Ist das Kaspische Meer ein Binnenmeer?
Ist das Kaspische Meer ein Binnenmeer? Größter See der Welt.
Die Frage Ist das Kaspische Meer ein Binnenmeer? beschäftigt viele Menschen aufgrund der beeindruckenden Ausmaße dieses riesigen Gewässers. Das Verständnis der genauen Einordnung schützt vor Missverständnissen über die ökologischen Bedingungen dieser Region. Eine korrekte Definition hilft dabei, die einzigartigen Merkmale und die geographische Bedeutung des Gebiets sicher zu erfassen.
Ist das Kaspische Meer ein Binnenmeer oder ein See?
Ja, geographisch gesehen ist das Kaspische Meer das Größtes Binnengewässer der Erde und wird trotz seines Namens als See klassifiziert. Es ist vollständig von Land umschlossen und besitzt keine natürliche, schiffbare Verbindung zu den Weltmeeren. Diese Einordnung sorgt oft für Verwirrung, da es salzig ist und eine Fläche einnimmt, die größer ist als viele echte Meere.
Die Fläche des Kaspischen Meeres beträgt etwa 371.000 Quadratkilometer, was es zum mit Abstand größten See der Welt macht. Zum Vergleich: Es ist damit fast so groß wie Deutschland und Belgien zusammen. Diese gewaltigen Ausmaße - kombiniert mit einem durchschnittlichen Salzgehalt von etwa 1,2 Prozent - führen dazu, dass es den Beinamen Meer trägt, obwohl es in einem endorheischen Becken liegt, aus dem kein Wasser abfließt. Aber es gibt einen Haken, auf den ich später noch im Abschnitt zur völkerrechtlichen Bedeutung eingehen werde.
Die geographischen Merkmale: Warum es ein See ist
In der Geographie definiert sich ein Meer normalerweise durch eine Verbindung zum globalen Ozeansystem. Das Kaspische Meer hingegen ist ein isoliertes Becken. Es ist ein Überrest des urzeitlichen Paratethys-Meeres, das vor Millionen von Jahren vom offenen Ozean abgeschnitten wurde. Heute wird es zu etwa 80 Prozent durch die Wolga gespeist, die jährlich gewaltige Mengen an Süßwasser in das Becken transportiert.
Interessanterweise ist das Kaspische Meer salzig, jedoch ist der Salzgehalt nicht überall gleich. Im Norden, wo die Wolga mündet, ist das Wasser fast süß, während es im Süden auf bis zu 1,3 Prozent ansteigt. Das ist zwar deutlich weniger als der durchschnittliche Ozean-Salzgehalt von 3,5 Prozent, aber genug, um eine maritime Flora und Fauna zu beherbergen. Ich erinnere mich, wie ich das erste Mal Daten über die Tiefe las - mit über 1.000 Metern an der tiefsten Stelle ist es tiefer als die meisten europäischen Randmeere. Das fühlt sich definitiv nicht wie ein typischer See an.
Der Unterschied zwischen Binnensee und Binnenmeer
Oft werden die Begriffe verwechselt. Ein echtes Binnenmeer, wie die Ostsee, ist fast ganz von Land umschlossen, hat aber eine schmale Verbindung zum Ozean. Ein Binnensee wie das Kaspische Meer ist dagegen hermetisch abgeriegelt. Den Unterschied Binnensee und Binnenmeer zu verstehen ist wichtig, da künstliche Kanäle wie den Wolga-Don-Kanal, über den Schiffe das Schwarze Meer erreichen können, vom Menschen geschaffen sind und nicht als natürliche Meeresverbindung zählen.
Die völkerrechtliche Debatte: See oder Meer?
Hier ist die Antwort auf das Rätsel, das ich am Anfang erwähnt habe. Jahrzehntelang stritten die Anrainerstaaten - Russland, Kasachstan, Turkmenistan, Iran und Aserbaidschan - darüber, ob das Gewässer rechtlich als See oder als Meer zu behandeln sei. Die Frage Kaspisches Meer See oder Meer ist entscheidend, weil davon abhängt, wie die wertvollen Öl- und Gasvorkommen am Boden aufgeteilt werden. Wäre es ein Meer, würde das Seerechtsübereinkommen der UN gelten, was die Aufteilung der Küstenzonen strikt regelt.
Im Jahr 2018 wurde schließlich ein historisches Abkommen unterzeichnet, das den Kaspisches Meer rechtlicher Status als einen Sonderstatus definiert. Es wird weder als klassischer See noch als Meer festgelegt, sondern als Gewässer mit speziellen Regeln. Die Oberfläche steht allen Anrainern zur friedlichen Nutzung offen, aber der Meeresboden wird nach bilateralen Abkommen aufgeteilt. Das ist eine pragmatische Lösung für ein geographisches Unikat. Eigentlich eine kluge Entscheidung, wenn man bedenkt, wie viel Konfliktpotential in den dortigen Ressourcen steckt.
