Wie sieht der Mond auf der anderen Seite aus?
Wie sieht die mondrückseite aus? Kühler & fester
Die Antwort auf die Frage, wie sieht die mondrückseite aus, lautet: Sie ist fast vollständig von hellen, zerklüfteten Hochländern und unzähligen Kratern bedeckt. Da ihre Kruste mit etwa 50 Kilometern deutlich dicker ist als die der Vorderseite, konnte in der Frühzeit kaum Lava an die Oberfläche treten. Dies erklärt das Fehlen der typischen dunklen Mondmeere auf dieser Hemisphäre.
Wie sieht die andere Seite des Mondes eigentlich aus?
Das aussehen der mondrückseite ist vollkommen anders als das der vertrauten Vorderseite: Sie ist fast vollständig von hellen, zerklüfteten Hochländern und unzähligen Kratern bedeckt, während die dunklen, glatten vulkanischen Ebenen - die sogenannten Meere oder Maria - dort fast gänzlich fehlen. Diese optische Asymmetrie liegt vor allem an der etwa 20 Kilometer dickeren Kruste auf der Rückseite, die den Aufstieg von Lava in der Frühzeit des Mondes massiv erschwerte.
Man kann es sich wie eine raue, vernarbte Steinwüste vorstellen. Während die Vorderseite durch die dunklen Flecken (wie das Mare Imbrium) fast wie ein Gesicht wirkt, gleicht die Rückseite eher einem Golfball mit Tausenden von Einschlaglöchern. Die ersten Bilder, die uns 1959 erreichten, waren für Forscher ein echter Schock. Niemand hatte damit gerechnet, dass zwei Hälften desselben Himmelskörpers so grundverschieden sein könnten. Aber es gibt einen Haken - und den erkläre ich gleich im Abschnitt über die geologischen Rätsel.
Warum wir die Rückseite niemals von der Erde aus sehen
Viele Menschen fragen sich, wie sieht die mondrückseite aus, wenn wir sie nie zu Gesicht bekommen. Das Phänomen hinter dieser Einseitigkeit nennt man gebundene Rotation. Der Mond braucht für eine Drehung um die eigene Achse exakt so lange, wie er für eine Umkreisung der Erde benötigt. Stellen Sie sich vor, Sie tanzen mit einem Partner und schauen ihm dabei immer ins Gesicht - für einen Beobachter von außen drehen Sie sich zwar im Kreis, aber Ihr Partner sieht immer nur Ihre Vorderseite. Genau das passiert zwischen Erde und Mond.
Nichtsdestotrotz sehen wir dank eines Wackelns, der sogenannten Libration, im Laufe der Zeit etwa 59% der Mondoberfläche. Die restlichen 41% bleiben für das bloße Auge von der Erde aus jedoch für immer verborgen. Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Teleskop als Jugendlicher - ich starrte stundenlang auf den Krater Tycho und fragte mich, what wohl direkt hinter dem Horizont lag. Damals fühlte sich die Rückseite noch wie ein mystischer, verbotener Ort an. Heute wissen wir: Es ist dort einfach nur sehr, sehr staubig und kraterreich.
Die 'dunkle Seite' ist gar nicht immer dunkel
Ein weit verbreiteter Irrtum ist der Begriff Dark Side of the Moon. In Wirklichkeit bekommt die Rückseite genauso viel Sonnenlicht ab wie die Vorderseite - nur eben nicht zur gleichen Zeit. Wenn wir von der Erde aus Neumond haben (die Vorderseite ist dunkel), liegt die Rückseite im vollen Sonnenlicht. Der Begriff dunkel bezog sich ursprünglich eher auf unser Unwissen: Die Rückseite war für uns datentechnisch im Dunkeln, bis die ersten Sonden sie umrundeten.
Die Lichtverhältnisse dort sind extrem. Da es keine Atmosphäre gibt, die das Licht streut, wechseln sich blendend helle Hochländer mit tiefschwarzen Schatten in den Kratern ab. Ein Tag auf der Mondrückseite dauert etwa zwei Erdwochen, gefolgt von einer ebenso langen, eiskalten Nacht. Wer dort oben stünde, würde niemals die Erde am Himmel sehen, dafür aber einen Sternenhimmel von einer Klarheit, wie wir sie uns hier unten kaum vorstellen können.
Die größten Unterschiede zwischen Vorder- und Rückseite
Hier wird es geologisch spannend, denn der mondrückseite unterschied vorderseite ist massiv. Die Kruste der Rückseite ist mit einer Dicke von etwa 50 Kilometern deutlich massiver als die der Vorderseite, die stellenweise nur 30 Kilometer misst. Das klingt nach wenig, hat aber gewaltige Auswirkungen: Auf der Vorderseite konnten Meteoriteneinschläge die dünne Kruste leichter durchschlagen, sodass Lava aus dem Inneren nach oben quoll und die dunklen Maria bildete. Auf der Rückseite prallten die meisten Einschläge einfach an der dicken Kruste ab.
Zudem ist der Mantel der Rückseite durch den Mangel an radioaktiven Elementen wie Kalium, Phosphor und Seltenen Erden (bekannt als KREEP-Gestein) heute etwa 100 bis 200 Grad Celsius kühler als der Mantel unter der Vorderseite. [3] In der Frühzeit war die Rückseite also schneller fest und weniger aktiv. Hier ist das, was ich vorhin versprochen habe zu verraten: Forscher vermuten, dass die enorme Hitze der jungen, glühenden Erde die Vorderseite des Mondes damals regelrecht gebacken hat, während die Rückseite in die kalte Weite des Alls blickte und schneller abkühlte.
