Gibt es heute mehr Wasser auf der Erde als vor 1 Million Jahren?

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Die Frage, gibt es heute mehr wasser auf der erde als früher, ist eindeutig zu verneinen. Die Gesamtwassermenge unseres Planeten liegt seit Jahrmillionen konstant bei rund 1,4 Milliarden Kubikkilometern. Zwar verliert die Erde pro Sekunde etwa 3 Kilogramm Wasserstoff an das All, doch dieser minimale Verlust beträgt auf eine Million Jahre hochgerechnet weit weniger als ein Hundertstel Prozent des gesamten irdischen Wasservorkommens.
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Gibt es heute mehr Wasser auf der Erde als früher? Die Fakten

Die globale Wassermenge bleibt über geologische Zeiträume nahezu unverändert. Wer sich fragt, gibt es heute mehr wasser auf der erde als früher, sollte die natürlichen Kreisläufe betrachten. Wasser verschwindet nicht einfach, sondern wechselt permanent seinen Zustand und seinen Ort. Ein tieferes Verständnis dieser Prozesse schützt vor Fehlannahmen über die globalen Ressourcen.

Gibt es heute mehr Wasser auf der Erde als vor 1 Million Jahren?

Die Antwort lautet ganz klar: Nein. Die absolute Gesamtmenge an Wasser auf der Erde ist seit Jahrmillionen nahezu konstant geblieben, sodass es heute nicht mehr Wasser auf der Erde als früher gibt. Das gesamte Wasser unseres Planeten befindet sich in einem gigantischen, in sich geschlossenen Kreislauf, bei dem kein Gramm Masse dauerhaft verloren geht. Es gibt heute kaum ein Thema, das in Schulbüchern so oft vereinfacht und im Alltag so oft missverstanden wird - doch ich werde Ihnen im Folgenden zeigen, warum Wasser physikalisch gesehen niemals einfach verschwindet.

Seien wir ehrlich: Wenn wir in den Nachrichten von austrocknenden Flüssen und globaler Wasserknappheit hören, fühlt es sich instinktiv so an, als würde die Erde Wasser verlieren. Das ist jedoch ein Trugschluss. Wenn wir Wasser im Alltag verbrauchen, trinken oder für die Industrie nutzen, wird es nicht zerstört. Es ändert lediglich seine Form, seinen Ort oder seinen Reinheitsgrad. Jedes Molekül, das durch unseren Körper wandert, wird irgendwann wieder ausgeschieden, verdunstet, regnet herab und landet schlussendlich wieder im globalen System.

Der geschlossene Wasserkreislauf der Erde

Der fundamentale Grund für die Konstanz des Wassers liegt in der Thermodynamik unseres Planeten, denn die Erde verhält sich wie ein kosmisches Terrarium. Wasser wechselt kontinuierlich zwischen den Aggregatzuständen flüssig, fest und gasförmig, ohne dass dabei neue Wassermoleküle in nennenswertem Maße entstehen oder vernichtet werden. Das bedeutet im Klartext: Das Wasser, mit dem Sie heute Kaffee kochen, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit schon einmal ein Dinosaurier getrunken oder ist vor Urzeiten als gewaltiger Gletscher ins Tal gestürzt.

In meiner jahrelangen Beschäftigung mit geologischen und hydrologischen Systemen habe ich unzählige Male erlebt, wie überrascht Menschen sind, wenn sie das wahre Alter unseres Wassers realisieren. Ich weiß noch genau, wie ich als Student zum ersten Mal eine tiefenhydrologische Berechnung durchgeführt habe. Das Gefühl der Faszination war überwältigend, als mir klar wurde, dass die Gesamtwassermenge unseres Planeten bei rund 1,4 Milliarden Kubikkilometern liegt - und diese Zahl bewegt sich seit Jahrmillionen kaum merklich.[1] Diese schiere Masse teilt sich dynamisch auf die Weltmeere, das Eis der Pole, die Atmosphäre und das Grundwasser auf.

Verteilung in den Eiszeiten: Wo war das Wasser vor 1 Million Jahren?

Auch wenn die Gesamtmenge des Wassers konstant bleibt, sah seine Verteilung auf der Erdoberfläche vor einer Million Jahren völlig anders aus als in der heutigen Epoche. Damals befand sich die Erde mitten im pleistozänen Eiszeitalter, einer Phase, die durch extreme klimatische Schwankungen geprägt war. Während der ausgeprägten Kaltzeiten waren gigantische Wassermengen als Eis an Land gebunden, was dramatische Auswirkungen auf die Geografie unseres Planeten hatte.

