Wer ist besonders suchtgefährdet?

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Die hohe Prävalenz substanzbezogener Störungen bei Jugendlichen ist alarmierend. Bis zu 30 Prozent der jungen Erwachsenen unter 25 Jahren weisen ein erhöhtes Suchtpotential auf, wobei Alkohol und Cannabis prominent vertreten sind. Frühe Prävention und Intervention sind daher unerlässlich.

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Wer ist besonders suchtgefährdet? Ein Blick auf Risikofaktoren

Die alarmierend hohe Zahl junger Erwachsener mit substanzbezogenen Störungen verdeutlicht die Notwendigkeit, die Risikofaktoren für Suchterkrankungen besser zu verstehen. Während jeder Mensch theoretisch eine Sucht entwickeln kann, weisen bestimmte Personengruppen ein deutlich erhöhtes Risiko auf. Es handelt sich dabei nicht um eine deterministische Aussage – die Anwesenheit von Risikofaktoren erhöht die Wahrscheinlichkeit einer Sucht, garantiert sie aber nicht. Vielmehr ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren verantwortlich.

Individuelle Faktoren:

  • Genetische Veranlagung: Eine familiäre Vorbelastung mit Suchtproblemen erhöht das Risiko erheblich. Genetische Faktoren beeinflussen sowohl die Vulnerabilität gegenüber Suchtmitteln als auch die Wahrscheinlichkeit, eine Abhängigkeit zu entwickeln. Dies betrifft nicht nur die Art der Substanz, sondern auch die Schwere der Erkrankung.
  • Persönlichkeitsmerkmale: Menschen mit Impulsivität, emotionaler Instabilität, geringem Selbstwertgefühl, einem ausgeprägten Bedürfnis nach Nervenkitzel oder einem Hang zu Risikoverhalten sind anfälliger für Sucht. Diese Merkmale können die Bewältigung von Stress und schwierigen Lebenssituationen erschweren, was den Rückgriff auf Suchtmittel begünstigt.
  • Vorbestehende psychische Erkrankungen: Depressionen, Angststörungen, ADHS oder posttraumatische Belastungsstörungen (PTBS) erhöhen das Risiko einer Substanzmissbrauchsstörung deutlich. Suchtmittel werden oft als Selbstmedikation eingesetzt, um die Symptome dieser Erkrankungen zu lindern. Dieser selbstzerstörerische Kreislauf verstärkt die Abhängigkeit.
  • Traumatische Erlebnisse: Missbrauch, Vernachlässigung, Gewalt oder der Verlust nahestehender Personen in der Kindheit oder Jugend können die Vulnerabilität für Suchterkrankungen erhöhen. Traumatische Erfahrungen führen häufig zu einer veränderten Stressverarbeitung und einem erhöhten Bedarf an Bewältigungsmechanismen, die durch Suchtmittel scheinbar gedeckt werden.

Soziale Faktoren:

  • Familiäres Umfeld: Ein gestörtes Familienverhältnis, mangelnde elterliche Fürsorge, Konflikte oder die Präsenz von Suchtproblemen in der Familie stellen erhebliche Risikofaktoren dar. Fehlende positive Bindungen und mangelnde Unterstützung können die Entwicklung einer Sucht begünstigen.
  • Sozialer Druck und Gruppenzwang: Der Druck, in bestimmte soziale Gruppen zu passen oder sich zu beweisen, kann dazu führen, dass Jugendliche und junge Erwachsene mit dem Konsum von Suchtmitteln beginnen. Eine Akzeptanz von Suchtmitteln innerhalb der Peergroup verstärkt dieses Risiko.
  • Zugänglichkeit von Suchtmitteln: Ein einfacher Zugang zu illegalen Substanzen oder ein leicht verfügbarer Alkoholkonsum in der Umgebung erhöht die Wahrscheinlichkeit des Konsums und einer späteren Abhängigkeit.
  • Sozioökonomischer Status: Menschen aus sozial benachteiligten Verhältnissen sind oft einem höheren Risiko ausgesetzt. Armut, Arbeitslosigkeit und fehlende Bildungsmöglichkeiten können Stressfaktoren verstärken und den Zugang zu Hilfsangeboten erschweren.

Fazit:

Die Entstehung einer Suchterkrankung ist ein komplexer Prozess, der durch das Zusammenwirken verschiedener individueller und sozialer Faktoren beeinflusst wird. Ein ganzheitlicher Ansatz zur Prävention und Therapie muss daher diese vielfältigen Risikofaktoren berücksichtigen und frühzeitig ansetzen. Sowohl präventive Maßnahmen, die auf die Stärkung der individuellen Resilienz abzielen, als auch der Aufbau von unterstützenden sozialen Netzwerken sind entscheidend im Kampf gegen Suchterkrankungen. Eine frühzeitige Intervention bei auffälligem Konsumverhalten ist unerlässlich, um den Teufelskreis der Abhängigkeit zu durchbrechen.