Warum ist das Schwarze Meer nicht so salzig?

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Die Frage, warum das Schwarze Meer nicht so salzig ist, klärt sich durch massive Süßwasserzuflüsse von Donau, Dnepr und Don. Diese verdünnen das Oberflächenwasser auf nur 17 bis 18 Promille Salzgehalt. Im Gegensatz dazu liegt der Durchschnitt der Weltmeere bei etwa 35 Promille. Die geografische Isolation am Bosporus verhindert zudem eine schnelle Durchmischung mit salzhaltigerem Meerwasser.
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Warum ist das Schwarze Meer nicht so salzig? 18 vs 35 Promille

Das Schwarze Meer ist weniger salzig, weil es riesige Süßwassermengen von Flüssen wie Donau, Dnepr und Don erhält. Diese verdünnen das Oberflächenwasser auf nur 17–18 Promille, während der weltweite Ozeandurchschnitt bei 35 Promille liegt. Zudem verhindert die enge Verbindung zum Mittelmeer über den Bosporus eine starke Durchmischung mit salzigerem Wasser.

Warum ist das Schwarze Meer nicht so salzig?

Die Antwort ist eigentlich ganz einfach: Der niedrige Salzgehalt des Schwarzen Meeres entsteht durch ein Zusammenspiel aus gigantischen Süßwasserzuflüssen und einer einzigartigen geografischen Situation. Das ist auch der Grund, warum der Salzgehalt in der oberen Wasserschicht nur etwa die Hälfte des weltweiten Ozeandurchschnitts beträgt. Hier die genauen Zahlen: Der durchschnittliche Salzgehalt der Weltmeere liegt bei etwa 35 Promille. Im Schwarzen Meer hingegen sind es an der Oberfläche nur durchschnittlich 17 bis 18 Promille.[2] Das Wasser schmeckt also salzig, ist aber deutlich weniger salzig als im Mittelmeer oder im Atlantik.

Die Rolle der großen Flüsse: Donau, Dnepr und Don

Der wichtigste Grund für den geringen Salzgehalt ist die enorme Menge an Süßwasser, die dem Schwarzen Meer von mehreren großen Strömen zufließt.

Die drei größten unter ihnen sind die Donau, der Dnepr und der Don. Diese Flüsse sind wahre Giganten. Die Donau ist mit einer Länge von rund 2.857 Kilometern der zweitlängste Fluss Europas und entwässert ein riesiges Gebiet von etwa 817.000 Quadratkilometern, das sich über 19 Länder erstreckt. Sie ist der größte Süßwasserlieferant der Region. Der Dnepr ist etwa 2.200 Kilometer lang und hat ein Einzugsgebiet von ungefähr 504.000 Quadratkilometern. Allein diese drei Flüsse tragen so viel Süßwasser bei, dass sie das Meerwasser an der Oberfläche stark verdünnen.

Die geografische Falle: Eine Verbindung, die kaum mischt

Das zweite wichtige Puzzleteil ist die Verbindung zum Mittelmeer, der Bosporus. Das Wasser im Mittelmeer ist sehr salzig, typischerweise zwischen 36 und 39 Promille.[3] Es ist also schwerer als das Oberflächenwasser des Schwarzen Meeres. Wenn salzigeres Mittelmeerwasser durch den Bosporus in das Schwarze Meer strömt, sinkt es aufgrund seiner höheren Dichte auf den Grund. Das leichtere, süßere Oberflächenwasser des Schwarzen Meeres fließt im Gegenzug an der Oberfläche zurück ins Mittelmeer. Dadurch entsteht eine nur sehr langsame Durchmischung der Wasserschichten.

Die dramatische Zweiteilung: Eine Welt unter Wasser

Dieser Prozess führt zu einer der extremsten Wasserschichtungen der Welt, die Meeresbiologen fasziniert. Das Schwarze Meer ist das weltweit größte meromiktische Becken[6] – was so viel heißt, dass sich die Wasserschichten nur sehr selten oder gar nicht vermischen.

Die Halokline: Die unsichtbare Barriere

Die Trennschicht zwischen dem leichten, salzarmen Oberflächenwasser und dem schweren, salzreichen Tiefenwasser wird als Halokline bezeichnet. Sie liegt in etwa 150 bis 200 Metern Tiefe.[7] Oberhalb dieser Barriere ist das Wasser relativ kühl, sauerstoffreich und voller Leben. Unterhalb der Halokline beginnt eine völlig andere, extreme Welt. Das Wasser dort ist nicht nur viel salziger, sondern auch komplett sauerstofffrei (anoxisch). Statt Sauerstoff findet man dort giftigen Schwefelwasserstoff (H₂S), der von anaeroben Bakterien produziert wird.

