Warum ist mein unterer Blutdruckwert zu hoch?
[Warum ist mein unterer blutdruckwert zu hoch]? Werte ab 90 mmHg
Ein erhöhter diastolischer Druck signalisiert versteckte gesundheitliche Risiken und erfordert eine genaue Beobachtung der eigenen Vitalwerte. Die Frage warum ist mein unterer blutdruckwert zu hoch führt Betroffene zur Erkenntnis über lebensnotwendige Zusammenhänge im Körper. Wer die Ursachen frühzeitig identifiziert, vermeidet langfristige Folgeschäden und schützt seine Herzgesundheit effektiv vor unbemerkten Belastungen.
Was bedeutet ein zu hoher unterer Blutdruckwert überhaupt?
Wenn Ihr Blutdruckgerät immer wieder Werte wie 125/92 oder 135/95 anzeigt, sind Sie erstmal verunsichert – der obere Wert ist okay, aber der untere Wert (der diastolische) will einfach nicht runter. Viele fragen sich dann: Ist das jetzt gefährlich oder nicht?
Vereinfacht gesagt, entsteht dieser untere Wert in der Entspannungsphase Ihres Herzens, wenn es sich wieder mit Blut füllt. Ein zu hoher Wert bedeutet oft, dass Ihre Blutgefäße einen erhöhten Widerstand leisten, also enger gestellt oder weniger elastisch sind, als sie sein sollten (citation:5). Ein dauerhaft erhöhter Wert ist ein Warnsignal – aber in den meisten Fällen lässt sich etwas dagegen tun.
Ab wann spricht man von einem zu hohen Wert?
Die Medizin definiert einen optimalen Blutdruck als Wert unter 120/80 mmHg (citation:2). Von einem erhöhten diastolischen Druck spricht man in der Regel, wenn der untere Wert dauerhaft über 90 mmHg liegt (citation:5)(citation:6). Es gibt allerdings auch die Kategorie der „hochnormalen“ Werte zwischen 85 und 89 mmHg, die man im Auge behalten sollte – besonders, wenn weitere Risikofaktoren wie Rauchen oder Übergewicht vorliegen (citation:7). Ein isoliert hoher diastolischer Wert (bei normalem systolischen Wert) wird als isolierte diastolische Hypertonie bezeichnet und tritt häufiger bei jüngeren Menschen auf, insbesondere bei Männern zwischen 30 und 50 Jahren (citation:5) [3].
Die Hauptursachen: Wenn der Lebensstil den Druck macht
Bevor man an ernsthafte Erkrankungen denkt, sollte man die eigenen Lebensgewohnheiten unter die Lupe nehmen. In etwa 90-95 % der Fälle liegt ein primärer Bluthochdruck vor, bei dem keine einzelne organische Ursache gefunden wird,[1] sondern ein Zusammenspiel verschiedener Risikofaktoren (citation:1)(citation:7). Die gute Nachricht: Diese Faktoren kann man oft selbst beeinflussen.
Der mit Abstand häufigste Treiber ist Übergewicht, oft in Kombination mit Bewegungsmangel. Das Herz muss ständig gegen einen zu hohen Widerstand in den Gefäßen anpumpen. Hinzu kommen eine salzreiche Ernährung, die den Flüssigkeitsdruck im System erhöht, und chronischer Stress, der die Gefäße über Hormone wie Cortisol und Adrenalin zusätzlich verengt (citation:1)(citation:5). Rauchen und übermäßiger Alkoholkonsum sind weitere Faktoren, die die Gefäße direkt schädigen und den diastolischen Wert in die Höhe treiben können.
Wenn eine Erkrankung dahintersteckt (sekundäre Hypertonie)
Bei etwa 5-10 % der Patienten mit hohem Blutdruck, insbesondere wenn der diastolische Wert trotz gesundem Lebensstil erhöht bleibt, steckt eine andere Erkrankung dahinter[2] (citation:5)(citation:7). Dann spricht man von einer sekundären Hypertonie – der hohe Blutdruck ist hier nur ein Symptom einer anderen Grunderkrankung. Die häufigsten Auslöser sind dabei gar nicht mal so selten.
Nieren und Hormone: Die heimlichen Regulierer
Unsere Nieren sind die zentralen Blutdruckregler des Körpers. Erkrankungen wie eine Nierenarterienverengung oder eine Niereninsuffizienz können daher den Druck massiv beeinflussen (citation:5)(citation:8). Auch hormonelle Störungen spielen eine große Rolle. Dazu gehören Funktionsstörungen der Schilddrüse (sowohl Über- als auch Unterfunktion können den Blutdruck beeinflussen), sowie Erkrankungen der Nebenniere wie das Conn-Syndrom oder das Phäochromozytom (citation:5)(citation:7).
