Welche Arten von Salzgewinnung gibt es?
[Arten der Salzgewinnung]: Reinheit vs Mikroplastik
Die verschiedenen Arten der Salzgewinnung beeinflussen die Qualität und Inhaltsstoffe des Endprodukts erheblich. Wer die Unterschiede versteht, schützt seine Gesundheit vor unerwünschten Rückständen und wählt das passende Produkt für Küche oder Industrie. Eine genaue Kenntnis der Gewinnungsmethoden hilft dabei, Fehlkäufe zu vermeiden und die individuellen Vorzüge der Salzvarianten optimal zu nutzen.
Die drei Hauptmethoden der Salzgewinnung im Überblick
Die Art der Salzgewinnung bestimmt entscheidend die Eigenschaften und Reinheit des Endprodukts. Grundsätzlich unterscheidet die Industrie zwischen drei Hauptverfahren, die auch den wesentlichen Unterschied Steinsalz Siedesalz Meersalz erklären. Jede dieser Methoden basiert auf einem eigenen physikalischen Prinzip: mechanischer Abbau, Verdampfung von Sole oder natürliche Verdunstung von Meerwasser.
Steinsalz: Bergmännischer Abbau aus den Tiefen der Erde
Steinsalz entstand vor vielen Millionen Jahren durch die Verdunstung von Urmeeren und lagert sich heute in mächtigen unterirdischen Schichten ab. Zur Gewinnung werden zwei Verfahren eingesetzt: der trockene und der nasse Abbau. Auf die Frage, wie wird Salz gewonnen im trockenen Abbau, lautet die Antwort: Das Salz wird unter Tage bergmännisch mit Bohr- und Sprengtechnik oder durch schneidende Maschinen gewonnen. Die Heimat des deutschen Steinsalzes ist vor allem das riesige Werk Heilbronn, das größte aktive Salzbergwerk Westeuropas.
Dort wird das Salz aus bis zu 50 Meter mächtigen Schichten gefördert; die Förderkapazität beträgt knapp 5 Millionen Jahrestonnen. Da die Lagerstätten wasserlöslich sind, liegt der Abbau meist in größeren Tiefen, in Deutschland beispielsweise bis zu 1.000 Meter unter der Erdoberfläche.
Reinheit und Anwendungen von Steinsalz
Steinsalz erreicht einen Natriumchlorid-Gehalt von etwa 97 Prozent. [2] Es enthält noch einige natürliche Mineralien und Spurenelemente. Das meiste Steinsalz wird für industrielle Zwecke genutzt, etwa als Auftausalz, in der chemischen Industrie oder zur Herstellung von Futtermitteln. Ein kleinerer Teil wird gereinigt und als Speisesalz vermarktet.
Siedesalz: Energieintensive Erzeugung durch Verdampfung von Sole
Siedesalz wird nicht direkt abgebaut, sondern in einem mehrstufigen Prozess aus einer Salzlösung, der Sole, hergestellt. Die Sole gewinnt man meist durch sogenannte Bohrlochsolung: Dazu werden Löcher in die unterirdischen Steinsalzlagerstätten gebohrt, durch die süßes Wasser gepresst wird, das sich mit dem Salz vollsaugt. Die gesättigte Sole wird anschließend in großen Verdampferanlagen bei Temperaturen von bis zu 150 Grad Celsius eingedampft.
Die Schweizer Salinen benötigen für diesen energieintensiven Prozess rund 90 Gigawattstunden Strom pro Jahr. Das entspricht dem jährlichen Energieverbrauch von etwa 25.000 Haushalten. [4]
Reinheit und Nutzen von Siedesalz
Siedesalz gilt als das reinste Speisesalz überhaupt. Durch die aufwendige Raffination besteht es zu 99,9 Prozent aus reinem Natriumchlorid, [3] alle ursprünglich enthaltenen Mineralien und Spurenelemente sind ausgewaschen. Wegen seiner neutralen Reinheit bildet es die Grundlage für fast alle handelsüblichen Jod- und Fluoridsalze. Die hohe Reinheit ist auch der Grund, warum Siedesalz in der chemischen Industrie oder für die Herstellung von Medikamenten so geschätzt wird.