Das Südpol-Aitken-Becken: Eine Narbe von gigantischem Ausmaß
Auf der Rückseite befindet sich eines der größten und tiefsten Einschlagsbecken im gesamten Sonnensystem: das Südpol-Aitken-Becken. Es hat einen Durchmesser von etwa 2.500 Kilometern und ist an manchen Stellen bis zu 13 Kilometer tief. Wenn man dort am Boden stünde, könnte man den Rand des Beckens nicht einmal sehen, so gewaltig ist die Krümmung.
Aktuelle Missionen wie Change-6 haben im Jahr 2024 Gesteinsproben aus diesem Gebiet gesammelt, die uns heute zeigen, warum sieht die mondrückseite anders aus. Es wurde belegt, dass es dort vor rund 2,8 Milliarden Jahren doch punktuellen Vulkanismus gab. Das ist eine kleine Sensation, da man lange glaubte, die Rückseite sei geologisch völlig tot gewesen. Solche Entdeckungen zeigen: Je mehr wir hinschauen, desto komplexer wird das Bild. Es ist nicht einfach nur eine andere Seite, sondern ein Archiv der frühen Gewalt in unserem Sonnensystem.
Vorderseite vs. Rückseite: Der direkte Vergleich
Obwohl es sich um denselben Himmelskörper handelt, wirken die beiden Hemisphären wie zwei verschiedene Welten.Vorderseite (Earthside)
• Geprägt von großen, dunklen vulkanischen Ebenen (Maria)
• Reich an radioaktiven Elementen (KREEP), hält Wärme länger
• Permanent zur Erde gewandt, vertrautes Gesicht
• Dünner (ca. 30 km), ermöglichte Lava-Austritt
Rückseite (Farside) ⭐
• Extrem kraterreich, fast ausschließlich helles Hochland
• Wenig radioaktive Elemente, kühlte schneller ab
• Von der Erde unsichtbar, Ort für Radioastronomie
• Dicker (ca. 50 km), verhinderte großflächige Lava-Ebenen
Der Hauptunterschied liegt in der Krustendicke. Während die Vorderseite durch frühen Vulkanismus 'geglättet' wurde, blieb die Rückseite eine konservierte Kraterlandschaft. Für die Forschung ist die Rückseite wertvoller, da sie von der Funkstrahlung der Erde abgeschirmt ist.Die technische Hürde der Rückseite
Die NASA wollte lange Zeit im Südpol-Aitken-Becken landen, scheiterte aber an der Kommunikations-Falle. Da der Mond ein massiver Felsbrocken ist, dringen Funksignale von der Rückseite nicht direkt zur Erde durch. Ein direkter Kontakt ist physikalisch unmöglich.
Erster Versuch: Man plante komplexe Landungen ohne Bodenkontakt, doch das Risiko von Abstürzen durch unvorhergesehene Kraterränder war zu hoch. Ohne Echtzeit-Daten war eine weiche Landung purer Blindflug und endete in der Planungsphase oft in Frustration.
Die Lösung kam nicht durch bessere Antennen, sondern durch einen Umweg im All. Man platzierte einen Relaissatelliten (wie den chinesischen Queqiao) an einem speziellen Punkt hinter dem Mond, der gleichzeitig 'Sichtkontakt' zur Rückseite und zur Erde hat.
Dank dieser Funkbrücke konnte die Mission Chang'e-4 im Jahr 2019 erfolgreich landen. Die Verzögerung der Signale schrumpfte auf unter 2 Sekunden, was die erste Erkundung einer Welt ermöglichte, die wir jahrhundertelang nur erahnen konnten.
Die wichtigsten Punkte
Kraterlandschaft statt MondmeereDie Rückseite besteht zu fast 99% aus hellem Hochlandgestein und besitzt kaum die typischen dunklen Lava-Ebenen der Vorderseite.
Asymmetrische KrusteMit ca. 50 km ist die Kruste auf der Rückseite etwa 20 km dicker als auf der Vorderseite, was den frühen Vulkanismus blockierte.
Kühlerer MantelDurch das Fehlen radioaktiver Elemente ist der Mantel der Rückseite heute etwa 100-200 Grad Celsius kühler als der der Vorderseite.
Fragensammlung
Warum ist die Kruste auf der Rückseite dicker?
Dies liegt wahrscheinlich an der Hitzeabstrahlung der jungen Erde kurz nach der Entstehung des Mondes. Die erdnahe Seite blieb länger flüssig, während die abgewandte Seite schneller auskühlte und so eine massivere Kruste bildete.
Gibt es auf der Mondrückseite Wasser?
In permanent beschatteten Kratern am Südpol der Rückseite wurden Eisvorkommen nachgewiesen. Da dort Temperaturen von bis zu minus 230 Grad Celsius herrschen, verdampft das Eis nicht und ist für künftige Mondbasen eine kritische Ressource.
Kann man von der Mondrückseite die Erde sehen?
Nein, niemals. Da der Mond der Erde immer dieselbe Seite zuwendet, ist unser Heimatplanet von der Rückseite aus durch die Masse des Mondes verdeckt. Man müsste auf die Vorderseite reisen, um die Erde am Horizont aufgehen zu sehen.
Quellenangabe
- [3] Ucl - Der Mantel der Rückseite ist durch den Mangel an radioaktiven Elementen heute etwa 100 bis 200 Grad Celsius kühler als der Mantel unter der Vorderseite.
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