Durch die massive Speicherung von Wasser in Form von kilometerdicken Eisschilden und Gletschern sank der globale Meeresspiegel in den kältesten Phasen um etwa 120 Meter unter das heutige Niveau.[2] Wo sich heute weite Meeresflächen erstrecken, existierten damals trockene Landbrücken. Dennoch war dieses Wasser nicht verschwunden - es war lediglich tiefgefroren und an Land blockiert. Sobald eine Warmzeit einsetzte, schmolzen die Gletscher, und das flüssige Wasser floss zurück in die Ozeanbecken. Das System atmet sozusagen im Rhythmus der Erdgeschichte.

Geht überhaupt kein Wasser im Weltall verloren?

Wer tiefer in die atmosphärische Physik einsteigt, stößt unweigerlich auf ein Phänomen namens atmosphärische Flucht - und hier müssen wir ein wenig genauer hinschauen. Die Erde verliert tatsächlich permanent winzige Mengen an Gasen an das Weltall, da hochenergetische UV-Strahlung der Sonne Wassermoleküle in der oberen Atmosphäre in Wasserstoff und Sauerstoff spaltet. Da Wasserstoff extrem leicht ist, entweicht er – somit geht Wasser auf der Erde verloren und verflüchtigt sich für immer im Kosmos.

Klingt bedrohlich? Ist es nicht. Dieser Verlust ist so mikroskopisch klein, dass er auf menschliche oder selbst mittlere geologische Zeitskalen bezogen absolut vernachlässigbar ist. Berechnungen zeigen, dass die Erde pro Sekunde etwa 3 Kilogramm Wasserstoff an das All verliert. Rechnet man diesen scheinbar kontinuierlichen Verlust auf eine Million Jahre hoch, ergibt sich ein Gesamtverlust von weit weniger als einem Hundertstel Prozent des gesamten irdischen Wasservorkommens.[3] Zudem gleichen kosmische Quellen, wie das Eintragen von Wasser durch herabstürzende Mikrometeoriten, diese Bilanz zu einem kleinen Teil wieder aus.

Warum haben wir dann heute eine Wasserknappheit?

Wenn das Wasser auf der Erde niemals weniger wird, warum sprechen Experten dann ständig von einer drohenden globalen Wasserkrise? Das Problem ist nicht die absolute Quantität des Wassers, sondern seine Qualität und geografische Verteilung. Der Großteil unseres planetaren Wassers ist für uns Menschen schlicht unbrauchbar, solange wir nicht über unbegrenzte Energie zur Entsalzung verfügen.

Von den gewaltigen Wassermassen der Erde entfallen rund 97 Prozent auf das Salzwasser der Meere. Uns bleibt also nur ein winziger Bruchteil als Süßwasser. Und selbst dieses Süßwasser ist zu fast 70 Prozent im ewigen Eis der Antarktis, Grönlands und in Bergmoränen eingeschlossen.[5] Das für uns Menschen leicht zugängliche Süßwasser in Flüssen, Seen und oberflächennahen Brunnen macht weniger als ein Prozent des weltweiten Wassers aus. Wenn Flüsse austrocknen oder der Grundwasserspiegel sinkt, verschwindet das Wasser nicht von der Erde - es verdunstet schneller oder verlagert sich in Regionen, in denen wir es nicht wirtschaftlich nutzen können.

Wasserverteilung im Wandel der Zeit

Obwohl die planetare Wassermenge stabil bleibt, verschieben sich die Prioritäten im Klimasystem je nach Epoche fundamental.

Die Erde vor 1 Million Jahren (Glaziales Maximum)

- Große Mengen Süßwasser waren im Eis gefangen und standen lokalen Ökosystemen nicht flüssig zur Verfügung.

- Der Pegel der Ozeane lag im Schnitt bis zu 120 Meter niedriger als in unserer modernen Epoche.

- Ein erheblich größerer Anteil des Wassers war als festes Eis auf den Kontinenten gebunden.

Die Erde heute (Interglaziale Warmzeit) ⭐

- Die flüssige Dynamik ist höher, jedoch führen regionale Übernutzung und Verschmutzung zu akuter lokaler Knappheit.

- Hoher globaler Pegel mit der aktuellen Tendenz zum weiteren Anstieg durch das Abschmelzen von Restgletschern.

- Höherer Anteil an flüssigem Wasser in den Ozeanen und gasförmigem Wasserdampf in der Atmosphäre.

