War schon einmal jemand auf dem Grund des Marianengrabens?
[Wer war am grund des marianengrabens]? 30 Pioniere bis 2024
Die Expeditionen zum tiefsten Punkt der Erde zeigen, wer war am grund des marianengrabens und welche extremen Gefahren dort lauern. Forscher setzen modernste Technik ein, um den gewaltigen Wasserdruck erfolgreich zu überwinden. Erfahren Sie mehr über die mutigen Pioniere dieser lebensfeindlichen Welt.
Wer hat den tiefsten Punkt der Erde bereits besucht?
Ja, es waren bereits Menschen am Grund des Marianengrabens - genauer gesagt im Challengertief, dem mit etwa 11.000 Metern tiefsten Punkt der Weltmeere. Diese Frage lässt sich jedoch nicht mit einem einzigen Namen beantworten, da die Erforschung dieses extremen Ortes in mehreren Etappen verlief, von den Pionieren der 1960er Jahre bis hin zu modernen Expeditionen.
Die Antwort hängt stark vom Kontext ab: Suchen Sie die ersten Entdecker, den ersten Solo-Taucher oder die Gesamtzahl der Abenteurer? Bis zum Jahr 2024 haben schätzungsweise 27 bis 30 Personen diesen Ort erreicht. [1] Selten hat ein Ort die Menschheit so sehr fasziniert und zugleich abgeschreckt - eine lebensfeindliche Welt, in der der Druck so hoch ist, dass jede Fehlkonstruktion sofort zur Katastrophe führen würde. Doch eine Entdeckung am tiefsten Punkt der Erde schockierte die Forscher bei einer neueren Mission mehr als jede unbekannte Kreatur. Ich werde später im Detail darauf eingehen, was Victor Vescovo dort unten fand.
Die Pioniere: Piccard und Walsh (1960)
Der erste bemannte Tauchgang zum Grund des Marianengrabens fand am 23. Januar 1960 statt. Jacques Piccard und Don Walsh steuerten das Bathyscaph Trieste in eine Tiefe von 10.916 Metern. [2] Es war ein technologisches Wagnis sondersgleichen. Die Trieste (benannt nach der italienischen Stadt, in der sie gebaut wurde) war im Grunde ein riesiger mit Benzin gefüllter Schwimmkörper, unter dem eine winzige Druckkapsel aus Stahl hing.
Ganz ehrlich, die Vorstellung, in einer Stahlkugel 11 Kilometer tief zu sinken, während man nur durch ein kleines Plexiglasfenster blickt, lässt mir einen Schauer über den Rücken laufen. Der Abstieg dauerte fast fünf Stunden. Am Boden angekommen, wirbelten sie so viel Sediment auf, dass sie kaum etwas sehen konnten. Dennoch blieben sie etwa 20 Minuten lang und bewiesen, dass selbst in dieser extremen Tiefe Leben existiert. Sie sahen einen Plattfisch, was die damalige wissenschaftliche Annahme widerlegte, dass bei diesem Druck kein komplexes Leben möglich sei.
Die Ära der Solo-Taucher: James Cameron und Victor Vescovo
Nach 1960 blieb es über 50 Jahre lang still am Grund des Grabens. Erst im März 2012 wagte sich der Regisseur James Cameron als dritter Mensch überhaupt - und als erster allein - in die Tiefe. Sein Tauchboot, die Deepsea Challenger, war ein Wunderwerk der Technik. Im Gegensatz zur klobigen Trieste glich sein Boot einem vertikalen Torpedo, der für schnelles Sinken und Steigen optimiert war. Cameron benötigte für seinen Abstieg nur zwei Stunden und 37 Minuten, fast doppelt so schnell wie seine Vorgänger [3].
Im Jahr 2019 setzte Victor Vescovo neue Maßstäbe. Mit seinem Tauchboot Limiting Factor erreichte er nicht nur eine neue Rekordtiefe von 10.928 Metern, [4] sondern führte auch mehrere Tauchgänge hintereinander durch. Er wollte beweisen, dass der Zugang zur Tiefsee wiederholbar und sicher sein kann. Hier kommt die eingangs erwähnte Entdeckung ins Spiel: In einer Tiefe, in der noch nie ein Mensch zuvor war, fand Vescovo eine Plastiktüte und Bonbonpapier. Diese traurige Erkenntnis zeigt, dass menschlicher Müll selbst die unberührtesten Orte unseres Planeten erreicht hat, noch bevor wir sie wissenschaftlich vollständig verstehen konnten.
Der extreme Wasserdruck und die Kälte
Was macht das Tauchen im Marianengraben so schwierig? Es ist vor allem der hydrostatische Druck. In 11.000 Metern Tiefe beträgt der Druck etwa 1.070 bis 1.104 bar. Um das zu veranschaulichen: Das entspricht dem Gewicht eines Elefanten, der auf Ihrem Daumen steht - und das multipliziert mit tausenden Elefanten auf Ihrem gesamten Körper. Das Material muss diesem gewaltigen Gewicht standhalten, ohne sich auch nur einen Millimeter zu verformen.