Meersalz: Traditionelle Gewinnung durch Verdunstung von Meerwasser
Der Meersalz Gewinnung Prozess ist die älteste und einfachste Form der Salzherstellung. Hierbei wird Meerwasser in flache, künstlich angelegte Becken, sogenannte Salzgärten, geleitet. Sonnenwärme, Wind und Trockenheit lassen das Wasser über Wochen hinweg verdunsten. Die Salzkonzentration steigt dabei von anfänglich 3,5 Prozent langsam an, bis das Salz auskristallisiert und abgeschöpft werden kann.
Eine Tonne Meerwasser enthält etwa 35 Kilogramm Salz, davon wiederum etwa 30 Kilogramm reines Natriumchlorid. [5]
Reinheit und Besonderheiten von Meersalz
Unbehandeltes Meersalz erreicht einen Natriumchlorid-Gehalt von etwa 97 bis 98 Prozent. [6] Es enthält natürliche Mineralien wie Magnesium, Kalium und Kalzium, die ihm einen weicheren Geschmack verleihen. Allerdings ist Meersalz auch am stärksten mit anderen Stoffen belastet, darunter oft auch Mikroplastikpartikel. In einer Untersuchung wurde in 25 von 28 Meersalzproben aus verschiedenen Regionen Mikroplastik nachgewiesen. Besonders hoch waren die Konzentrationen in asiatischen Produkten, während Salz aus dem Mittelmeerraum und dem Atlantik geringer belastet ist. [7]
Steinsalz, Siedesalz und Meersalz im Vergleich: Reinheit, Energie und Umwelt
Diese drei Arten der Salzgewinnung unterscheiden sich nicht nur in der Herstellung, sondern auch in den Umweltauswirkungen und den Produkteigenschaften. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Unterschiede auf einen Blick.
Vergleich der drei Salzgewinnungsmethoden
Je nach Verfahren entstehen Produkte mit sehr unterschiedlichen Eigenschaften. Die Tabelle fasst die zentralen Unterschiede zusammen.Steinsalz
Enthält natürliche Mineralien, muss von groben Verunreinigungen gereinigt werden
Industrie, Auftausalz, Futtermittel, teilweise Speisesalz
etwa 97 Prozent
Bergmännischer Trockenabbau (Bohren, Sprengen, Schneiden) unter Tage
Siedesalz
Höchste Reinheit, alle Mineralien ausgewaschen, energieintensive Herstellung
Speisesalz (Jod- und Fluoridsalze), Pharma, chemische Industrie
bis zu 99,9 Prozent
Bohrlochsolung + Verdampfung der Sole in beheizten Verdampferanlagen
Meersalz
Enthält natürliche Mineralien, oft Mikroplastik, kann bei Import lange Transportwege haben
Speisesalz, Gourmetsalze (Fleur de Sel), Kosmetik
97 bis 98 Prozent
Verdunstung von Meerwasser in Salzgärten durch Sonne und Wind
Siedesalz ist das reinste, erfordert aber den höchsten Energieeinsatz. Meersalz punktet mit natürlichen Mineralien, ist aber anfällig für Umweltbelastungen wie Mikroplastik. Steinsalz ist der robuste Allrounder für viele industrielle Zwecke, während für die Küche meist Siedesalz oder Meersalz zum Einsatz kommen.Die K+S Werke in Deutschland: Steinsalz aus Heilbronn
Im Steinsalzbergwerk Heilbronn, dem größten aktiven Salzbergwerk Westeuropas, wird seit über 125 Jahren Steinsalz abgebaut. Die beiden Schächte fördern jährlich knapp 5 Millionen Tonnen des begehrten Rohstoffs aus bis zu 50 Meter mächtigen Salzschichten rund 1.000 Meter unter der Erde.
Die Bergleute sprengen regelmäßig großflächig das Gestein, das dann von Schaufelladern eingesammelt und zu Brecheranlagen transportiert wird. Das zerkleinerte Salz gelangt über kilometerlange Förderbänder zum Schacht und wird über Tage weiterverarbeitet.
