Was sieht man auf der Rückseite des Mondes?

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Was sieht man auf der Rückseite des Mondes? Eine helle Kraterlandschaft aus Anorthosit-Gestein ohne große dunkle Maria-Flächen Das Südpol-Aitken-Becken misst 2.500 Kilometer im Durchmesser und erreicht 13 Kilometer Tiefe Dunkle Lavaebenen bedecken lediglich rund 1 Prozent der gesamten Oberfläche auf dieser Seite Die Mondkruste ist hier im Durchschnitt 50 Kilometer dicker als auf der erdzugewandten Seite
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Was sieht man auf der Rückseite des Mondes? Ein riesiges Becken.

Was sieht man auf der Rückseite des Mondes? führt zu Irrtümern über die tatsächliche Beleuchtung und das Aussehen dieser fernen Region. Ein korrektes Verständnis der Mondgeologie hilft dabei, die unterschiedlichen Krustenstrukturen und Einschlagsgeschichten unseres Trabanten ohne Fehlannahmen zu begreifen. Erfahren Sie die Details zur Oberflächenbeschaffenheit und Krustendicke.

Ein Meer aus Kratern statt Lavaebenen: Das wahre Gesicht der Mondruckseite

Die Rückseite des Mondes ist eine wüste, helle Gebirgslandschaft, die fast vollständig von Einschlagskratern übersät ist. Im Gegensatz zur vertrauten Vorderseite fehlen hier die großen, dunklen Lavaebenen - die sogenannten Maria - fast völlig. Wer dort landen würde, sähe keine weiten Ebenen, sondern eine extrem zerfurchte Oberfläche aus hellem Hochlandgestein, die von gigantischen Kratern wie dem Tsiolkovskiy geprägt ist.

Aber es gibt ein Missverständnis, das fast jeder beim ersten Mal hört - ich kläre das Rätsel um die angebliche Dunkelheit weiter unten im Abschnitt über die Beleuchtung auf.

Seien wir ehrlich: Die meisten von uns stellen sich eine schwarze Einöde vor. In Realität ist die Rückseite sogar heller als die Seite, die wir nachts von der Erde aus bewundern. Während die Vorderseite zu etwa 31 Prozent mit dunklen Maria bedeckt ist, machen diese Lavaebenen auf der Rückseite lediglich rund 1 Prozent der Oberfläche aus [1]. Dieser krasse Kontrast führt dazu, dass die Rückseite insgesamt heller erscheint, da das helle Anorthosit-Gestein des Hochlands das Sonnenlicht viel stärker reflektiert als der dunkle Basalt der Maria.

Das Geheimnis der fehlenden Maria

Warum sieht die Rückseite so völlig anders aus? Die Antwort liegt tief im Inneren des Mondes verborgen. Die Kruste auf der Rückseite ist im Durchschnitt etwa 50 Kilometer dicker als auf der Vorderseite.[2] Als in der Frühzeit des Sonnensystems gewaltige Asteroiden einschlugen, konnten sie die dicke Kruste auf der Rückseite nicht so leicht durchschlagen. Auf der Vorderseite hingegen war die Kruste dünner, sodass flüssiges Magma aus dem Inneren nach oben quellen und die tiefen Becken füllen konnte. So entstanden die dunklen Flecken, die wir als Mann im Mond interpretieren.

Giganten der Geologie: Das Sudpol-Aitken-Becken

Das markanteste Merkmal, das man auf der Rückseite sieht, ist ein gigantischer dunkler Fleck am Südpol. Dabei handelt es sich nicht um ein normales Meer, sondern um das Südpol-Aitken-Becken Fakten. Es ist einer der größten und tiefsten Einschlagskrater im gesamten Sonnensystem. Man muss sich die Dimensionen einmal vorstellen: Das Becken misst rund 2.500 Kilometer im Durchmesser und ist bis zu 13 Kilometer tief. Wenn [3] man am Rand dieses Beckens stehen würde, könnte man den Boden aufgrund der Krümmung des Mondes gar nicht sehen.

Man erkennt sofort, dass hier Kräfte am Werk waren, die unsere Vorstellungskraft sprengen. Der Boden dieses Beckens ist deutlich dunkler als der Rest der Rückseite, da der Einschlag so tief war, dass er Material aus dem tieferen Mantel des Mondes freigelegt hat. Selten habe ich eine geologische Struktur gesehen, die so viel über die gewaltsame Geschichte unseres Erdbegleiters erzählt. Es ist eine Narbe, die fast ein Viertel des gesamten Mondumfangs einnimmt.

Warum wir diese Seite nie von der Erde aus sehen

Hier ist die Auflösung zum Missverständnis, das ich am Anfang erwähnt habe: Die Rückseite ist nicht dunkel. Hier herrscht genauso Tag und Nacht wie auf der Vorderseite. Der Begriff Dunkle Seite kommt nur daher, dass sie für unsere Augen im Dunkeln bleibt - wir können sie von der Erde aus schlicht nicht sehen. Das liegt an der gebundenen Rotation: Der Mond dreht sich in genau der gleichen Zeit einmal um sich selbst, in der er die Erde einmal umkreist. Er zeigt uns also immer dasselbe Gesicht.

