Wo ist das Meer am wenigsten salzig?
Salzgehalt: 0,2% (Ostsee) vs 3,5% (Ozean)
Wo ist das Meer am wenigsten salzig? Diese Frage ist nicht nur für Geografie-Interessierte relevant. Der Salzgehalt eines Meeres beeinflusst direkt, wie Ihr Körper im Wasser schwimmt und treibt. In besonders salzarmen Gewässern ist das Verhalten ungewohnt. Lesen Sie weiter, um zu erfahren, welches Meer den geringsten Salzgehalt aufweist und welche Auswirkungen das hat.
Die Ostsee: Das salzärmste Meer der Welt
Wer nach dem Meer mit dem geringsten Salzgehalt sucht, findet die Antwort im Norden Europas.
Die Ostsee gilt als das größte Brackwassermeer der Erde und ist damit der Spitzenreiter in Sachen Salzmangel. Während offene Ozeane einen durchschnittlichen Salzgehalt von etwa 3,5 Prozent aufweisen, liegen die Werte in der Ostsee deutlich darunter. [1] In vielen Bereichen ist das Wasser so süß, dass es kaum noch nach Meer schmeckt. Es ist ein einzigartiges Ökosystem, das sich durch das Zusammenspiel von Geografie und Klima geformt hat. Aber Vorsicht beim Abtauchen: Die geringe Salinität hat direkte Auswirkungen darauf, wie sich unser Körper im Wasser verhält.
Der Salzgehalt in der Ostsee ist jedoch nicht überall gleich. Er folgt einem starken Gefälle von West nach Ost. In der westlichen Ostsee, nahe der Verbindung zur Nordsee, liegen die Werte noch bei etwa 1,8 bis 2 Prozent. [2] Wandert man jedoch weiter nach Nordosten, in Richtung des Bottnischen Meerbusens zwischen Finnland und Schweden, sinkt der Gehalt drastisch ab. Dort werden oft nur noch 0,2 Prozent gemessen. Das ist fast reines Süßwasser. Zum Vergleich: Ein typischer Liter Ozeanwasser enthält 35 Gramm Salz. In den nördlichsten Ausläufern der Ostsee sind es oft weniger als 2 Gramm pro Liter. Ein gewaltiger Unterschied.
Ich habe das selbst einmal unterschätzt. Als ich das erste Mal von der Nordsee an die Ostsee fuhr, dachte ich, das Schwimmen würde sich identisch anfühlen. Weit gefehlt. Man sinkt in der salzarmen Ostsee spürbar tiefer ein. Der Auftrieb fehlt einfach. In der salzigen Nordsee kann man sich fast mühelos treiben lassen. In der Ostsee muss man deutlich mehr arbeiten, um oben zu bleiben. Ein kleiner Schock für meine Beine am ersten Tag. Ehrlich gesagt, fühlte es sich eher wie ein riesiger Badesee an als wie ein echtes Meer.
Warum ist die Ostsee so wenig salzig?
Es gibt drei Hauptgründe für diesen extrem niedrigen Salzgehalt: die starke Zufuhr von Süßwasser, die geringe Verdunstung und die enge Verbindung zum Weltmeer. Über 250 Flüsse münden in die Ostsee und spülen kontinuierlich riesige Mengen an Süßwasser in das Becken. Gleichzeitig ist das Klima im Norden kühl. Das bedeutet, dass viel weniger Wasser verdunstet als beispielsweise im Mittelmeer oder im Roten Meer. Da Salz bei der Verdunstung zurückbleibt, führt eine geringe Verdunstungsrate automatisch zu einer geringeren Salzkonzentration. Es ist ein ständiger Verdünnungsprozess.
Der entscheidende Faktor ist jedoch die Geografie. Die Ostsee ist fast vollständig von Land umschlossen. Die einzige Verbindung zum salzreichen Atlantik führt durch die engen dänischen Meerengen. Diese Nadelöhre lassen nur selten und unter ganz bestimmten Wetterbedingungen schweres, salzhaltiges Wasser aus der Nordsee einströmen. Diese sogenannten Salzwassereinbrüche sind für das Überleben der Tiefseebewohner wichtig, passieren aber viel zu selten, um den Salzgehalt insgesamt anzuheben. Ohne diese Schübe würde die Ostsee mit der Zeit fast vollständig aussüßen.
