Wieso ist die Ostsee nicht so salzig?
Wieso ist die ostsee nicht so salzig: 0,7% vs 3,5% Salz
wieso ist die ostsee nicht so salzig beschäftigt viele Urlauber aufgrund des geringen Auftriebs beim Schwimmen im Meerwasser. Das Verständnis dieser geografischen Besonderheiten hilft dabei, die Bedingungen für die Flora und Fauna im empfindlichen Ökosystem besser einzuschätzen. Erfahren Sie hier die wissenschaftlichen Hintergründe zu den Süßwasserzuflüssen und der Wassererneuerung.
Wieso ist die Ostsee nicht so salzig? Das Geheimnis des Brackwassers
Die Ostsee ist deshalb nicht so salzig wie andere Meere, weil sie ein so genanntes Brackwassermeer ist - eine riesige Mischung aus Suesswasser von ueber 250 Zufluessen und salzigem Wasser aus der Nordsee. Da die Verbindung zum offenen Ozean extrem schmal ist, gelangt nur wenig neues Salz hinein, waehrend der staendige Regen und die einstroemenden Fluesse den Salzgehalt dauerhaft verduennen. In vielen Bereichen der Ostsee liegt die Salzkonzentration deshalb bei nur etwa 0,5 bis 0,8 Prozent, [1] was deutlich unter dem Durchschnitt der Weltmeere liegt.
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Tauchversuch in der Kieler Bucht. Erwartet hatte ich das typische Brennen in den Augen, das ich vom Mittelmeer kannte. Aber hier? Fast nichts. Es fuehlte sich eher wie ein etwas zu mineralreiches Badewasser an. Diese Erfahrung teilen viele Urlauber, doch hinter dieser sanften Brise steckt ein komplexes geografisches System. Aber es gibt einen entscheidenden Faktor, den fast jeder uebersieht und der darueber entscheidet, ob das Meer gesund bleibt oder erstickt - dazu spaeter mehr im Abschnitt ueber den Wasseraustausch.
Ein Meer als Sackgasse: Die Geografie der Ostsee
Stellen Sie sich die Ostsee wie eine riesige Badewanne vor, deren Wasserhahn voll aufgedreht ist, waehrend der Abfluss fast verstopft ist. Der Wasserhahn sind die zahlreichen Fluesse wie die Oder, die Weichsel oder die Newa, die pro Jahr rund 480 Kubikkilometer Suesswasser in das Becken spuelen.[2] Der Abfluss ist die schmale Verbindung zur Nordsee ueber das Skagerrak und das Kattegat. Diese Meerengen sind so eng und flach, dass sie wie ein Nadeloehr wirken.
Selten habe ich ein so isoliertes System gesehen. In der westlichen Ostsee ist das Wasser noch vergleichsweise salzig, doch je weiter man nach Osten und Norden in Richtung Finnland reist, desto staerker sinkt der Wert. In den noerdlichsten Auslaeufern ist das Wasser so suess, dass dort sogar Hechte und Barsche neben Meeresfischen schwimmen. Ein echtes Kuriosum. Die Verdunstung ist in unseren Breitengraden zudem viel zu gering, um die riesigen Mengen an Suesswasser durch Konzentration wieder auszugleichen.
Das Ungleichgewicht der Krafte
Der Salzgehalt der Weltmeere liegt im Durchschnitt bei rund 3,5 Prozent. [3] Die Ostsee hingegen bringt es im Mittel nur auf etwa 0,7 Prozent. Das ist wenig. Wer in der Ostsee schwimmt, merkt sofort den geringeren Auftrieb. Man muss deutlich aktiver paddeln, um an der Oberflaeche zu bleiben, als im Atlantik oder im Mittelmeer. Das liegt an der geringeren Dichte des brackigen Wassers.
Der Kampf der Wasserschichten: Salz gegen Suesswasser
In der Ostsee passiert etwas Faszinierendes, das viele Laien - und das hat mich anfangs auch verwirrt - oft falsch einschätzen. Das Wasser vermischt sich naemlich nicht einfach zu einer homogenen Masse. Da Salzwasser schwerer ist als Suesswasser, sinkt es auf den Grund. Oben schwimmt die leichtere, suessere Schicht. Dazwischen bildet sich eine scharfe Grenze, die Halokline genannt wird.
Hier liegt der Haken: Diese Schichtung verhindert, dass Sauerstoff von der Oberflaeche in die Tiefe gelangt. Ohne Sauerstoff bilden sich am Meeresgrund tote Zonen. Das einzige, was hier hilft, sind heftige Herbststuerme aus westlicher Richtung. Nur sie haben die Kraft, das schwere, salzreiche und sauerstoffhaltige Wasser der Nordsee ueber die Schwellen in die tiefen Becken der Ostsee zu druecken. Ohne diese seltenen Ereignisse wuerde die Ostsee langsam von unten her absterben.
