Ist Ostsee süß oder Salzwasser?
Ist die Ostsee Salz- oder Süßwasser? 0,3% bis 1,8% Salz
Ist die Ostsee Salz- oder Süßwasser? Diese Frage beschäftigt viele Urlauber und Naturinteressierte gleichermaßen. Das Verständnis der besonderen Wasserzusammensetzung hilft dabei, die einzigartige Flora und Fauna dieses Meeres besser zu begreifen. Wer die ökologischen Besonderheiten kennt, versteht die Herausforderungen für die Artenvielfalt. Informieren Sie sich hier über die genauen Eigenschaften des Ostseewassers.
Die kurze Antwort: Die Ostsee ist ein Brackwassermeer
Die Frage, ob die Ostsee Süßwasser oder Salzwasser ist, lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten. Tatsächlich ist sie weder das eine noch das andere, sondern das größte Brackwassermeer der Erde. Das bedeutet, dass sich hier salziges Wasser aus dem Ozean mit dem Süßwasser zahlreicher Flüsse vermischt. Aber es gibt ein Geheimnis tief am Meeresgrund, das darüber entscheidet, ob das Ökosystem überlebt - dazu später mehr im Abschnitt über die Wasserschichten.
Zum Vergleich: Die Nordsee weist einen deutlich höheren Wert von rund 3,5% auf. Diese Mischung macht die Ostsee einzigartig, sorgt aber auch für eine enorme ökologische Belastung der dort lebenden Arten. Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Urlaub auf Usedom, als ich fast enttäuscht war, dass das Wasser beim Schwimmen kaum nach Salz schmeckte. Es fühlte sich eher wie ein riesiger See an.
Der Salzgehalt-Gradient: Warum das Wasser im Osten anders schmeckt
Eines der faszinierendsten Merkmale der Ostsee ist, dass der Salzgehalt Ostsee nicht überall gleich ist. Es gibt ein starkes Gefälle von West nach Ost. In den dänischen Gewässern und in der Kieler Bucht ist das Wasser noch vergleichsweise salzig, da dort regelmäßig frisches Wasser aus der Nordsee einströmt. Je weiter man jedoch nach Osten oder Norden in den Bottnischen Meerbusen reist, desto süßer wird das Wasser. Dort sinkt der Salzgehalt oft auf unter 0,3%, was fast dem Standard von Trinkwasser entspricht. [4]
Warum ist die Ostsee nicht so salzig? Die Ostsee ist ein fast abgeschlossenes Becken. Über 250 Flüsse leiten kontinuierlich Süßwasser in das Meer.[3] Da der Austausch mit der Nordsee nur durch sehr schmale Meerengen wie den Öresund oder den Großen Belt erfolgt, kann das schwere Salzwasser nur langsam vordringen. In manchen Gegenden Finnlands ist das Wasser so salzarm, dass dort sogar Hechte und Barsche leben - Fische, die man normalerweise nur aus Bächen und Seen kennt. Verrückt, oder?
Der ewige Kampf der Wassermassen: Warum die Ostsee nicht aussüßt
Man könnte meinen, dass die vielen Flüsse die Ostsee irgendwann in einen reinen Süßwassersee verwandeln müssten. Dass das nicht passiert, liegt an einem physikalischen Phänomen. Salzwasser ist schwerer als Süßwasser. Wenn also schweres, salzhaltiges Wasser aus dem Kattegat in die Ostsee drückt, sinkt es sofort auf den Grund und schiebt sich wie eine Zunge am Boden entlang nach Osten. Das leichtere Süßwasser der Flüsse bleibt hingegen an der Oberfläche und fließt als Oberflächenströmung zurück Richtung Nordsee.
Dieses Schichtensystem ist extrem stabil. Oft liegen zwischen der salzigen Bodenschicht und der süßeren Deckschicht Welten. Für Taucher ist das ein bizarres Erlebnis: Man sinkt durch trübes, brackiges Wasser und plötzlich, ab einer gewissen Tiefe, wird das Wasser klarer, kälter und deutlich salziger. Selten habe ich eine so scharfe Trennung in der Natur gesehen. Doch genau diese Schichtung ist auch ein Problem. Wenn kein frisches, sauerstoffreiches Salzwasser von unten nachkommt, entstehen am Boden sogenannte Todeszonen, in denen nichts mehr überleben kann.
Was bedeutet das für Urlauber und die Natur?