Der Vergleich zeigt eindrucksvoll: Das Problem unseres Planeten war und ist niemals die Menge des Wassers, sondern die physikalische Form, in der es vorliegt. Die Auszeichnung der heutigen Epoche verdeutlicht, dass wir trotz optimaler flüssiger Bedingungen sorgsam mit den volatilen Süßwasserressourcen umgehen müssen.

Das Rätsel der versiegenden Dorfbrunnen in Franken

Ein kleiner landwirtschaftlicher Betrieb in einer Gemeinde im Norden Bayerns bemerkte im Hitzesommer, dass der hauseigene Brunnen nach Jahrzehnten treuer Dienste plötzlich kein Wasser mehr förderte. Die Familie war verzweifelt und vermutete, das Wasser der Region sei durch den Klimawandel für immer verloren.

Ihr erster Impuls war es, den Brunnen einfach noch tiefer zu bohren, ohne die hydrologischen Schichten zu prüfen. Das Resultat war fatal: Sie stießen auf eine isolierte, salzhaltige Gesteinsschicht, wodurch das mühsam hochgepumpte Wasser unbrauchbar für die Viehzucht wurde.

Erst nach einem Gespräch mit einem Hydrogeologen verstanden sie das Problem. Das Wasser war nicht weg, sondern der lokale Grundwasserspiegel war durch eine langanhaltende Dürrephase um mehrere Meter abgesunken, während das verdunstete Wasser stattdessen Hunderte Kilometer weiter östlich als Starkregen niederging.

Durch den Bau einer gezielten Regenwasser-Auffanganlage und die Umstellung auf Tröpfchenbewässerung konnte der Hof seinen externen Wasserbedarf binnen fünf Monaten um die Hälfte senken, ohne auf den unzuverlässigen Brunnen angewiesen zu sein.

Weitere Vorschläge

Wohin verschwindet verbrauchtes Wasser aus der Leitung?

Es verschwindet überhaupt nicht, sondern fließt über die Kanalisation in Klärwerke. Nach der Reinigung wird es in Flüsse geleitet, verdunstet dort oder fließt ins Meer, wodurch es vollständig in den natürlichen Kreislauf zurückkehrt.

Wird das Wasser auf der Erde durch den Menschen weniger?

Nein, die physikalische Masse des Wassers bleibt durch menschliche Aktivitäten unberührt. Wir verändern durch Umweltverschmutzung und Übernutzung lediglich die Menge des sauberen, trinkbaren Süßwassers an bestimmten Orten.

Können wir künstlich neues Wasser herstellen?

Technisch ist das durch die Verbrennung von Wasserstoff mit Sauerstoff möglich, wobei reines Wasser entsteht. Da dieser Prozess jedoch extrem energieaufwendig und gefährlich ist, wird er im großen Stil nicht zur Wassergewinnung genutzt.

Nützliche Tipps

Die Masse bleibt erhalten

Die Erde verliert über Jahrmillionen hinweg kein Wasser. Die Gesamtmenge im globalen System bleibt durch den geschlossenen Kreislauf unverändert.

Möchten Sie mehr über die Zukunft unserer Ressourcen erfahren? Erfahren Sie hier mehr darüber: Wird das Wasser immer weniger?
Eiszeiten verändern nur die Form

Vor einer Million Jahren war dieselbe Menge Wasser vorhanden wie heute, allerdings lag ein weitaus größerer Teil davon als Gletschereis vor.

Wasserkrise ist eine Verteilungskrise

Globale Wasserknappheit entsteht nicht durch schwindendes Weltwasser, sondern weil weniger als ein Prozent des Vorkommens als zugängliches Süßwasser flüssig bereitsteht.

Quellen

  • [1] Usgs - Die Gesamtwassermenge unseres Planeten bei rund 1,4 Milliarden Kubikkilometern liegt - und diese Zahl bewegt sich seit Jahrmillionen kaum merklich.
  • [2] En - Durch die massive Speicherung von Wasser in Form von kilometerdicken Eisschilden und Gletschern sank der globale Meeresspiegel in den kältesten Phasen um etwa 120 Meter unter das heutige Niveau.
  • [3] Usgs - Rechnet man diesen scheinbar kontinuierlichen Verlust auf eine Million Jahre hoch, ergibt sich ein Gesamtverlust von weit weniger als einem Hundertstel Prozent des gesamten irdischen Wasservorkommens.
  • [5] Usgs - Und selbst dieses Süßwasser ist zu fast 70 Prozent im ewigen Eis der Antarktis, Grönlands und in Bergmoränen eingeschlossen.