Stellen Sie sich die Ostsee wie eine Badewanne vor, in die der Wasserhahn (die Flüsse) voll aufgedreht ist, während der Abfluss (die Verbindung zur Nordsee) nur ein winziger Spalt ist. Das Becken füllt sich mit Süßwasser, und das bisschen Salz, das noch da ist, wird immer weiter verdünnt. Das macht einen Unterschied. Für die Fische dort bedeutet das Stress. Sie müssen viel Energie aufwenden, um ihren inneren Salzhaushalt stabil zu halten. Daher bleiben viele Arten in der Ostsee kleiner als ihre Verwandten im Ozean.
Das Schwarze Meer: Der zweitplatzierte Außenseiter
Ein weiteres Meer, das für seinen geringen Salzgehalt bekannt ist, ist das Schwarze Meer. Mit einem Oberflächensalzgehalt von etwa 1,7 bis 1,8 Prozent liegt es deutlich unter dem globalen Durchschnitt von 3,5 Prozent. Auch hier spielen große Flüsse wie die Donau, der Dnepr und der Dnestr eine entscheidende Rolle [5]. Sie transportieren enorme Mengen an Süßwasser in das Binnenmeer. Die Verbindung zum Mittelmeer über den Bosporus ist zudem sehr schmal, was den Wasseraustausch massiv einschränkt. Das Schwarze Meer ist also ebenfalls ein Brackwassermeer, wenn auch etwas salziger als die zentrale Ostsee.
Interessanterweise ist das Schwarze Meer geschichtet. Während das Oberflächenwasser relativ salzarm ist, findet man in der Tiefe deutlich salzhaltigeres Wasser, das aus dem Mittelmeer eingeströmt ist. Da sich diese Schichten kaum vermischen, ist die Tiefe des Schwarzen Meeres fast völlig sauerstofffrei. Nur spezialisierte Bakterien können dort überleben. Das ist der große Unterschied zur Ostsee, wo die Schichtung zwar existiert, aber durch Stürme öfter durchmischt wird. Im Schwarzen Meer herrscht in der Tiefe eine ewige Stagnation. Ziemlich unheimlich, wenn man darüber nachdenkt.
Regionale Ausnahmen: Flussmündungen und Eisschmelze
Man muss nicht immer in ein Binnenmeer reisen, um salzarmes Wasser zu finden. Auch in den offenen Ozeanen gibt es Gebiete, in denen der Salzgehalt kurzzeitig absinkt. Besonders extrem ist dies in der Nähe von riesigen Flussmündungen der Fall. Vor der Mündung des Amazonas kann man teilweise kilometerweit auf das offene Meer hinausfahren und findet dort immer noch Wasser mit einem Salzgehalt von unter 1 Prozent vor. Das Süßwasser des Amazonas ist so gewaltig, dass es das Salzwasser förmlich beiseite drückt. Ähnliche Effekte beobachtet man am Kongo oder am Golf von Bengalen während der Monsunzeit.
Ein weiterer Faktor ist die Eisschmelze in den Polarregionen. Wenn im Sommer riesige Mengen an Gletschereis oder Packeis schmelzen, wird reines Süßwasser in die Meere geleitet. Im Südpolarmeer sinkt der Salzgehalt an den Eiskanten dadurch spürbar ab. Diese Zonen sind oft nur von kurzer Dauer, aber sie beeinflussen die Meeresströmungen weltweit. Schmelzwasser ist weniger dicht als Salzwasser, es bleibt also wie eine Linse an der Oberfläche liegen. Das verändert die Lichtbrechung und damit das Algenwachstum. Die Natur ist hier extrem präzise ausbalanciert.
Vergleich des Salzgehalts verschiedener Meere
Um ein Gefühl für die Unterschiede zu bekommen, hilft ein Blick auf die Salzkonzentrationen weltweit. Hier sieht man deutlich, wie stark die Ostsee aus der Reihe tanzt.
