent niedrig ist, ist es kein Trinkwasser. Das enthaltene Salz entzieht dem Körper mehr Flüssigkeit, als er aufnimmt, und die bakterielle Belastung ist in Küstennähe oft zu hoch.
Warum schwimmt man im Toten Meer besser als in der Ostsee?
Das liegt an der Dichte. Das Tote Meer hat einen Salzgehalt von etwa 30 Prozent, was das Wasser viel schwerer und tragfähiger macht. In der salzarmen Ostsee ist die Dichte kaum höher als bei Süßwasser, weshalb man mehr Eigenleistung zum Schweben braucht.
Kreuzreferenzquellen
- [1] Ostsee - Der Salzgehalt liegt dort im Durchschnitt nur bei etwa 0,3 bis 1,8 Prozent, was deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt von 3,5 Prozent liegt.
- [2] De - Tatsächlich sinkt der Salzgehalt in diesen nördlichen Ausläufern oft auf unter 0,3 Prozent.
- [3] Wissenschaftsjahr - In strengen Wintern können bis zu 45 Prozent der Ostseeoberfläche mit Eis bedeckt sein.
- [4] De - Während die Ostsee im Norden Rekordtiefstwerte von 3 Promille erreicht, liegt der Atlantik stabil bei 35 Promille.
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