Bei welcher Windstärke fliegen Flugzeuge nicht mehr?

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Starke Böen machen den Flugbetrieb am Boden unmöglich. Ab 60 Knoten Windgeschwindigkeit sind Rollvorgänge und das Andocken der Fluggastbrücken zu gefährlich. Flugzeuge werden sicherheitshalber in Windrichtung positioniert, um Beschädigungen zu vermeiden. Der sichere Betrieb ist somit erheblich eingeschränkt.

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Wenn der Wind zum Flugsicherheitsrisiko wird: Ab wann bleiben Flugzeuge am Boden?

Die romantische Vorstellung, majestätisch durch die Lüfte zu gleiten, wird schnell zur Realität, wenn heftige Windböen das Fluggeschehen beeinträchtigen. Während leichter Wind meist problemlos bewältigt wird, gibt es eine Grenze, ab der der Wind zum Sicherheitsrisiko wird und Flugzeuge am Boden bleiben müssen. Es ist ein weit verbreiteter Irrtum, dass eine bestimmte Windstärke pauschal den Flugbetrieb verhindert. Die Realität ist komplexer und hängt von mehreren Faktoren ab.

Ein entscheidender Faktor ist die Windgeschwindigkeit, gemessen in Knoten (kn). Während leichte bis mittelschwere Winde lediglich zu einem etwas holprigen Flug führen können, stellen starke Böen eine ernsthafte Gefahr dar, sowohl am Boden als auch in der Luft. Am Boden, genauer gesagt beim Rollen auf dem Flugfeld, wird die Grenze oft bei 60 Knoten (ca. 111 km/h) gezogen. Bei solchen Windgeschwindigkeiten ist das Manövrieren von Flugzeugen, insbesondere großer Maschinen, extrem schwierig und gefährlich. Das Andocken an Fluggastbrücken wird nahezu unmöglich, und das Risiko von Beschädigungen durch den Wind steigt drastisch an. Aus diesem Grund werden Flugzeuge bei starkem Wind oft in Windrichtung positioniert, um die Belastung zu minimieren.

Doch die Windgeschwindigkeit ist nur ein Puzzlestück. Genauso wichtig ist die Windrichtung, insbesondere in Bezug auf die Landebahn. Starker Seitenwind erschwert das Landen und Starten erheblich und kann zu gefährlichen Drifts führen. Die Böigkeit des Windes spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Plötzlich auftretende, starke Windstöße sind weitaus gefährlicher als ein gleichmäßiger, wenn auch starker Wind. Diese Böen können das Flugzeug unkontrolliert aus der Flugbahn bringen. Auch die Windrichtungsänderung (Scherwind) in der Nähe des Bodens kann kritisch sein, da sie zu starken und unvorhersehbaren Windkräften führen kann.

Die Entscheidung, ob ein Flug durchgeführt wird oder nicht, liegt letztendlich beim Flugkapitän und der Flugverkehrskontrolle. Sie berücksichtigen dabei nicht nur die Windgeschwindigkeit, sondern auch alle anderen oben genannten Faktoren, sowie die spezifischen Eigenschaften des Flugzeugs und die meteorologischen Bedingungen am jeweiligen Flughafen. Es gibt keine absolute Windstärke, die für alle Flugzeuge und alle Situationen gilt. Vielmehr handelt es sich um eine komplexe Risikobewertung, die von vielen Parametern abhängt. Die Sicherheit der Passagiere hat dabei oberste Priorität. Daher ist es verständlich, dass Flüge bei ungünstigen Windverhältnissen aus Sicherheitsgründen annulliert oder verspätet werden. Das ist nicht nur lästig, sondern zeigt, dass die Sicherheit der Passagiere an erster Stelle steht.