Wann AU wann Attest?

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Die gesetzliche Regelung bestimmt, wann braucht man eine au bescheinigung. Arbeitnehmer benötigen das Attest spätestens ab dem vierten Kalendertag der Erkrankung. Das Wochenende zählt bei dieser Frist komplett mit. Der Arbeitgeber besitzt jedoch das gesetzliche Recht, diese ärztliche Bescheinigung bereits ab dem ersten Tag einzufordern.
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Wann braucht man eine AU Bescheinigung? Gesetzliche Fristen

Arbeitnehmer stehen bei einer Erkrankung vor wichtigen Pflichten gegenüber ihrem Betrieb. Die korrekte Einhaltung der gesetzlichen Vorgaben zur Krankmeldung schützt vor arbeitsrechtlichen Konsequenzen. Ein genaues Verständnis der Fristen für wann braucht man eine au bescheinigung hilft Ihnen, finanzielle Nachteile zu vermeiden und Ihre Rechte im Krankheitsfall zu sichern.

Wann brauche ich eine AU-Bescheinigung und wann reicht die einfache Krankmeldung?

Die gesetzliche Grundregel in Deutschland besagt, dass Sie spätestens ab dem vierten Kalendertag Ihrer Krankheit eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) benötigen.[1] Der Arbeitgeber hat jedoch das Recht, dieses attest ab dem ersten tag einzufordern. Eine formlose Krankmeldung muss dagegen immer sofort am ersten Tag vor Arbeitsbeginn erfolgen.

In meiner jahrelangen Praxis im Personalbereich habe ich gemerkt, wie schnell hier Missverständnisse entstehen - und diese führen oft zu unschönen Abmahnungen. Viele Angestellte verwechseln die Pflicht zur Krankmeldung mit der Pflicht zur Vorlage des ärztlichen Attests. Das sind rechtlich gesehen zwei völlig verschiedene Schritte, die Sie sauber trennen müssen. Wer das missachtet, riskiert unnötigen Ärger.

Die gesetzlichen Fristen nach dem Entgeltfortzahlungsgesetz

Das Gesetz schreibt eine strikte Trennung zwischen der Anzeige- und der Nachweispflicht vor. Die Anzeige der Krankheit muss unverzüglich geschehen - in der Regel bedeutet das per Telefon, Mail oder Messenger-Nachricht noch vor dem eigentlichen Arbeitsbeginn. Sie teilen mit, dass Sie arbeitsunfähig sind und wie lange der Zustand voraussichtlich andauern wird.

Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, greift die gesetzliche Nachweispflicht.[2] Das bedeutet, dass die arbeitsunfähigkeitsbescheinigung wie viele tage sie auch läuft, am darauffolgenden Arbeitstag vorliegen muss - im Regelfall ist das der vierte Krankheitstag. Wichtig dabei ist: Es zählen ausdrücklich Kalendertage und keine Arbeitstage. Wer also am Freitag erkrankt, bei dem zählen das gesamte Wochenende sowie der Samstag und Sonntag voll in die Dreitagesfrist hinein.

Manchmal läuft es im Job eben nicht glatt und die bürokratischen Fristen kollidieren mit der Realität. Ich weiß noch genau, wie ich mich das erste Mal an einem Freitag krankmeldete und fälschlicherweise dachte, ich hätte bis Mittwoch Zeit für den Arztbesuch. Die Quittung war ein ernstes Gespräch mit der HR-Abteilung. Seit diesem Vorfall passe ich besonders bei Wochenenden genau auf die Kalendertage auf.

Das Sonderrecht des Arbeitgebers: Attest ab dem ersten Tag

Viele Beschäftigte wissen gar nicht, dass die gesetzliche Drei-Tage-Regelung keineswegs für jeden Betrieb in Stein gemeißelt ist. Der Gesetzgeber erlaubt es Unternehmen ausdrücklich, die Vorlage einer ärztlichen Bescheinigung schon deutlich früher zu verlangen. Diese Klausel findet sich extrem häufig in Arbeitsverträgen, Tarifverträgen oder Betriebsvereinbarungen wieder.