Nichtsdestotrotz bleibt die ökologische Lage angespannt. Der Wasserspiegel sinkt seit Jahren kontinuierlich - und hier kommt die bittere Realität ins Spiel. Ich habe Berichte gesehen, nach denen der Spiegel seit den 1990er Jahren um fast 7 Zentimeter pro Jahr gefallen ist. Das klingt nach wenig, summiert sich aber bei einer so flachen Küstenlinie im Norden schnell zu gewaltigen Landverlusten.
Vergleich der größten Binnengewässer
Um die Dimensionen des Kaspischen Meeres besser zu verstehen, hilft ein Blick auf andere bekannte Rekordgewässer der Erde.Kaspisches Meer
- Ca. 371.000 km2 - Das größte Binnengewässer der Welt
- Besitzt eine eigene ozeanische Erdkruste im tiefen Süden
- Salzwasser-Binnensee (Relikt eines Ozeans)
Oberer See (Lake Superior)
- Ca. 82.100 km2 - Größter Süßwassersee nach Fläche
- Teil der Großen Seen in Nordamerika
- Süßwassersee
Baikalsee
- Ca. 31.700 km2
- Tiefer als das Kaspische Meer und wasserreichster See
- Süßwassersee
Das Kaspische Meer spielt in einer völlig anderen Liga als alle anderen Seen. Es ist flächenmäßig mehr als viermal so groß wie der nächstkleinere Konkurrent und weist durch seine geologische Vergangenheit als Teil eines Ozeans einzigartige maritime Merkmale auf.Fischer am Kaspischen Meer: Der Kampf gegen den sinkenden Spiegel
Arman, ein Fischer aus der Nähe von Aqtau in Kasachstan, beobachtet seit über 20 Jahren, wie sich das Ufer zurückzieht. Früher lag sein Steg direkt am Wasser, heute muss er hunderte Meter über trockenes Salzland laufen, um sein Boot zu erreichen.
Anfangs versuchte er, seinen Anleger einfach zu verlängern, doch der Wasserspiegel sank schneller, als er bauen konnte. Die Frustration war groß, da seine Treibstoffkosten stiegen, nur um das tiefere Wasser zu erreichen.
Er erkannte, dass er sein Geschäft umstellen muss. Statt nur auf den traditionellen Fang zu setzen, begann er, in transportable Ausrüstung zu investieren, die er dem Wasserstand anpassen kann. Er lernte, dass Flexibilität in dieser sich wandelnden Geographie überlebenswichtig ist.
Heute ist der Wasserstand um über 1,5 Meter niedriger als noch vor 25 Jahren. Arman berichtet, dass er zwar weniger Störe fängt, aber durch die Anpassung seiner Logistik immerhin noch seine Familie ernähren kann, während viele Nachbarn das Fischen komplett aufgegeben haben.
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Ist das Kaspische Meer wirklich salzig?
Ja, es ist ein Salzwassersee, aber der Salzgehalt ist mit etwa 1,2 Prozent deutlich niedriger als in den Ozeanen (3,5 Prozent). Der Salzgehalt ist ein Überbleibsel aus seiner Zeit als Teil eines urzeitlichen Meeres.
Welche Länder grenzen an das Kaspische Meer?
Es gibt fünf Anrainerstaaten: Russland im Nordwesten, Kasachstan im Nordosten, Turkmenistan im Südosten, der Iran im Süden und Aserbaidschan im Westen.
Warum nennt man es Meer, wenn es ein See ist?
Die Bezeichnung stammt von den antiken Römern und Griechen, die aufgrund der enormen Größe und des salzigen Wassers davon ausgingen, es handele sich um ein echtes Meer. Der Name hat sich historisch einfach festgesetzt.
Schlüsselpunkte
Geographische DefinitionDas Kaspische Meer ist kein Binnenmeer, sondern ein endorheischer See, da es keine natürliche Verbindung zum Ozean besitzt.
Mit 371.000 km2 Fläche ist es das größte Binnengewässer der Welt und macht etwa 40 Prozent aller weltweit in Seen gespeicherten Wassermassen aus.
Völkerrechtlicher SonderstatusSeit 2018 gilt ein spezieller Rechtsstatus, der weder See noch Meer ist, um die Nutzung von Rohstoffen und militärische Präsenz zu regeln.
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