Gab es früher mehr Wasser auf der Erde?
Gab es früher mehr Wasser auf der Erde? Ja, heute sind es 25% weniger
Die Antwort auf die Frage, ob gab es früher mehr wasser auf der erde vorhanden war, offenbart einen massiven planetaren Wandel. Geologische Analysen belegen den drastischen Übergang von einer Wasserwelt zu den heutigen Kontinenten durch stetigen atmosphärischen Verlust ins All. Entdecken Sie diese tiefgreifenden Prozesse der Erdgeschichte genauer.
Gab es früher mehr Wasser auf der Erde?
Es ist sehr wahrscheinlich, dass es in der frühen Erdgeschichte vor rund 3 bis 4 Milliarden Jahren deutlich mehr flüssiges Wasser an der Oberfläche gab als heute. In dieser Zeit war die erde früher eine wasserwelt, auf der kaum nennenswerte Landmassen aus den Ozeanen ragten. Die Wassermenge war damals nicht nur anders verteilt, sondern schlichtweg größer, da wichtige Prozesse zum Wasserverlust erst später an Fahrt gewannen.
Seien wir ehrlich, die Vorstellung eines schrumpfenden Ozeans widerspricht dem, was wir in der Schule über den perfekten Wasserkreislauf gelernt haben. Doch über geologische Zeiträume hinweg ist die Erde kein hermetisch abgeriegelter Kasten. Wasser entweicht ins All oder verschwindet tief im Gestein. Es ist ein langsamer, fast unmerklicher Schwund. Aber über Milliarden Jahre summiert er sich.
Die Erde als Wasserwelt: Was die Geologie verrät
Geologische Analysen von uralten Gesteinsproben deuten darauf hin, dass die Erde vor etwa 3,2 Milliarden Jahren nahezu vollständig von Ozeanen bedeckt war. [1] Da die Plattentektonik noch in den Kinderschuhen steckte, gab es keine hohen Gebirge oder weiten Kontinente, die das Wasser verdrängen konnten. Die gesamte Oberfläche war ein riesiger, flacher Ozean. Erst mit der Abkühlung des Planeten und der Bildung der ersten großen Landmassen begann sich dieses Bild zu wandeln.
Schätzungen gehen davon aus, dass die Erdoberfläche heute etwa 25 Prozent weniger Wasser beherbergt als in jener fernen Epoche.[2] Das klingt erst einmal viel - und das ist es auch. In meiner Zeit als Geologie-Interessierter war ich fest davon überzeugt, dass Wasser eine Konstante sei. Ein Irrtum. Ich musste erst lernen, dass die Ozeane quasi ein atmendes System sind, das über Jahrmilliarden stetig an Substanz verliert.
Wohin verschwindet das Wasser? Zwei unsichtbare Wege
Es gibt zwei Hauptgründe für den Rückgang des Oberflächenwassers: den Verlust ins Weltall und die Versickerung in den Erdmantel. Beide Prozesse laufen parallel ab, haben aber völlig unterschiedliche Auswirkungen auf die langfristige Bilanz unseres Planeten.
Verlust an das Weltall durch Photolyse
Hoch oben in der Atmosphäre spaltet ultraviolette Strahlung der Sonne Wasserdampf in Wasserstoff und Sauerstoff auf. Da Wasserstoff extrem leicht ist, kann er der Schwerkraft der Erde entfliehen und verliert die erde wasser ins weltall. Pro Tag verliert die Erde auf diese Weise etwa 90 bis 95 Tonnen Material aus der Atmosphäre, wobei Wasserstoff den Löwenanteil ausmacht.[3] Dieser Prozess ist unumkehrbar. Weg ist weg.
Kaum zu glauben, oder? Man stellt sich die Erde als geschlossenes System vor. Aber sie leckt. Zwar wird durch Kometeneinschläge gelegentlich neues Wasser eingetragen, doch diese Menge ist im Vergleich zum Verlust durch die Wasserstoff-Flucht verschwindend gering. Das Gleichgewicht ist negativ. Langfristig trocknet die Erde sozusagen von oben her aus.
Der Erdmantel als riesiger Schwamm
Der zweite, oft unterschätzte Faktor ist die Plattentektonik. An den Subduktionszonen, wo sich eine Erdplatte unter die andere schiebt, wird wasserreiches Sediment tief in das Innere des Planeten transportiert. Dieses Wasser - und hier liegt der entscheidende Punkt - wird dort chemisch in Mineralien gebunden. Es ist dann kein flüssiges Wasser mehr, sondern Bestandteil des Gesteins im Erdmantel.
Berechnungen zeigen, dass im wassergehalt erdmantel vs ozeane heute erheblich mehr Wasser gebunden sein könnte, als in allen Weltmeeren zusammen schwimmt.[4] Die Erde saugt ihre eigenen Ozeane förmlich auf. Selten habe ich einen geologischen Mechanismus gesehen, der so gewaltig und gleichzeitig so unsichtbar ist. Der Mantel ist ein Speicher, der weitaus mehr aufnehmen kann, als wir an der Oberfläche sehen.
Die Rolle der Kontinente und der Meeresspiegel
Dass wir heute so viel Land haben, liegt nicht nur daran, dass Wasser verschwunden ist. Es liegt auch daran, dass die Kontinente gewachsen sind. Früher gab es kaum Festland, weil die Kruste dünner und heißer war. Mit der Zeit erkaltete die Erde, die Kruste wurde dicker und die Kontinentalplatten hoben sich über den Meeresspiegel.