Ostsee (Bottnischer Meerbusen)
• Im Winter fast vollständig zugefroren aufgrund des geringen Salzgehalts
• ca. 0,2 - 0,4 Prozent
• Fast reines Süßwasser / Brackwasser
Schwarzes Meer
• Starke Schichtung ohne Sauerstoff in der Tiefe
• ca. 1,7 - 1,8 Prozent
• Klassisches Brackwasser
Offener Ozean (Atlantik)
• Globaler Standardwert für marine Ökosysteme
• ca. 3,5 Prozent
• Echtes Salzwasser
Rotes Meer
• Hohe Verdunstung und kaum Zuflüsse machen es sehr salzig
• ca. 4,0 - 4,2 Prozent
• Extremes Salzwasser
Die Ostsee ist im Vergleich zum Roten Meer fast zehnmal weniger salzig. Während man im Roten Meer kaum untergehen kann, fühlt sich die nördliche Ostsee für Schwimmer fast wie ein Binnensee an. Das Schwarze Meer liegt genau in der Mitte dieser Extreme.Hannes und das Rätsel der Wasserlinie
Hannes, ein leidenschaftlicher Segler aus Kiel, kaufte ein neues Boot in der salzreichen Nordsee. Bei der Überführung in seine Heimatmarina in der Ostsee fiel ihm etwas Seltsames auf: Sein Boot lag plötzlich tiefer im Wasser als zuvor, obwohl die Beladung absolut identisch war.
Er machte sich Sorgen, dass sein Rumpf ein Leck haben könnte und suchte stundenlang nach eindringendem Wasser. Er war frustriert und verbrachte das gesamte Wochenende mit Pumpen und Messungen, fand aber keinen Fehler am Schiff.
Ein alter Hafenmeister erklärte ihm schließlich den Grund: Da das Ostseewasser weniger Salz enthält, ist die Dichte geringer. Das Boot verdrängt mehr Volumen, um sein Gewicht zu tragen. Hannes hatte den physikalischen Unterschied einfach nicht auf dem Schirm.
Das Ergebnis: Sein Boot sank in der salzarmen Ostsee um fast 5 Zentimeter tiefer ein als in der Nordsee. Hannes lernte, dass der Salzgehalt nicht nur den Geschmack bestimmt, sondern auch das nautische Verhalten seines Schiffes massiv beeinflusst.
Handlungsempfehlung
Die Ostsee hält den WeltrekordMit Werten zwischen 0,2 und 2 Prozent ist sie das salzärmste Nebenmeer der Erde, wobei der Salzgehalt von West nach Nordost immer weiter abnimmt.
Geografie bestimmt den SalzgehaltHoher Süßwasserzufluss durch über 250 Flüsse und eine sehr enge Verbindung zum Ozean sorgen für die ständige Verdünnung des Wassers.
Physikalische Auswirkungen beachtenSalzarmes Wasser hat eine geringere Dichte, was zu weniger Auftrieb beim Schwimmen und einem tieferen Eintauchen von Schiffen führt.
Brackwasser ist ein SpezialfallSowohl die Ostsee als auch das Schwarze Meer (ca. 1,8 Prozent Salz) sind einzigartige Lebensräume, die Tieren und Pflanzen eine hohe Anpassungsfähigkeit abverlangen.
Wichtigste Punkte
Kann man das Wasser der Ostsee trinken, weil es so wenig Salz hat?
Nein, auf keinen Fall. Auch wenn der Salzgehalt mit 0,2 bis 2 Prozent niedrig ist, ist er immer noch zu hoch für den menschlichen Körper. Zudem enthält Brackwasser oft Bakterien und Schwebstoffe, die für Trinkwasser ungeeignet sind.
Warum gefriert die Ostsee im Winter schneller als die Nordsee?
Salz senkt den Gefrierpunkt von Wasser. Da die Ostsee deutlich weniger Salz enthält, erreicht sie ihren Gefrierpunkt schon bei etwa -0,1 Grad Celsius, während Nordseewasser erst bei fast -2 Grad Celsius gefriert. Deshalb ist die nördliche Ostsee regelmäßig mit Eis bedeckt.
Gibt es Haie in der salzarmen Ostsee?
Echte Hochseehaie findet man in der Ostsee kaum, da ihr Stoffwechsel auf einen hohen Salzgehalt angewiesen ist. Gelegentlich werden jedoch Arten wie der Hundshai oder der Dornhai gesichtet, die mit dem geringeren Salzgehalt besser zurechtkommen, meist aber in der westlichen, salzigeren Ostsee bleiben.
Informationsquellen
- [1] Ostsee - Während offene Ozeane einen durchschnittlichen Salzgehalt von etwa 3,5 Prozent aufweisen, liegen die Werte in der Ostsee deutlich darunter.
- [2] Ostsee - In der westlichen Ostsee, nahe der Verbindung zur Nordsee, liegen die Werte noch bei etwa 1,8 bis 2 Prozent.
- [5] De - Mit einem Oberflächensalzgehalt von etwa 1,7 bis 1,8 Prozent liegt das Schwarze Meer deutlich unter dem globalen Durchschnitt von 3,5 Prozent.
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