Für diese Verschärfung braucht der Chef absolut keine sachliche Begründung oder einen konkreten Verdacht auf Fehlverhalten. Es reicht eine einfache Anweisung oder die entsprechende Passage im Vertrag. Eine aktuelle Umfrage zeigt, dass rund 21% der Befragten sich bei einer solchen strikten Regelung ab dem ersten Tag sogar vorsorglich länger krankschreiben lassen würden. Dies geschieht oft, um einen erneuten zeitnahen Arzttermin in überfüllten Praxen zu vermeiden.

Das eAU-Verfahren: Was Sie beim digitalen Abruf beachten müssen

Der klassische gelbe Schein in Papierform ist für gesetzlich Krankenversicherte fast vollständig Geschichte. Die Arztpraxis übermittelt die Daten nach der Untersuchung direkt digital an Ihre Krankenkasse. Der Arbeitgeber holt sich die Bescheinigung anschließend eigenständig im sogenannten eAU-Verfahren ab - das ist für Betriebe eine gesetzliche Hohlpflicht.

Aber hier gibt es einen Haken. Der automatische Abruf durch das Unternehmen ist rechtlich nicht erlaubt, wenn Sie sich nicht vorher aktiv krankgemeldet haben. Die Firma darf die Daten also nicht prophylaktisch abfragen. Sie müssen die genaue krankmeldung arbeitgeber frist weiterhin selbstständig kommunizieren. Nur so weiß die Personalabteilung, für welchen genauen Zeitraum sie die elektronische Abfrage bei der Kasse starten muss.

Ausnahmen von diesem digitalen Prozess bestehen weiterhin für Privatversicherte, bei Behandlungen durch Privatärzte oder bei Erkrankungen im Ausland. In diesen Fällen gilt nach wie vor die Pflicht, den Nachweis klassisch in Papierform einzureichen. Auch geringfügig Beschäftigte in Privathaushalten müssen oft noch den analogen Weg nutzen.

Vergleich der Pflichten: Krankmeldung vs. Ärztliches Attest

Damit es im Krankheitsfall nicht zu Missverständnissen oder Abmahnungen kommt, sollten Sie die beiden zentralen Pflichten genau voneinander unterscheiden.

Formlose Krankmeldung (Anzeigepflicht)

  1. Mitteilung über das Bestehen der Arbeitsunfähigkeit und die voraussichtliche Dauer
  2. Formlos per Telefon, E-Mail, SMS oder über betriebliche Messenger-Systeme
  3. Unverzüglich am ersten Tag der Erkrankung noch vor dem regulären Arbeitsbeginn

Ärztliches Attest / AU (Nachweispflicht) ⭐

  1. Medizinisch festgestellte Arbeitsunfähigkeit inklusive exaktem Start- und Enddatum
  2. Elektronische Übermittlung durch den Arzt (eAU) oder Papierform bei Ausnahmen
  3. Gesetzlich ab dem vierten Kalendertag, vertraglich oft schon ab dem ersten Tag gefordert
Die formlose Krankmeldung schützt Sie vor dem Vorwurf des unentschuldigten Fehlens am Morgen. Das ärztliche Attest sichert hingegen rechtlich Ihren Anspruch auf die Lohnfortzahlung für die gesamte Ausfallzeit.
Möchten Sie genau wissen, welche Fristen für Sie gelten? Erfahren Sie hier mehr: Wann muss ein Attest bei einer Krankmeldung gestellt werden?

Erfahrung aus der Praxis: Tobias und die Wochenend-Falle

Tobias arbeitet als Logistikplaner in einem mittelständischen Betrieb in Köln. Am Freitagmorgen wacht er mit Fieber auf und schickt schnell eine E-Mail an sein Team, dass er heute im Bett bleibt. Er geht davon aus, dass er sich erst nächste Woche um ein Attest kümmern muss.

