Welches Gewässer hat am meisten Salz?
Salzgehalt: Don-Juan-Teich vs Totes Meer
Welches Gewässer hat am meisten Salz? Viele glauben, das Tote Meer sei das salzhaltigste Gewässer der Erde. Doch es gibt einen Ort mit noch höherem Salzgehalt. Lesen Sie hier, welches Gewässer den Rekord hält und warum die Antwort überrascht.
Welches Gewässer hat am meisten Salz?
Die Antwort auf die Frage nach dem salzhaltigsten Gewässer der Erde hängt stark davon ab, ob man nach einem Ozean oder einem Binnensee sucht. Entgegen der landläufigen Meinung ist das Tote Meer nicht der Spitzenreiter. Den absoluten Weltrekord hält der Don-Juan-Teich (Don Juan Pond) in der Antarktis mit einem Salzgehalt von über 40 Prozent. Zum Vergleich [1]: Das normale Meerwasser der Ozeane weist lediglich einen durchschnittlichen Salzgehalt von etwa 3,5 Prozent auf.
Dieses extreme Verhältnis bedeutet, dass der Don-Juan-Teich etwa zwölfmal salziger ist als das Wasser im Atlantik oder Pazifik. Diese Hyper-Salinität führt zu einem faszinierenden physikalischen Phänomen: Selbst bei antarktischen Temperaturen von bis zu -50 Grad Celsius gefriert das Wasser in diesem flachen Becken nicht. Es handelt sich dabei primär um eine gesättigte Calciumchlorid-Lösung, die den Gefrierpunkt massiv nach unten drückt.
Der Don-Juan-Teich: Ein antarktisches Extrem
Der Don-Juan-Teich liegt im Wright Valley, einem der eisfreien Trockentäler der Antarktis. Mit einer Tiefe von oft nur 10 bis 30 Zentimetern gleicht er eher einer großen Pfütze als einem See. Dennoch ist die chemische Zusammensetzung einzigartig. Während die meisten salzhaltigen Seen wie das Tote Meer hauptsächlich Natriumchlorid (Kochsalz) enthalten, besteht das Wasser hier zu über 90 Prozent aus Calciumchlorid.
Ich erinnere mich noch gut an meine erste Recherche zu diesem Thema - ich dachte zuerst, es müsse ein Fehler in den Daten vorliegen. Wasser, das bei -40 Grad flüssig bleibt? Aber genau das macht diesen Ort so wertvoll für die Wissenschaft. Er dient oft als Modell für die Bedingungen auf dem Mars, wo Forscher ähnliche salzhaltige Sickerstellen vermuten. Die Sättigung ist so hoch, dass man das Wasser kaum noch als solches bezeichnen kann; es ist eher eine ölige, schwere Flüssigkeit, die niemals gefriert. Aber es gibt einen neuen Herausforderer.
Gaet’ale: Der heiße Rivale in Äthiopien
In den letzten Jahren hat ein kleiner Quellsee in der Danakil-Senke in Äthiopien, bekannt als Gaet’ale, für Schlagzeilen gesorgt. Messungen ergaben hier einen Salzgehalt von 43,3 Prozent. Im Gegensatz [2] zum eiskalten Don-Juan-Teich ist Gaet’ale eine heiße Quelle mit einer Wassertemperatur von etwa 50 bis 55 Grad Celsius. Er entstand vermutlich nach einem Erdbeben im Jahr 2005 und wird durch vulkanische Aktivität gespeist. Da sich die Werte solcher hypersalinen Kleinstgewässer je nach Verdunstung und Zufluss ändern, liefern sich diese beiden Orte ein Kopf-an-Kopf-Rennen um den Titel.
Warum das Tote Meer nur auf Platz drei landet
Das Tote Meer ist weltweit bekannt, da man darin aufgrund des enormen Auftriebs mühelos auf der Oberfläche treiben kann. Sein Salzgehalt liegt üblicherweise zwischen 28 und 34 Prozent. Das ist zwar etwa zehnmal so salzig wie der Ozean, reicht aber nicht für den weltweiten Spitzenplatz. Ein weiteres Gewässer, das oft übersehen wird, ist der Assalsee in Dschibuti. Mit rund 35 Prozent Salzgehalt liegt er stabil vor dem Toten Meer[4] und gilt als der salzhaltigste See außerhalb der Polargebiete.
Wussten Sie, dass das Tote Meer eigentlich gar kein Meer ist? Es ist ein Endsee ohne Abfluss. Die extrem hohe Verdunstung in der Hitze der Wüste lässt das Wasser verschwinden, während die gelösten Mineralien zurückbleiben und sich über Jahrtausende konzentriert haben. Das Ergebnis ist eine Sole, in der außer spezialisierten Mikroorganismen kein höheres Leben existieren kann. Man sollte dort übrigens niemals den Kopf unter Wasser stecken - das Salz brennt in den Augen wie Feuer. Ein Fehler, den viele Touristen genau einmal machen.