Die einzigartigen Lebensräume des Schwarzen Meeres

Diese Zweiteilung macht das Schwarze Meer zu einem einzigartigen, aber auch extrem unwirtlichen Ort für Lebewesen. Der größte Teil des Meeres, etwa 90 Prozent seines Volumens, sind für höheres Leben komplett tabu.[8] Die sauerstofffreie und giftige Tiefe ist eine Todeszone. Die obere, sauerstoffreiche Schicht hingegen ist ein artenreicher Lebensraum. Hier findet man zahlreiche Fischarten wie Europäischen Stör, Makrelen, Sardellen und den Schwarzen Kabeljau. Auch Delfine und verschiedene Arten von Robben sind hier zu Hause. Die Artenvielfalt ist zwar geringer als im Mittelmeer, dafür ist die Zahl der Individuen mancher Arten umso größer.

Ein salziger Blick in die Vergangenheit

Der niedrige Salzgehalt ist eine relativ junge Entwicklung in der Erdgeschichte. Vor etwa 7.000 bis 9.000 Jahren war das Schwarze Meer ein großer Süßwassersee, bekannt als das limnologische Stadium. Damals lag der Wasserspiegel des Sees etwa 100 Meter niedriger als heute. Als nach der letzten Eiszeit der Meeresspiegel weltweit anstieg, brach schließlich salziges Mittelmeerwasser durch den Bosporus in das Süßwasserbecken. Diese Flut war kein einmaliges Ereignis, sondern dauerte vermutlich mehrere Jahrzehnte. Das eindringende, schwere Salzwasser sank auf den Grund des Sees und schuf die bis heute stabile Zweischichtung.

Fazit: Eine perfekte Mischung aus Geografie und Hydrologie

Der niedrige Salzgehalt des Schwarzen Meeres ist kein Zufall, sondern das logische Ergebnis einer perfekten Mischung aus massiven Süßwasserzuflüssen und einer einzigartigen geografischen Konstellation. Die großen Ströme Europas liefern das Süßwasser, während der flache Bosporus dafür sorgt, dass das salzige Mittelmeerwasser auf den Grund sinkt und sich nicht mit dem Oberflächenwasser vermischt. Diese Situation schafft eines der faszinierendsten und extremsten Meeresökosysteme der Erde – eine Welt mit zwei völlig verschiedenen Schichten.

Vergleich: Wie salzig ist das Schwarze Meer im Vergleich zu anderen Meeren?

Um den Salzgehalt des Schwarzen Meeres besser einordnen zu können, hilft ein Blick auf andere berühmte Gewässer. Der Unterschied ist wirklich enorm.

Schwarzes Meer (Oberfläche)

- Klassifiziert als Brackwassermeer

- deutlich weniger salzig als die Nordsee (3,4% - 3,5%)

- ca. 17 - 18 Gramm Salz

- 17 - 18 Promille (ppt) (1,7% - 1,8%)

Weltweiter Ozeandurchschnitt

- Referenzwert für 'normales' Meerwasser

- ähnlicher Bereich wie die Nordsee (3,4% - 3,5%)

- ca. 35 Gramm Salz (etwa 2 Esslöffel)

- ca. 35 Promille (ppt) (3,5%)

Mittelmeer

- Eines der salzigsten großen Meere der Erde

- deutlich salziger als die Nordsee

- ca. 36 - 39 Gramm Salz

- 36 - 39 Promille (ppt) (3,6% - 3,9%)

Das Schwarze Meer ist mit 17-18 Promille ein echtes Leichtgewicht. Es ist nur etwa halb so salzig wie die großen Ozeane und deutlich weniger salzig als das benachbarte Mittelmeer. Zum Vergleich: Das Rote Meer ist mit bis zu 41 Promille noch einmal deutlich salziger. Einzig die Ostsee (0,2% - 2%) ist im Schnitt noch weniger salzig als das Schwarze Meer.

Die Reise eines Wassertropfens: Von der Donau ins Schwarze Meer

Stell dir einen einzelnen Wassertropfen vor, der irgendwo im Schwarzwald in der Quelle der Donau entspringt. Er beginnt eine fast 2.800 Kilometer lange Reise durch 10 Länder, vorbei an Wien, Budapest und Belgrad, immer weiter Richtung Osten.