Warten Sie ab, bis wir zum Vergleich mit anderen Meeren kommen. Da wird der Unterschied erst richtig deutlich.
Salzgehalt im Vergleich: Wo steht die Ostsee?
Um zu verstehen, wie wenig Salz die Ostsee wirklich enthaelt, hilft ein Blick auf andere bekannte Gewaesser. Die Unterschiede sind gewaltig und beeinflussen alles - vom Schwimmgefuehl bis zur Artenvielfalt.Ostsee (Zentral)
• Brackwasser (Mischung aus Suess- und Salzwasser)
• Gering - man sinkt schneller ein
• Etwa 0,5 bis 0,8 Prozent
Nordsee
• Echtes Meerwasser (Ozean-Niveau)
• Mittel - deutlicher spuerbar als in der Ostsee
• Etwa 3,0 bis 3,5 Prozent
Mittelmeer
• Hochkonzentriertes Meerwasser durch starke Verdunstung
• Hoch - man treibt fast muehelos an der Oberflaeche
• Etwa 3,7 bis 3,9 Prozent
Die Ostsee ist im Vergleich zu ihren Nachbarn fast schon ein Suesswasserbecken. Waehrend das Mittelmeer durch Hitze Wasser verliert und Salz konzentriert, wird die Ostsee durch Regen und Fluesse staendig verduennt.Lukas und das Paradoxon der Schwimmfluegel
Lukas, ein begeisterter Hobby-Schwimmer aus Berlin, verbrachte seine Sommerferien frueher immer am Mittelmeer, wo er sich auf sein natuerliches Talent fuer das 'Treibenlassen' verliess. Er dachte, Wasser sei Wasser.
In Warnemuende an der Ostsee sprang er siegessicher ins Wasser und wollte wie gewohnt einfach nur regungslos auf dem Ruecken liegen. Zu seiner Ueberraschung sanken seine Beine sofort ab und er schluckte ordentlich Wasser.
Nach einigem Fluchen und einer roten Nase realisierte er: Der geringere Salzgehalt bedeutet weniger Dichte und damit weniger Auftrieb. Er musste seine Schwimmtechnik komplett umstellen und mehr Rumpfspannung aufbauen.
Innerhalb von zwei Wochen verbesserte Lukas seine Fitness deutlich, da er im salzarmen Wasser fast 15 Prozent mehr Energie aufwenden musste, um die gleiche Position zu halten wie im salzigen Sueden.
Ausführlichere Details
Kann man das Wasser in der Ostsee trinken?
Nein, obwohl der Salzgehalt niedrig ist, ist er fuer den menschlichen Organismus immer noch zu hoch. Zudem enthaelt das Wasser Mikroorganismen und Schwebstoffe, die Magen-Darm-Probleme verursachen koennen.
Warum ist die Ostsee im Westen salziger als im Osten?
Das liegt an der Naehe zur Nordsee. Durch das Kattegat stroemt regelmaessig frisches Salzwasser ein, das sich jedoch auf dem Weg nach Osten durch die vielen Suesswasserzufluesse in Finnland und Estland immer weiter verduennt.
Gibt es Haie in der salzarmen Ostsee?
Es gibt tatsaechlich einige kleine Haiarten wie den Dornhai, aber sie halten sich meist in den salzreicheren, westlichen Gebieten auf. Je weiter der Salzgehalt sinkt, desto schwieriger wird es fuer Meeresfische, dort dauerhaft zu ueberleben.
Kurzfassung
Die Ostsee ist ein BrackwassermeerSie ist eine Mischung aus Suesswasser von ueber 250 Fluessen und geringen Mengen Nordsee-Salzwasser.
Salzgehaltsgefaelle von West nach OstDer Salzgehalt sinkt von etwa 1,8 Prozent im Westen auf fast 0,3 Prozent im noerdlichen Bottnischen Meerbusen. [4]
Abhängigkeit von StürmenNur seltene Westwind-Wetterlagen koennen das fuer das Oekosystem lebenswichtige sauerstoffreiche Salzwasser in die Tiefe druecken.
Referenzdokumente
- [1] Ostsee - In vielen Bereichen der Ostsee liegt die Salzkonzentration deshalb bei nur etwa 0,5 bis 0,8 Prozent.
- [2] En - Der 'Wasserhahn' sind die zahlreichen Fluesse wie die Oder, die Weichsel oder die Newa, die pro Jahr rund 480 Kubikkilometer Suesswasser in das Becken spuelen.
- [3] En - Der Salzgehalt der Weltmeere liegt im Durchschnitt bei rund 3,5 Prozent.
- [4] Ostsee - Der Salzgehalt sinkt von etwa 1,8 Prozent im Westen auf fast 0,3 Prozent im noerdlichen Bottnischen Meerbusen.
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