Vergleich der salzhaltigsten Gewässer der Erde
Hier sehen Sie die wichtigsten hypersalinen Gewässer im direkten Vergleich. Es wird deutlich, wie massiv die Unterschiede zwischen den Rekordhaltern und den normalen Weltmeeren sind:
Gaet’ale (Äthiopien): ca. 43,3 Prozent - Aktueller Spitzenreiter, gespeist durch heiße Quellen. Don-Juan-Teich (Antarktis): ca. 40 bis 44 Prozent - Rekordhalter der Kältezone, Calciumchlorid-Basis. Assalsee (Dschibuti): ca. 35 Prozent - Höchste Konzentration in Afrika außerhalb vulkanischer Quellen. Totes Meer (Jordanien/Israel): ca. 28 bis 34 Prozent - Das bekannteste hypersaline Gewässer. Großer Salzsee (USA): ca. 5 bis 27 Prozent - Der Salzgehalt schwankt hier extrem je nach Wasserstand. Weltmeere (Durchschnitt): ca. 3,5 Prozent - Der Standardwert für Ozeane.
Ozeane vs. Hypersaline Seen
Der Unterschied im Salzgehalt bestimmt nicht nur die Chemie des Wassers, sondern auch, welches Leben darin möglich ist und wie sich das Wasser physikalisch verhält.Offene Ozeane
- Heimat für Millionen von Fischarten, Säugetieren und Pflanzen
- Konstant bei etwa 3,5 Prozent
- Gering; Menschen sinken ohne Schwimmbewegungen ab
- Natriumchlorid (Kochsalz)
Hypersaline Gewässer (z.B. Totes Meer)
- Nur extremophile Mikroorganismen (Halophile) können überleben
- 25 bis über 40 Prozent
- Sehr hoch; man treibt passiv an der Oberfläche
- Oft Mischungen aus Natrium-, Magnesium- und Calciumchlorid
Das Rätsel des flüssigen Eises
Forscher in den 1960er Jahren entdeckten im Wright Valley der Antarktis den Don-Juan-Teich und trauten ihren Augen nicht. Bei Temperaturen weit unter dem Gefrierpunkt glitzerte dort eine flüssige Wasserfläche inmitten einer Eiswüste.
Der erste Erklärungsansatz war, dass vulkanische Wärme den See heizt. Doch Sensoren zeigten, dass der Boden so kalt wie die Luft war. Die Frustration stieg, als herkömmliche Modelle zur Wasserchemie nicht auf diese extremen Werte passten.
Die Forscher realisierten schließlich, dass die enorme Konzentration von Calciumchlorid den Gefrierpunkt auf etwa -51 Grad Celsius absenkt. Es war kein thermisches Wunder, sondern reine Chemie.
Heute dient der Teich als Testgelände für Mars-Sonden. Wenn dort Wasser bei extremen Minusgraden flüssig bleibt, könnte dies die Chance auf mikrobielles Leben auf dem roten Planeten um 20 bis 30 Prozent erhöhen.
Ausnahmen
Kann man im Don-Juan-Teich schwimmen?
Theoretisch ja, praktisch nein. Der Teich ist meist nur wenige Zentimeter tief. Zudem würde die extreme Calciumchlorid-Konzentration die Haut sofort stark reizen und austrocknen.
Welches richtige Meer ist am salzigsten?
Unter den großen Nebenmeeren hält das Rote Meer den Rekord mit etwa 4 Prozent Salzgehalt. Grund ist die hohe Verdunstung und der geringe Zufluss von Süßwasser durch Flüsse.
Gibt es Fische im Toten Meer?
Nein, Fische können dort nicht überleben. Der hohe Salzgehalt entzieht ihren Zellen durch Osmose sofort das Wasser, was zum Tod führt. Nur spezielle Bakterien und Algen leben dort.
Das wichtigste Ergebnis
Don-Juan-Teich ist die Nummer einsMit über 40 Prozent Salzgehalt ist dieser antarktische Tümpel das salzhaltigste Gewässer der Welt.
Dank der Salzsättigung bleibt der Don-Juan-Teich selbst bei -50 Grad Celsius flüssig.
Totes Meer ist nur 'Platz drei'Obwohl es am bekanntesten ist, haben der Assalsee und der Don-Juan-Teich deutlich höhere Salzkonzentrationen.
Ozeane sind vergleichsweise süßDer durchschnittliche Salzgehalt der Weltmeere liegt bei nur 3,5 Prozent, was ein Überleben der meisten Meeresbewohner erst ermöglicht.
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