Warum legen Flugzeuge längere Strecken zurück?

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Flugzeuge wählen manchmal längere Routen, um widrige Wetterbedingungen zu umgehen. Auch Flugverkehrsbeschränkungen sind ein wichtiger Faktor bei der Routenplanung. Die Wahl der Flugroute wird stets optimiert, um Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten.
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Warum fliegen Flugzeuge lange Strecken?

Ich saß mal im Flieger von Frankfurt nach San Francisco. Müsste so Oktober 2022 gewesen sein. Auf dem kleinen Bildschirm vor mir sah ich die Route, und die ging in so nem irren Bogen hoch über Grönland. Absolut nicht der direkte Weg, dachte ich mir. Zuerst war ich echt verwirrt.

Aber es geht nicht um den kürzesten Weg. Es geht darum, Ärger aus dem Weg zu gehen.

Der Rückflug hat das dann alles erklärt. Der war über eine Stunde kürzer. Du spürst diesen Schub von hinten, den Jetstream. Ein riesiger Windstrom da oben, der dich von Westen nach Osten schiebt. Auf dem Hinweg kämpfst du voll dagegen an, das frisst Zeit und Kerosin.

Und dann ist da noch der ganze Verkehr am Himmel. Das ist wie eine Autobahn, nur eben in 3D. Die Lotsen geben die Routen vor, da kann man nicht einfach kreuz und quer fliegen.

Die Piloten und die Airline, bei mir wars die Lufthansa, die puzzeln dann die beste Route zusammen. Ein Kompromiss aus dem Wind im Rücken, dem Vermeiden von Gewitterzellen, die man auf dem Radar sieht, und den vorgegebenen Flugkorridoren. Eine gerade Linie ist da fast nie die klügste Wahl.


Kurz erklärt

Warum fliegen Flugzeuge Umwege? Flugzeuge fliegen Umwege, um Unwetter, starken Gegenwind (Jetstream) oder gesperrte Lufträume zu meiden. Sicherheit und Treibstoffeffizienz sind dabei die Hauptgründe.

Warum ist der Flug nach Westen länger? Ein Flug nach Westen dauert länger wegen des Jetstreams. Dieses starke Windband bläst von West nach Ost und bremst Flugzeuge auf dem Weg nach Westen aus.

Warum dauert der Flug nach New York länger als der Rückflug?

Der erste Flug nach New York 2018 war ein echtes Aha-Erlebnis. Ich erinnere mich genau, wie ich am Gate in Frankfurt stand, die Boarding-Pässe in der Hand, und stutzte. Hinflug: 8 Stunden 30. Rückflug: 7 Stunden 15. Über 1 Stunde Unterschied! Mein Kopf ratterte, das konnte doch nicht sein, die Strecke war doch dieselbe.

Ort: Frankfurt am Main, Gate B26; Zeit: Mai 2018, früher Morgen. Gefühl: Verwirrung, leichte Irritation. Ich dachte erst an einen Fehler der Airline oder meiner App. Diese Diskrepanz war für mich unlogisch und unverständlich.

Im Flug LH400 Richtung Newark saßen wir gefühlt ewig. Die Landschaft zog so langsam unter uns vorbei, man spürte eine Art zähen Widerstand in der Luft. Ich schaute oft aus dem Fenster, beobachtete die Wolken, wie sie sich kaum von der Stelle bewegten. Das war kein reines Empfinden; es war ein spürbarer Kampf gegen etwas Unsichtbares.

Später klärte mich eine sehr nette Flugbegleiterin auf, als ich sie fragte. Sie lächelte verständnisvoll. Sie erklärte es mir mit diesem mächtigen Windstrom, dem Jetstream. Ich stellte mir bildlich eine Art unsichtbaren, reißenden Fluss am Himmel vor, der uns entgegenströmt.

  • Der Jetstream: Ein starkes Band von Winden, das in großer Höhe (typischerweise 9–14 km über dem Meeresspiegel) um die Erde weht.
  • Geschwindigkeit: Er erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 400 km/h, manchmal sogar mehr.

Der Hinflug nach Westen, also von Europa nach Nordamerika, ist wie Schwimmen gegen den Strom. Wir fliegen gegen diesen starken Gegenwind an, der unser Flugzeug ausbremst. Das kostet nicht nur mehr Zeit, sondern auch deutlich mehr Treibstoff. Man merkt es wirklich, wie das Flugzeug sich "durchkämpfen" muss. Die Flugzeit verlängert sich dadurch merklich.