Nichts ist perfekt - auch diese Synchronisation nicht ganz. Durch ein leichtes Schwanken, das man Libration nennt, können wir von der Erde aus manchmal ein winziges Stück der Rückseite an den Rändern erhaschen.

Aber das wahre Zentrum bleibt uns verborgen. Erst im Jahr 1959 gelang es der sowjetischen Sonde Lunik 3, die ersten körnigen Bilder der Rückseite des Mondes nach Hause zu funken. Inzwischen haben wir dank Missionen wie Chang e 4, die 2019 als erste Sonde überhaupt dort landete, gestochen scharfe Bilder. Die Realität vor Ort ist eine endlose Abfolge von Kratern in Kratern, ohne den schützenden Anblick der Erde am Horizont.

Mehr über die Raumfahrt erfahren Sie hier: War schon mal jemand auf dem Mond?

Vergleich: Vorderseite vs. Rückseite des Mondes

Die beiden Seiten des Mondes könnten unterschiedlicher kaum sein. Hier sind die wichtigsten optischen und geologischen Unterschiede auf einen Blick.

Vorderseite (Near Side)

  • Geprägt durch große, glatte Lavaebenen (Maria) und hellere Hochländer
  • Dünnere Kruste, durchschnittlich etwa 30 bis 40 Kilometer dick
  • Etwa 31 Prozent der Oberfläche sind von dunklem Basalt bedeckt
  • Zu 100 Prozent von der Erde aus sichtbar (je nach Phase)

Rückseite (Far Side)

  • Fast ausschließlich kraterreiches, zerklüftetes Hochlandgestein
  • Deutlich dickere Kruste, oft 70 bis 100 Kilometer stark
  • Nur etwa 1 Prozent der Oberfläche besteht aus dunklen Lavaebenen
  • Nur durch Raumsonden oder Satelliten sichtbar
Der markanteste Unterschied ist der Mangel an Maria auf der Rückseite. Dies führt dazu, dass die Rückseite wesentlich stärker von Einschlägen gezeichnet wirkt und insgesamt heller erscheint als die uns zugewandte Seite.

Markus und das Teleskop-Rätsel

Markus, ein Hobby-Astronom aus Jena, wollte seinen Kindern im Garten den Mond erklären. Er zeigte ihnen die dunklen Flecken und nannte sie Meere. Eines seiner Kinder fragte, ob auf der anderen Seite auch solche Meere seien, worauf Markus erst einmal stutzte.

Er versuchte, im Internet Bilder der Rückseite zu finden, war aber zunächst verwirrt von der Bezeichnung Dunkle Seite der Macht oder Dunkle Seite des Mondes. Er dachte kurzzeitig, dort herrsche ewige Nacht.

Nach einer kurzen Recherche begriff er die gebundene Rotation. Er erklärte seinen Kindern, dass die Rückseite eigentlich die helle Seite ist, weil sie fast keine dunklen Lavameere besitzt, was die Kinder sichtlich beeindruckte.

Das Ergebnis: Die Familie verbrachte den Abend damit, den Tsiolkovskiy-Krater auf Fotos zu suchen. Markus lernte, dass man selbst als Kenner oft falsche Begriffe im Kopf hat, und korrigierte seine Sichtweise nachhaltig.

Schnelle Zusammenfassung

Helle Hochlandschönheit

Die Rückseite besteht zu 99 Prozent aus hellem Hochlandgestein und wirkt dadurch im Gesamten heller als die Vorderseite.

Kraterdichte als Zeitzeuge

Da Lavaebenen fehlen, sieht man auf der Rückseite fast jeden Einschlag der letzten Milliarden Jahre - sie ist wesentlich dichter krateriert.

Asymmetrische Kruste

Der wichtigste geologische Unterschied ist die etwa 50 Kilometer dickere Kruste auf der erdabgewandten Seite.

Schnelle Fragen & Antworten

Ist die Rückseite des Mondes immer dunkel?

Nein, das ist ein weit verbreiteter Irrtum. Die Rückseite wird genauso von der Sonne beschienen wie die Vorderseite. Wenn wir auf der Erde Neumond haben, liegt die Rückseite des Mondes voll im hellen Sonnenlicht.

Welcher ist der größte Krater auf der Rückseite?

Das ist das Südpol-Aitken-Becken. Mit einem Durchmesser von etwa 2.500 Kilometern ist es so groß, dass es fast die gesamte untere Hälfte der Rückseite einnimmt und tiefe Einblicke in den lunaren Mantel gewährt.

Warum gibt es auf der Rückseite kaum Lavameere?

Das liegt an der dickeren Kruste. Auf der Rückseite ist das Gestein etwa 50 Kilometer dicker als auf der Vorderseite, weshalb nach Asteroideneinschlägen kaum Magma aus dem Inneren bis an die Oberfläche dringen konnte.

Quellmaterialien

  • [1] En - Während die Vorderseite zu etwa 31 Prozent mit dunklen Maria bedeckt ist, machen diese Lavaebenen auf der Rückseite lediglich rund 1 Prozent der Oberfläche aus.
  • [2] Weltderphysik - Die Kruste auf der Rückseite ist im Durchschnitt etwa 50 Kilometer dicker als auf der Vorderseite.
  • [3] En - Das Sudpol-Aitken-Becken misst rund 2.500 Kilometer im Durchmesser und ist bis zu 13 Kilometer tief.