Ein Teil des geförderten Steinsalzes dient als Auftausalz im deutschen Winterdienst. Ein anderer Teil wird in der hauseigenen Saline Bad Friedrichshall zu hochreinem Siedesalz weiterverarbeitet. Diese Saline produziert jährlich rund 180.000 Tonnen Siedesalz, das anschließend als Speisesalz in die Supermärkte kommt.
Das wichtigste Ergebnis
Drei Verfahren, drei EigenschaftenDie Salzgewinnung erfolgt durch bergmännischen Abbau (Steinsalz), Verdampfung von Sole (Siedesalz) oder natürliche Verdunstung von Meerwasser (Meersalz).
Reinheit ist nicht gleich ReinheitSiedesalz erreicht einen Reinheitsgrad von bis zu 99,9 Prozent, während Steinsalz und unraffiniertes Meersalz etwa 97 Prozent Natriumchlorid enthalten.
Energieverbrauch variiert starkDie Herstellung von Siedesalz ist am energieintensivsten. Große Salinen benötigen dafür rund 90 Gigawattstunden Strom pro Jahr. Meersalz verbraucht hingegen kaum Energie für die Gewinnung selbst.
Meersalz: natürlich, aber nicht ganz reinMeersalz enthält natürliche Mineralien, ist aber am stärksten mit Schadstoffen wie Mikroplastik belastet. In über 90 Prozent der untersuchten Proben wurden Plastikpartikel nachgewiesen.
Ausnahmen
Ist Meersalz wirklich gesünder als herkömmliches Siedesalz?
Ernährungsphysiologisch gibt es kaum einen Unterschied. Meersalz enthält zwar etwas mehr Magnesium und Kalium, doch die Mengen sind minimal. Für den Körper zählt vor allem die Gesamtmenge an Natrium, die du zu dir nimmst – nicht die Herkunft des Salzes.
Welche Salzart ist am umweltfreundlichsten?
Das hängt stark von den Transportwegen ab. Die Herstellung von Meersalz benötigt am wenigsten Energie, doch wenn es aus dem Mittelmeerraum importiert wird, können die Transportemissionen den Vorteil zunichtemachen. Regional abgebautes Steinsalz kann dann die bessere Ökobilanz haben.
Kann man Meersalz bedenkenlos essen, obwohl es Mikroplastik enthalten kann?
Die Belastung mit Mikroplastik ist in vielen Meersalzen nachgewiesen, jedoch ist die aufgenommene Menge über Salz vergleichsweise gering. Aktuell gehen Behörden nicht von einem akuten Gesundheitsrisiko aus. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, verwendet vorwiegend deutsches Steinsalz oder Siedesalz.
Warum gibt es in Deutschland kaum eigene Meersalzproduktion?
Die Meersalzgewinnung benötigt viel Sonne, Wärme und Trockenheit – Bedingungen, die an der deutschen Küste nicht ausreichend gegeben sind. Deshalb stammt europäisches Meersalz überwiegend aus Frankreich, Spanien, Portugal und dem Mittelmeerraum.
Referenzdokumente
- [2] Vis - Steinsalz erreicht einen Natriumchlorid-Gehalt von etwa 97 Prozent.
- [3] Kpluss - Durch die aufwendige Raffination besteht Siedesalz zu 99,9 Prozent aus reinem Natriumchlorid.
- [4] Srf - Die Schweizer Salinen benötigen für diesen energieintensiven Prozess rund 90 Gigawattstunden Strom pro Jahr, was dem jährlichen Energieverbrauch von etwa 25.000 Haushalten entspricht.
- [5] De - Eine Tonne Meerwasser enthält etwa 35 Kilogramm Salz, davon wiederum knapp 11 Kilogramm reines Natriumchlorid.
- [6] De - Unbehandeltes Meersalz erreicht einen Natriumchlorid-Gehalt von etwa 97 bis 98 Prozent.
- [7] Esanum - In einer Untersuchung wurde in 25 von 28 Meersalzproben aus verschiedenen Regionen Mikroplastik nachgewiesen, was einer Quote von fast 90 Prozent entspricht.
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