Am Montag schleppt er sich immer noch erschöpft zum Hausarzt, da die Symptome nicht abgeklungen sind. Der Arzt schreibt ihn rückwirkend ab Montag krank. Tobias denkt, alles sei korrekt geregelt und arbeitet ab Mittwoch wieder ganz normal.

Das böse Erwachen kommt mit der Gehaltsabrechnung, bei der ihm ein voller Fehltag abgezogen wurde. Die HR-Abteilung klärt ihn auf: Da er am Freitag schon krank war, zählten Samstag und Sonntag als Kalendertage mit. Montag war somit bereits der vierte Tag der Arbeitsunfähigkeit.

Das Gesetz verlangte das Attest für Freitag. Da der Arzt ihn nicht rückwirkend für Freitag krankschreiben durfte, fehlte der Nachweis. Tobias akzeptierte den Verlust zähneknirschend und geht seitdem bei Freitags-Erkrankungen immer sofort am selben Tag in die Praxis.

Schnelle Fragen & Antworten

Was passiert, wenn ich die Frist für das Attest verpasse?

Wenn Sie die AU-Bescheinigung zu spät einreichen oder den Arztbesuch verschleppen, verletzen Sie Ihre arbeitsvertraglichen Pflichten. Der Arbeitgeber kann Sie dafür abmahnen und im wiederholten Fall eine verhaltensbedingte Kündigung aussprechen. Zudem darf er die Entgeltfortzahlung so lange verweigern, bis der Nachweis elektronisch oder schriftlich vorliegt.

Darf der Chef ein Attest ab dem ersten Tag verlangen, obwohl ich selten krank bin?

Ja, das darf er ohne Angabe von Gründen tun. Das Bundesarbeitsgericht hat bestätigt, dass dieses Recht des Arbeitgebers nicht an einen Missbrauchsverdacht geknüpft ist. Es reicht, wenn eine entsprechende Klausel im Arbeitsvertrag verankert ist oder die Chefetage eine allgemeine Dienstanweisung herausgibt.

Muss ich die eAU-Bescheinigung trotzdem noch ausdrucken und abschicken?

Nein, für gesetzlich Versicherte läuft das Verfahren seit 2023 komplett digital ab. Der Arzt leitet die Daten an die Krankenkasse weiter und Ihr Betrieb ruft sie dort ab. Sie haben jedoch weiterhin das Recht auf einen Papierausdruck für Ihre eigenen privaten Unterlagen, um im Streitfall einen physischen Beweis in der Hand zu halten.

Schnelle Zusammenfassung

Krankmeldung vor Arbeitsbeginn erledigen

Informieren Sie das Unternehmen am ersten Krankheitstag immer unverzüglich vor dem geplanten Schicht- oder Arbeitsstart per Mail, Telefon oder Messenger.

Kalendertage statt Arbeitstage zählen

Die gesetzliche Drei-Tage-Frist basiert auf fortlaufenden Kalendertagen. Wochenenden und Feiertage zählen bei der Berechnung der Frist bis zum Arztbesuch voll mit.

Arbeitsvertrag auf Sonderregelungen prüfen

Schauen Sie genau in Ihren Vertrag. Steht dort eine Klausel zur Vorlage ab dem ersten Tag, müssen Sie zwingend am selben Tag zum Arzt gehen.

Hohlpflicht des Arbeitgebers nutzen

Das eAU-Verfahren nimmt Ihnen das Einreichen des Scheins ab, erfordert aber dennoch eine exakte vorherige Krankmeldung, damit der HR-Abruf gelingt.

Referenz

  • [1] Gesetze-im-internet - Die gesetzliche Grundregel in Deutschland besagt, dass Sie spätestens ab dem vierten Kalendertag Ihrer Krankheit eine ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU) benötigen.
  • [2] Gesetze-im-internet - Dauert die Arbeitsunfähigkeit länger als drei Kalendertage, greift die gesetzliche Nachweispflicht.