Welches Meer ist ein Süßwassermeer?

130 Aufrufe
Hinsichtlich der Frage Welches Meer ist ein Süßwassermeer? existiert wissenschaftlich kein echtes Meer aus Süßwasser, doch der Baikalsee hält 20 % der weltweiten flüssigen Reserven bereit. Dieses Gewässer enthält mehr Wasser als alle fünf Großen Seen Nordamerikas zusammen. Im Gegensatz dazu weist das Kaspische Meer einen Salzgehalt von 1,2 % auf und gilt als salzhaltiger Endsee ohne Abfluss.
Kommentar 0 Gefällt mir

Welches Meer ist ein Süßwassermeer? Baikalsee

Die Frage Welches Meer ist ein Süßwassermeer? beschäftigt viele Naturfreunde aufgrund der gewaltigen Ausmaße einiger Binnengewässer. Wer die Unterschiede zwischen Meeren und großen Seen versteht, vermeidet Fehlinterpretationen geografischer Begriffe und erkennt die Einzigartigkeit globaler Wasservorkommen. Erforschen Sie die Besonderheiten dieser Gewässer zum Schutz wertvoller Naturräume.

Die kurze Antwort: Gibt es ein echtes Süßwassermeer?

Gibt es ein Süßwassermeer? Diese Frage lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten, da sie stark von der Definition der Begriffe abhängt. Wissenschaftlich gesehen ist ein Meer per Definition eine große, zusammenhängende Salzwassermasse, die mit den Ozeanen verbunden ist. Es gibt also offiziell keine Meere ohne Salzwasser, aber es existieren riesige Süßwasser-Binnengewässer, die aufgrund ihrer gewaltigen Ausmaße umgangssprachlich so genannt werden.

In der Geografie bezeichnet man den Baikalsee in Sibirien oft als das Süßwassermeer der Welt. Er ist zwar ein See, doch seine Dimensionen und sein Ökosystem sind so einzigartig, dass der Begriff Meer hier fast treffender wirkt. Daneben gibt es Brackwassermeere wie die Ostsee, die an manchen Stellen so salzarm sind, dass sie fast als Süßwasser durchgehen könnten. Die Grenzen verschwimmen also im wahrsten Sinne des Wortes.

Der Baikalsee: Das Meer aus Süßwasser

Wenn man von einem Süßwassermeer spricht, meint man fast immer den Baikalsee, den größten Süßwassersee der Welt. Selten findet man ein Gewässer, das so viele Superlative auf sich vereint. Mit einer maximalen Tiefe von 1.642 Metern ist er der tiefste See der Erde. Das ist tiefer als viele Randmeere der Ozeane. Aber es ist das Volumen, das ihn wirklich zu einem Meer macht.

Der Baikalsee beherbergt etwa 20% der gesamten flüssigen Süßwasserreserven unseres Planeten.[2] Das ist mehr Wasser, als in allen fünf Großen Seen Nordamerikas zusammenfließt. Seien wir ehrlich: Wenn man am Ufer steht und bis zum Horizont nichts als kristallklares Wasser sieht, fühlt es sich definitiv wie ein Meer an. Ich erinnere mich an Berichte von Reisenden, die erzählten, dass das Wasser dort so rein ist, dass man bis zu 40 Meter tief blicken kann. Ein faszinierender Gedanke.

Ist der Baikalsee ein Meer? Streng genommen nicht. Weil er ein Binnengewässer ohne direkten Zugang zum Ozean ist und sein Wasser eben nicht salzig ist. Er ist eine tektonische Spalte, die sich jedes Jahr um etwa 2 Zentimeter weitet. Er ist also eigentlich ein Ozean in der Entstehung. Spannend, oder?

Die Ostsee: Ein Meer an der Grenze zum Süßwasser

Ein weiterer Kandidat auf die Frage, welches Meer ein Süßwassermeer ist, ist die Ostsee - allerdings nur unter bestimmten Bedingungen. Sie ist ein Binnenmeer, das durch den engen Skagerrak nur wenig Austausch mit der salzigen Nordsee hat. Das Ergebnis ist Brackwasser. Aber was bedeutet das konkret für den Salzgehalt?

Die Ostsee weist im westlichen Teil einen Salzgehalt von etwa 1,8% auf, doch dieser Wert sinkt drastisch, je weiter man nach Osten und Norden blickt. Im Bottnischen Meerbusen zwischen Schweden und Finnland fällt die Salinität auf bis zu 0,3% ab. Zum Vergleich: Das Wasser in unseren Flüssen und Seen gilt als Süßwasser, wenn es weniger als 0,1% Salz enthält. Die nördliche Ostsee ist also chemisch gesehen fast schon ein Süßwassersee.

Ich war selbst einmal in der Nähe von Usedom baden und war völlig überrascht. Erwartet hatte ich das brennende Gefühl von Meersalz in den Augen, wie man es von der Nordsee oder dem Mittelmeer kennt. Aber es passierte... nichts. Das Wasser fühlte sich fast weich an. Dieser geringe Salzgehalt hat jedoch auch Schattenseiten: Die Ostsee friert im Winter viel schneller zu als salzigere Meere.

Warum sind Meere salzig und Seen süß?

Das ist die entscheidende Frage. Warum reichert sich in den Meeren Salz an, während der Baikalsee nach Millionen von Jahren immer noch süß ist? Der Grund liegt im fehlenden Abfluss. Meere sind die Endstation für Flüsse. Flüsse waschen Mineralien und Salze aus dem Gestein des Festlandes und transportieren sie in die Ozeane.