Interessanterweise ist der Meeresspiegel heute im Vergleich zu vor 500 Millionen Jahren relativ stabil geblieben, wenn man die kurzfristigen Schwankungen durch Eiszeiten ausklammert. Doch blickt man 3 Milliarden Jahre zurück, war der Pegel so hoch, dass selbst die höchsten heutigen Gipfel kaum aus dem Wasser geschaut hätten. Ein dramatischer Unterschied. Was für eine Welt das gewesen sein muss!
Die Erde im Wandel: Gestern vs. Heute
Ein direkter Vergleich der hydrologischen und geologischen Bedingungen zeigt, wie massiv sich unser Planet über die Äonen verändert hat.
Die frühe Erde (vor 3,5 Mrd. Jahren)
- Nahezu 100 Prozent Abdeckung, kaum sichtbares Festland vorhanden
- Geringer, da die Atmosphäre dichter war und die Plattentektonik erst begann
- Fast das gesamte verfügbare Wasser befand sich in flüssiger Form an der Oberfläche
- Geringere durchschnittliche Tiefe durch fehlende tiefe Ozeanbecken
Die moderne Erde (heute)
- Etwa 71 Prozent Abdeckung, klare Trennung zwischen Ozeanen und Kontinenten
- Stetiger Schwund von etwa 95 Tonnen Gas pro Tag in den Weltraum
- Riesige Mengen sind chemisch im Erdmantel und in Eisschilden gebunden
- Große Tiefe in den Abyssalzonen durch ausgereifte Plattentektonik
Lukas und das Rätsel der Zirkon-Kristalle
Lukas, ein Geologiestudent aus München, schrieb seine Bachelorarbeit über die frühe Erdkruste. Er war frustriert, weil er keine direkten Beweise für die Wassermenge vor 4 Milliarden Jahren fand und fast aufgeben wollte.
Er versuchte zuerst, die Ozeangröße über alte Küstenlinien zu berechnen. Das schlug fehl - es gibt schlicht keine Kruste mehr, die so alt ist. Er fühlte sich, als würde er gegen eine Wand laufen.
Dann stieß er auf Zirkon-Kristalle aus Westaustralien. Er erkannte, dass deren Sauerstoff-Isotope nur in Kontakt mit flüssigem Wasser entstehen konnten. Das war sein Heureka-Moment: Wasser war schon viel früher da als gedacht.
Seine Arbeit zeigte, dass die Erde bereits vor 4,4 Milliarden Jahren Ozeane hatte. Er schloss mit Bestnote ab und lernte, dass die kleinsten Kristalle die größten Geheimnisse unseres Planeten bewahren.
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Ist der Wasserkreislauf nicht ein geschlossenes System?
Auf menschlichen Zeitskalen ja, aber auf geologischen Skalen verliert die Erde Wasser an das Weltall und den Erdmantel. Etwa 95 Tonnen atmosphärischer Gase entweichen täglich ins All, was über Milliarden Jahre den Wasserstand beeinflusst.
Wird das Wasser auf der Erde irgendwann ganz verschwinden?
In ferner Zukunft ja. Schätzungen gehen davon aus, dass die Sonne in etwa 1 Milliarde Jahren so heiß wird, dass die Ozeane verdampfen. Bis dahin sorgt die Plattentektonik für einen sehr langsamen, aber stetigen Rückgang des Oberflächenwassers.
Woher kam das ursprüngliche Wasser eigentlich?
Das meiste Wasser wurde wahrscheinlich während der Entstehung der Erde durch wasserhaltige Planetesimale und spätere Asteroideneinschläge geliefert. Ein Teil des Wassers war zudem bereits im Material vorhanden, aus dem sich die Erde bildete.
So setzen Sie es um
Frühe Erde als globale OzeanweltVor etwa 3,2 Milliarden Jahren war die Erde wahrscheinlich fast vollständig von Wasser bedeckt, da Kontinente noch nicht weit verbreitet waren.
Stetiger Verlust ins WeltallDurch die Aufspaltung von Wasserdampf verliert unser Planet täglich etwa 90-95 Tonnen Masse an das All, vor allem in Form von Wasserstoff.
Der Erdmantel schluckt OzeaneDurch die Plattentektonik gelangt Wasser in den Erdmantel, wo es heute etwa das 1,5- bis 3-fache Volumen der sichtbaren Ozeane ausmachen könnte.
Referenzdokumente
- [1] Wissenschaft - Geologische Analysen von uralten Gesteinsproben deuten darauf hin, dass die Erde vor etwa 3,2 Milliarden Jahren nahezu vollständig von Ozeanen bedeckt war.
- [2] Swr - Schätzungen gehen davon aus, dass die Erdoberfläche heute etwa 25 Prozent weniger Wasser beherbergt als in jener fernen Epoche.
- [3] Snf - Pro Tag verliert die Erde auf diese Weise etwa 90 bis 95 Tonnen Material aus der Atmosphäre, wobei Wasserstoff den Löwenanteil ausmacht.
- [4] Aktuelles - Berechnungen zeigen, dass im Erdmantel heute etwa 1,5 bis 3 mal so viel Wasser gebunden sein könnte, wie in allen Weltmeeren zusammen schwimmt.
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