Unterwegs nimmt er unzählige andere Bäche und Flüsse auf. Sein Einzugsgebiet umfasst riesige Landstriche von den Alpen bis zu den Karpaten. Dieser Wassertropfen ist Teil einer gigantischen Süßwassermenge von etwa 6.500 Kubikmetern pro Sekunde, die die Donau jeden Monat ins Schwarze Meer schüttet. [10]

Am Ende seiner langen Reise angekommen, trifft er in der ukrainischen oder rumänischen Küstenregion auf die salzige See. Da Süßwasser leichter ist als Salzwasser, bleibt unser Tropfen an der Oberfläche. Zusammen mit unzähligen anderen Flusswassertropfen verdünnt er so das Meerwasser und hält den geringen Salzgehalt der oberen Schicht aufrecht.

Häufig gestellte Fragen

Kann man im Schwarzen Meer baden gehen?

Ja, absolut! Das ist kein Problem. Wegen des geringen Salzgehalts schwimmt man sogar besonders gut. Viele Urlauber schätzen die weniger aggressive Wirkung auf die Haut. Nur auf offener See kann es zu gefährlichen Unterströmungen kommen, aber an den ausgewiesenen Badestränden ist es sicher.

Warum ist das Wasser im Schwarzen Meer manchmal trüb?

Das liegt meist an den großen Flüssen, die große Mengen an Sedimenten mitbringen, insbesondere die Donau. Diese Schwebstoffe trüben das Wasser, vor allem in Küstennähe und nach starken Regenfällen. Zudem kann die intensive Algenblüte im nährstoffreichen Wasser für eine grün-bräunliche Färbung sorgen.

Möchten Sie mehr über die Schwimmfähigkeit im Schwarzen Meer erfahren? Dann lesen Sie unseren Artikel: Warum geht man im Schwarzen Meer nicht unter?

Gibt es Haie im Schwarzen Meer?

Ja, es gibt sie, aber keine gefährlichen Arten. Der bekannteste Bewohner ist der Katzenhai (Scyliorhinus canicula), ein kleiner, völlig harmloser Hai, der maximal einen halben Meter lang wird. Außerdem kommt der Dornhai vor. Von Angriffen auf Menschen ist nichts bekannt.

Gesamtfazit

Einzigartig in Europa: Das größte Brackwassermeer der Welt

Mit einem durchschnittlichen Salzgehalt von nur 17-18 Promille (1,7%-1,8%) ist das Schwarze Meer das weltweit größte Binnenmeer mit Brackwassercharakter und einzigartig in Europa.

Die Flut aus der Vergangenheit formte das heutige Meer

Vor etwa 7.000-9.000 Jahren brach salziges Mittelmeerwasser durch den Bosporus in einen riesigen Süßwassersee. Das schwerere Salzwasser sank ab und schuf die bis heute stabile Zweischichtung des Meeres.

90% des Meeres sind eine lebensfeindliche Todeszone

Der größte Teil des Schwarzen Meeres ist komplett sauerstofffrei. Unterhalb von etwa 150 Metern liegt eine giftige Schwefelwasserstoff-Zone, in der kein höheres Leben existieren kann.

Zitate

  • [2] Fao - Im Schwarzen Meer sind es an der Oberfläche nur durchschnittlich 17 bis 18 Promille.
  • [3] Sciencelearn - Das Wasser im Mittelmeer ist sehr salzig, typischerweise zwischen 36 und 39 Promille.
  • [6] Guinnessworldrecords - Das Schwarze Meer ist das weltweit größte meromiktische Becken.
  • [7] En - Die Trennschicht zwischen dem leichten, salzarmen Oberflächenwasser und dem schweren, salzreichen Tiefenwasser wird als Halokline bezeichnet und liegt in etwa 150 bis 200 Metern Tiefe.
  • [8] En - Der größte Teil des Meeres, etwa 90 Prozent seines Volumens, sind für höheres Leben komplett tabu.
  • [10] En - Sein Einzugsgebiet umfasst riesige Landstriche von den Alpen bis zu den Karpaten. Dieser Wassertropfen ist Teil einer gigantischen Süßwassermenge von etwa 6.500 Kubikmetern pro Sekunde, die die Donau jeden Monat ins Schwarze Meer schüttet.