Für Badegäste hat die Klärung der Frage Ist die Ostsee Salz- oder Süßwasser? einen praktischen Vorteil: Die Augen brennen beim Tauchen deutlich weniger als im Mittelmeer oder in der Nordsee. Zudem hat das Wasser eine geringere Dichte, was bedeutet, dass man nicht so leicht oben schwimmt wie in extrem salzigen Gewässern. Man muss sich also etwas mehr anstrengen, um über Wasser zu bleiben. In der Realität merkt man das kaum, aber es ist ein physikalischer Fakt.
Die Tierwelt steht jedoch vor einer gewaltigen Herausforderung. Meeresbewohner in der Ostsee leben unter ständigem osmotischem Stress. Sie müssen viel Energie aufwenden, um ihren Salzhaushalt im Körper stabil zu halten. Das führt dazu, dass viele Arten kleiner bleiben als ihre Verwandten im offenen Ozean. Miesmuscheln in der östlichen Ostsee erreichen oft nur ein Drittel der Größe ihrer Nordsee-Schwestern. Es ist ein ständiger Überlebenskampf gegen das Aussüßen.
Ostsee vs. Nordsee: Die Wasserwerte im Vergleich
Um die Besonderheiten der Ostsee zu verstehen, hilft ein direkter Vergleich mit ihrem salzigen Nachbarn, der Nordsee.Ostsee (Brackwasser)
- Sauerstoffmangel am Boden durch stabile Schichtung
- Sehr langsam, da fast vollständig von Land umschlossen
- 0,3% bis 1,8% - variiert stark je nach Region
- Einzigartige Mischung aus Meeres- und Süßwasserfischen
Nordsee (Salzwasser)
- Starker Tidenhub mit Ebbe und Flut
- Direkte Anbindung an den Atlantischen Ozean
- Rund 3,5% - relativ konstant
- Rein marine Arten wie Kabeljau, Scholle und Makrele
Die Ostsee ist klimatisch und geologisch gesehen ein junges Meer, das sich noch immer im Wandel befindet. Während die Nordsee ein stabiles ozeanisches System ist, reagiert die Ostsee extrem empfindlich auf kleinste Änderungen der Zuflussmengen.Lukas' Entdeckung beim Angeln: Ein Hecht im Meer?
Lukas, ein leidenschaftlicher Angler aus Rostock, plante einen Trip in den Greifswalder Bodden. Er war es gewohnt, Dorsche und Heringe zu fangen, doch diesmal fühlte sich der Widerstand an der Rute anders an - wilder und unberechenbarer.
Als er den Fisch an die Oberfläche zog, traute er seinen Augen nicht: Es war ein großer Hecht. Lukas war verwirrt, da er gelernt hatte, dass Hechte reine Süßwasserfische sind und im Meer eigentlich nichts zu suchen haben.
Er recherchierte und verstand, dass der Salzgehalt im Greifswalder Bodden oft unter 0,7% liegt. In dieser Umgebung können Süßwasserarten problemlos überleben und jagen, solange sie genug Nahrung finden.
Seither weiß Lukas, dass die Ostsee kein normales Meer ist. Er fing in diesem Monat drei weitere Hechte und lernte, dass man hier keine klassische Trennung zwischen Fluss und Meer erwarten darf.
Weiterführende Lektüre
Ist das Wasser der Ostsee zum Trinken geeignet?
Nein, auch wenn der Salzgehalt niedrig ist, ist er für den menschlichen Körper immer noch zu hoch. Zudem enthält das Wasser Bakterien und Schwebstoffe, die im Trinkwasser nicht vorkommen dürfen.
Kann man in der Ostsee ertrinken, weil man weniger Auftrieb hat?
Der geringere Salzgehalt reduziert den Auftrieb nur minimal. Ein gesunder Schwimmer merkt den Unterschied kaum, allerdings sinken Gegenstände etwas schneller als im extrem salzigen Toten Meer.
Warum friert die Ostsee im Winter schneller zu als die Nordsee?
Süßwasser friert bei 0 Grad Celsius, Salzwasser erst bei etwa -2 Grad Celsius. Da die Ostsee weniger Salz enthält, bildet sich dort viel schneller eine Eisschicht als im salzreichen Nordseewasser.
Die wichtigsten Dinge
Brackwasser als DefinitionDie Ostsee ist das größte Brackwassermeer der Welt mit einem Salzgehalt zwischen 0,3% und 1,8%.
Salz-Gefälle von West nach OstAn der dänischen Grenze ist das Wasser fast so salzig wie im Ozean, in Finnland ähnelt es fast reinem Süßwasser.
Physikalische SchichtungSalzwasser liegt am Boden, Süßwasser oben. Ohne schwere Stürme vermischen sich diese Schichten kaum, was zu Sauerstoffnot führen kann.
Hier leben Meeresfische direkt neben Süßwasserfischen, was weltweit eine absolute Seltenheit darstellt.
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