Weitere versteckte Ursachen: Schlafapnoe und Medikamente
Ein oft übersehener Faktor ist die Schlafapnoe – wiederkehrende Atemaussetzer im Schlaf, die den Körper unter Stress setzen und den Blutdruck in die Höhe schnellen lassen (citation:1)(citation:5). Überraschend für viele: Auch bestimmte Medikamente können den unteren Wert erhöhen. Dazu gehören nicht nur abschwellende Nasensprays oder die Antibabypille, sondern auch rezeptfreie Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac bei regelmäßiger Einnahme (citation:1)(citation:6).
Woran merke ich, dass der untere Wert zu hoch ist?
Die ehrliche Antwort: Meistens gar nicht. Bluthochdruck, egal ob oben oder unten, tut nicht weh und wird deshalb oft als „stiller Killer“ bezeichnet (citation:1)(citation:2). Manche Menschen berichten zwar von morgendlichen Kopfschmerzen im Hinterkopf, Schwindel, Ohrensausen oder Nasenbluten, aber das sind keine verlässlichen Warnsignale (citation:2)(citation:5). Die einzige Möglichkeit, Klarheit zu bekommen, ist das regelmäßige Messen. Fühlen Sie sich also nicht beunruhigt, wenn Sie keine Symptome spüren – das ist völlig normal.
Was jetzt tun? Ein Fahrplan für die nächsten Schritte
Ein einzelner erhöhter Wert ist kein Grund zur Panik. Wichtig ist, systematisch vorzugehen. Hier ist ein einfacher Fahrplan, den jeder umsetzen kann.
1. Richtig nachmessen: Messen Sie über mehrere Tage immer zur gleichen Zeit, in Ruhe, nach 5 Minuten Sitzen. Messen Sie dreimal hintereinander mit einer Minute Pause und notieren Sie den Durchschnitt der letzten beiden Messungen (citation:5).
2. Die Lebensstil-Checkliste: Übergewicht reduzieren, Salz (Fertiggerichte, Wurst) reduzieren, aufstehen und bewegen – am besten Ausdauersport wie Laufen oder Radfahren. Sport wirkt sich besonders gut auf den diastolischen Wert aus, weil die Gefäße in der arbeitenden Muskulatur erweitert werden (citation:5). 3. Zum Arzt gehen: Wenn die Werte nach einigen Wochen der Eigenmessung weiterhin über 90 mmHg liegen oder Sie verunsichert sind, gehen Sie zum Hausarzt. Nehmen Sie Ihr Messtagebuch mit.
Der Arzt wird dann eine genaue Diagnostik einleiten, die eine 24-Stunden-Messung, Blut- und Urintests sowie eine Ultraschalluntersuchung des Herzens und der Nieren umfassen kann, um sekundäre Ursachen auszuschließen (citation:2)(citation:4). Wenn eine medikamentöse Therapie nötig wird, kommen oft Mittel wie ACE-Hemmer, Kalzium-Antagonisten oder Entwässerungstabletten zum Einsatz (citation:5). Wichtig zu wissen: Es kann 4-6 Wochen dauern, bis die volle Wirkung der Medikamente spürbar ist (citation:5).
Praxisbeispiel: Als der untere Wert einfach nicht sinken wollte
Markus Weber, 42, Systemadministrator aus Berlin, kam mit seinem Blutdrucktagebuch in die Praxis. Sein oberer Wert lag konstant bei 125-130, der untere Wert aber immer zwischen 92 und 98. Er war frustriert – er hatte bereits Salz reduziert und versuchte, mehr zu laufen.
Im Gespräch fiel auf: Markus trank abends regelmäßig Bier (2-3 Flaschen) zum Runterkommen und litt seit Jahren unter starkem Schnarchen mit Atemaussetzern, was seine Frau bestätigte. Er war tagsüber oft müde. Die erste Idee war, den Alkohol zu reduzieren. Das tat er – der Wert sank minimal, aber nicht genug.
Die zweite Idee: eine Überweisung ins Schlaflabor. Die Diagnose: mittelschwere Schlafapnoe. Seit er sechs Monate später eine Atemmaske (CPAP) trägt, hat sich sein Blutdruck normalisiert. Sein unterer Wert liegt jetzt dauerhaft bei 82 mmHg – ganz ohne Medikamente. Die Lehre für Markus: Nicht immer ist die erste Idee die richtige, man muss manchmal tiefer graben.
Häufige Fragen zum diastolischen Blutdruck
Hier sind Antworten auf die Fragen, die Betroffene im Netz am häufigsten stellen.