Dazu kommt die Kälte. Die Temperatur am Grund liegt konstant zwischen 1 und 4 Grad Celsius.[6] Ohne spezielle Heizsysteme würde ein Mensch in der Kapsel innerhalb kürzester Zeit erfrieren. Auch die Batterietechnik war lange ein Problem, da herkömmliche Akkus unter diesem Druck implodieren. Erst moderne Lithium-Ionen-Systeme, die in spezielle Öl-Gehäuse eingebettet sind, machten die langen Erkundungsphasen von Cameron und Vescovo möglich.
Vergleich der historischen bemannten Missionen
Die Technik hat sich in den letzten 60 Jahren massiv weiterentwickelt. Hier sehen Sie, wie sich die drei wichtigsten Missionen zum Challengertief unterscheiden.
Trieste (1960)
- Eingeschränkt durch aufgewirbeltes Sediment
- 2 Personen (Piccard & Walsh)
- Etwa 20 Minuten
- Benzinfüllung für Auftrieb, Eisenpellets als Ballast
Deepsea Challenger (2012)
- 3D-Kameras und Probenahmegreifer
- 1 Person (James Cameron)
- Etwa 3 Stunden
- Syntaktischer Schaum für Auftrieb, vertikale Bauweise
Limiting Factor (2019) - Empfohlen für Forschung
- 90 mm dicke Titanhülle
- 1 bis 2 Personen (Vescovo & wechselnde Gäste)
- Bis zu 4 Stunden pro Tauchgang
- Erstes Boot für mehrfache Tieftauchgänge innerhalb weniger Tage
Hannes' Kampf gegen die Tiefe: Ein Ingenieurs-Drama
Hannes, ein 45-jähriger Ingenieur aus Kiel, arbeitete 2018 an den Sensoren für eine Tiefsee-Expedition. Er litt unter extremer Flugangst, doch sein größter Albtraum war der Gedanke an eine Implosion unter Wasser. Während der Testphase in einer Druckkammer versagte eine Dichtung bei nur 500 bar.
Das laute Knallen der platzenden Dichtung traumatisierte ihn fast. Er wollte das Projekt verlassen, da er fürchtete, seine Berechnungen für die 1.100 bar am echten Meeresgrund seien fehlerhaft. Mehrere Nächte blieb er wach und starrte auf seine CAD-Modelle.
Er erkannte, dass nicht das Material das Problem war, sondern die Form der Halterung. Er änderte das Design von flach auf sphärisch, um den Druck gleichmäßiger zu verteilen. In einem finalen Test hielt der Sensor problemlos 1.200 bar stand.
Die Sensoren funktionierten 2019 perfekt am Grund des Marianengrabens. Hannes berichtet heute, dass diese Krise ihn gelehrt hat, dass Perfektion in der Theorie nichts wert ist, wenn man die physische Realität des Ozeans nicht respektiert.
Höhepunkte
Pioniere von 1960Jacques Piccard und Don Walsh waren die Ersten, die mit der Trieste den Grund erreichten und dort 20 Minuten verbrachten.
James Cameron war der erste Solo-Taucher und konnte dank moderner Akkus und Kamerasysteme über 3 Stunden am Boden filmen.
Rekordhalter Victor VescovoVescovo hält seit 2019 den Tiefenrekord von 10.928 Metern und bewies die Wiederholbarkeit solcher Expeditionen.
Extremer LebensraumDer Wasserdruck von 1.070 bis 1.100 bar und Temperaturen nahe dem Gefrierpunkt machen Spezial-U-Boote zwingend erforderlich.
Referenzmaterial
Wie viele Menschen waren insgesamt schon im Marianengraben?
Bis heute haben etwa 27 bis 30 Personen das Challengertief erreicht. Im Vergleich dazu waren erst 12 Menschen auf dem Mond, was zeigt, wie schwierig der Zugang zum Meeresgrund ist.
Könnte ein Mensch dort unten ohne U-Boot überleben?
Nein, absolut nicht. Der enorme Druck von über 1.000 bar würde den menschlichen Körper in Sekundenbruchteilen zusammenpressen. Zudem würde die Kälte von etwa 1 Grad Celsius sofort zur Unterkühlung führen.
Gibt es dort unten Fische?
Ja, Forscher haben in Tiefen von über 8.000 Metern Scheibenbäuche (Liparidae) entdeckt. Am absoluten Grund auf 11.000 Metern wurden bisher vor allem Einzeller, kleine Krebstiere und sogenannte Seegurken gesichtet.
Zitate
- [1] En - Bis zum Jahr 2024 haben schätzungsweise 27 bis 30 Personen diesen Ort erreicht.
- [2] Ardalpha - Jacques Piccard und Don Walsh steuerten das Bathyscaph Trieste in eine Tiefe von 10.916 Metern.
- [3] Swissinfo - Cameron benötigte für seinen Abstieg nur zwei Stunden und 37 Minuten, fast doppelt so schnell wie seine Vorgänger.
- [4] Travelbook - Im Jahr 2019 setzte Victor Vescovo neue Maßstäbe. Mit seinem Tauchboot Limiting Factor erreichte er nicht nur eine neue Rekordtiefe von 10.928 Metern.
- [6] De - Die Temperatur am Grund liegt konstant zwischen 1 und 4 Grad Celsius.
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