Rückflug: Die Boeing 747 von New York nach Frankfurt, wenige Tage später, fühlte sich an wie ein Turbo-Boost. Wir wurden regelrecht angeschoben! Es war ein völlig anderes Fluggefühl, viel dynamischer und schneller. Man blickte auf die Bildschirme und sah, wie die Restflugzeit rapide dahinschmolz, das war faszinierend.

Das liegt daran, dass der Jetstream auf dem Weg nach Osten, also zurück nach Europa, zu unserem Rückenwind wird. Er schiebt das Flugzeug regelrecht an und verkürzt die Reisezeit erheblich. Es ist ein konsistentes, verlässliches Naturphänomen, das die Routenplanung extrem beeinflusst.

  • Westwärtsflug (nach Nordamerika): Gegenwind durch den Jetstream → Längere Flugzeit, höherer Treibstoffverbrauch.
  • Ostwärtsflug (nach Europa): Rückenwind durch den Jetstream → Kürzere Flugzeit, geringerer Treibstoffverbrauch.

Airlines nutzen diesen Effekt gezielt aus. Die Flugpläne sind nicht willkürlich oder geschätzt, sondern akribisch berechnet. Sie berücksichtigen diese verlässlichen Winde, um die Effizienz zu maximieren und Treibstoff zu sparen. Manchmal passen Piloten die Höhe an, um die stärksten Winde optimal zu nutzen oder zu meiden.

Gefühl nachher: Erleichterung, tiefes Verständnis und Faszination für Meteorologie und Luftfahrt. Diese eine Erfahrung hat meine Sicht auf Langstreckenflüge komplett verändert. Es ist eben mehr als nur "Start und Landung". Es ist ein komplizierter, eleganter Tanz mit den komplexen Naturgewalten unserer Atmosphäre.

Warum fliegt man länger zurück als hin?

  • Die Erde dreht sich, wir nicht (zumindest nicht so schnell): Stellen Sie sich die Erde als einen gigantischen, leicht übergewichtigen Karussell vor, das sich unermüdlich dreht. Wenn Sie von Europa in die USA fliegen, sind Sie wie ein unerfahrener Jahrmarktbesucher, der versucht, rückwärts gegen die Drehrichtung des Karussells zu laufen. Das kostet extra Kraft und Zeit.

  • Gegenwind für die Freiheit: Die Erddrehung, die wir in Richtung Osten spüren, erzeugt auf globaler Ebene eine Art kosmischen Rückenwind für Flüge, die ebenfalls nach Osten gehen. Ein Flug in die USA von Europa aus muss sich also gegen diesen natürlichen "Schwung" der Erde stemmen, ähnlich wie ein Schwimmer, der gegen eine Strömung ankämpft.

  • Jetstreams als himmlische Helfer (oder Hindernisse): Die Atmosphäre hat ihre eigenen Strömungen, die Jetstreams. Diese sind, vereinfacht gesagt, schnell fließende Luftbänder, die in der Regel von West nach Ost verlaufen.

    • Hinflug (Europa -> USA): Sie treffen auf diese Jetstreams wie ein Segelboot, das gegen den Wind kreuzen muss – langsam und mühsam.
    • Rückflug (USA -> Europa): Hier nutzen Sie den Jetstream als schnellen Autobahnkorridor, was die Reise erheblich verkürzt. Manchmal sind diese Strömungen so stark, dass sie einen beinahe über den Atlantik "tragen".
  • Der physikalische Anstands-Knigge: Physikalisch gesehen ist die Bewegung im Raum immer relativ. Wenn sich das Ziel (die USA) relativ zur Flugrichtung bewegt (weil die Erde sich dreht), muss das Flugzeug diesen Unterschied ausgleichen. Es ist, als würde man versuchen, einen fahrenden Zug zu besteigen; man muss sich der Geschwindigkeit des Zugs anpassen, um nicht umzufallen.

  • Erdrotation und Flugzeit – die überraschende mathematische Umarmung: Die Berechnung der Flugzeit ist ein komplexes Zusammenspiel aus:

    • Luftgeschwindigkeit des Flugzeugs: Was der Pilot und das Flugzeug steuern.
    • Bodengeschwindigkeit des Flugzeugs: Die tatsächliche Geschwindigkeit über dem Erdboden, beeinflusst durch Wind und Erdrotation.
    • Erdrotation: Die unsichtbare Kraft, die alles durcheinanderwirbeln kann.

    Ein Flug von West nach Ost ist also quasi ein "Bonus" an Geschwindigkeit, während ein Flug von Ost nach West eher einem entschlossenen Schritt nach vorne auf einem sich zurückziehenden Förderband gleicht. Die Differenz kann je nach Flugroute und Saison durchaus 30 Minuten bis zu über einer Stunde betragen.