Dort verdunstet das Wasser, aber das Salz bleibt zurück. Über Jahrmillionen hat sich so ein durchschnittlicher Salzgehalt von 3,5% in den Weltmeeren aufgebaut. Ein See hingegen hat meist einen Abfluss. Das Wasser fließt hindurch und nimmt die gelösten Salze einfach mit zum nächsten Meer. Der Baikalsee wird zum Beispiel durch die Angara entwässert. So bleibt er frisch.

Es gibt aber eine Ausnahme: Endseen wie das Kaspische Meer oder das Tote Meer. Sie haben keinen Abfluss. Deshalb sammeln sie Salz an. Das Kaspische Meer hat heute einen durchschnittlichen Salzgehalt von 1,2%, was etwa einem Drittel der Ozeane entspricht. [3] Es ist also weder Fisch noch Fleisch - oder besser: weder See noch echtes Meer.

Vergleich von Salzgehalt und Volumen bekannter Gewässer

Um die Unterschiede zwischen einem Süßwassersee und einem echten Meer zu verstehen, hilft ein Blick auf die harten Fakten der Salinität.

Nordsee (Typisches Meer)

  • Starker Gezeiteneinfluss und hoher Sauerstoffaustausch
  • Etwa 3,5% - brennt stark in den Augen
  • Reines Salzwasser

Ostsee (Brackwassermeer)

  • Größtes Brackwassergebiet der Erde
  • 0,3% bis 1,8% - variiert je nach Region stark
  • Brackwasser (Mischung aus Süß- und Salzwasser)

Baikalsee (Süßwassermeer)

  • Enthält 20% des flüssigen Süßwassers der Erde
  • Unter 0,01% - Trinkwasserqualität
  • Reines Süßwasser
Man erkennt deutlich die Abstufung: Während die Nordsee ein klassisches Salzwassermeer ist, fungiert die Ostsee als Übergangszone. Der Baikalsee ist zwar ein See, übertrifft aber viele Meere in Tiefe und Wasservolumen bei weitem.
Möchten Sie mehr spannende Fakten über Gewässer erfahren? Lesen Sie unseren Beitrag zu der Frage: Wo ist das Meer nicht salzig?

Lukas und das Rätsel der Ostsee

Lukas, ein begeisterter Windsurfer aus Hamburg, plante seinen Urlaub an der polnischen Ostseeküste. Er war das salzige Wasser der Nordsee gewohnt, wo sein Board nach jedem Tag eine dicke weiße Salzkruste aufwies.

In Polen angekommen, stellte er fest, dass seine Ausrüstung kaum Rückstände zeigte. Er war verwirrt und fragte sich, ob er versehentlich an einem riesigen See gelandet war, da das Wasser auch beim unfreiwilligen Schlucken kaum salzig schmeckte.

Ein lokaler Fischer erklärte ihm, dass sie sich in einem Bereich befänden, in dem viele Flüsse münden und der Austausch mit der Nordsee minimal sei. Lukas verstand nun, warum die Einheimischen den Begriff Brackwasser nutzten.

Am Ende des Urlaubs war sein Equipment in besserem Zustand als je zuvor. Die geringe Salinität von nur 0,5% in diesem Bereich bedeutete weniger Korrosion, was Lukas eine Ersparnis von Zeit und Wartungskosten bescherte.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte

Wissenschaftliche Definition beachten

Es gibt kein offizielles Süßwassermeer; Meere sind per Definition salzhaltig.

Baikalsee als Gigant

Der Baikalsee hält 20% des weltweiten flüssigen Süßwassers und wird wegen seiner Größe oft als Meer bezeichnet.

Ostsee als Grenzgänger

Mit einem Salzgehalt von stellenweise nur 0,3% ist die nördliche Ostsee chemisch gesehen fast ein Süßwasserkörper.

Abfluss ist der Schlüssel

Gewässer bleiben süß, solange ein Abfluss die eingetragenen Mineralien kontinuierlich abtransportiert.

Verwandte Fragen

Kann man das Wasser in einem Süßwassermeer trinken?

Beim Baikalsee ist das theoretisch möglich, da er über eine extrem hohe Wasserqualität verfügt. Bei Brackwassermeeren wie der Ostsee ist davon abzuraten, da selbst ein Salzgehalt von 0,3% zu hoch für den dauerhaften Konsum ist und zudem Schadstoffe enthalten sein können.

Ist das Kaspische Meer ein Süßwassermeer?

Nein, das Kaspische Meer ist salzig, wenn auch deutlich weniger als die Ozeane. Mit einem Salzgehalt von etwa 1,2% gilt es als Brackwassersee und ist der größte isolierte Wasserkörper der Erde.

Warum frieren Süßwassermeere schneller zu?

Süßwasser hat seinen Dichtemaximum bei 4 Grad C und gefriert bei 0 Grad C. Salzwasser hingegen hat einen niedrigeren Gefrierpunkt (bei 3,5% Salzgehalt etwa -1,9 Grad C), weshalb die Ostsee im Norden fast jeden Winter zufriert, die Nordsee hingegen fast nie.

Quellenangabe

  • [2] De - Der Baikalsee beherbergt etwa 20% der gesamten flüssigen Süßwasserreserven unseres Planeten.
  • [3] De - Das Kaspische Meer hat einen durchschnittlichen Salzgehalt von 1,2%, was etwa einem Drittel des Salzgehaltes der Ozeane entspricht.