Primäre vs. sekundäre Hypertonie: Die zwei Gesichter des hohen Blutdrucks
Um die richtige Therapie zu finden, muss man unterscheiden, ob der Bluthochdruck eine eigenständige Erkrankung ist oder nur Symptom einer anderen Grunderkrankung.Primäre (essentielle) Hypertonie
- Im Fokus: Lebensstiländerung (Bewegung, Ernährung, Stressabbau) und lebenslange Medikamenteneinnahme bei Bedarf
- Die häufigste Form: ca. 85-90 % aller Fälle (citation:1)(citation:7)
- Tritt oft gemeinsam mit anderen Risikofaktoren auf (Metabolisches Syndrom: Übergewicht, Fettstoffwechselstörung, Diabetes)
- Keine einzelne organische Ursache; multifaktoriell: Genetik, Alter, Übergewicht, Stress, Bewegungsmangel, falsche Ernährung
Sekundäre Hypertonie
- Behandlung der Grunderkrankung (z. B. Operation eines Tumors, Hormontherapie, Beatmungsgerät bei Schlafapnoe) kann den Blutdruck heilen
- Deutlich seltener: etwa 5-15 % der Fälle (citation:5)(citation:7)
- Plötzlicher Beginn, oft bei jungen Menschen (<40) oder wenn der Blutdruck trotz Therapie nicht sinkt
- Eine spezifische Grunderkrankung ist der Auslöser: Nierenerkrankungen, Hormonstörungen (Schilddrüse, Nebenniere), Schlafapnoe
Der Fall Markus: Vom Biertrinker zum Schlaftherapie-Patienten
Markus Weber, 42, Systemadministrator aus Berlin, kam mit einem Blutdruck von durchschnittlich 128/95 in die Praxis. Sein Hausarzt hatte ihm bereits zu mehr Bewegung und weniger Salz geraten, aber der untere Wert blieb hartnäckig hoch. Markus war frustriert – er hatte das Gefühl, alles falsch zu machen, obwohl er sich an die Ratschläge hielt.
Im ausführlichen Gespräch erzählte Markus dann, dass er abends immer 2-3 Bier trinke, um vom stressigen Job runterzukommen. Außerdem berichtete er von starker Tagesmüdigkeit, und seine Frau hatte ihm schon mehrfach gesagt, dass er nachts schnarche und manchmal die Luft anhalte. Die erste Idee: Alkohol radikal reduzieren.
Die Alkoholreduktion brachte eine leichte Besserung, aber der diastolische Wert sank nur auf 92. Also folgte die zweite Idee: eine Überweisung ins Schlaflabor. Die Diagnose war eindeutig – mittelschwere obstruktive Schlafapnoe. Markus war zunächst geschockt, willigte dann aber in eine Therapie mit einer CPAP-Maske ein.
Nach sechs Monaten konsequenter nächtlicher Beatmungstherapie hatte sich sein Blutdruck vollständig normalisiert. Sein unterer Wert lag jetzt konstant bei 82 mmHg. Ganz ohne Medikamente. Markus lernte, dass der Schlüssel zu seinem Problem nicht in der Küche oder auf dem Laufband lag, sondern im Schlafzimmer.
Das wichtigste Ergebnis
Nicht nur der obere Wert zähltEin dauerhaft erhöhter diastolischer (unterer) Blutdruck ab 90 mmHg ist ein eigenständiger Risikofaktor für Herzinfarkt und Schlaganfall und muss ernst genommen werden, auch wenn der systolische Wert normal ist (citation:5).
Lebensstil ist oft der Schlüssel – aber nicht immerÜbergewicht, Bewegungsmangel, Stress und Salz sind die Haupttreiber. In 5-10 % der Fälle steckt jedoch eine behandelbare Grunderkrankung wie Schlafapnoe oder eine Nierenfunktionsstörung dahinter (citation:5).
Diagnose braucht Geduld und SystematikEin einzelner hoher Wert ist keine Diagnose. Erst wiederholte Messungen zuhause, am besten ergänzt durch eine 24-Stunden-Messung, geben ein verlässliches Bild. Bei therapieresistenten Fällen ist die Suche nach einer sekundären Ursache Goldstandard.
Ausnahmen
Ist ein unterer Wert von 95 sehr gefährlich?
Ein dauerhafter Wert von 95 mmHg ist definitiv zu hoch und liegt im Bereich einer Hypertonie Grad 2 (citation:4). Das Risiko für Langzeitschäden an Herz und Gefäßen steigt damit. Es ist aber keine akute Notfallsituation, solange Sie keine Beschwerden wie Brustenge oder Atemnot haben. Sie sollten jedoch zeitnah (innerhalb der nächsten Wochen) einen Arzttermin vereinbaren, um die Ursache abklären zu lassen.
Warum ist nur der zweite Wert hoch, der erste aber normal?
Das nennt man isolierte diastolische Hypertonie. Sie kommt häufiger bei jüngeren Menschen vor, oft bei übergewichtigen Männern zwischen 30 und 50 oder im Rahmen eines metabolischen Syndroms (citation:5). Der Grund liegt meist in einem erhöhten Widerstand der kleinen Arterien (periphere Gefäße). Die Gefäße sind verengt, was den Druck in der Entspannungsphase des Herzens in die Höhe treibt.
Welcher Arzt ist der richtige, wenn der untere Wert zu hoch ist?
Der erste Ansprechpartner ist immer Ihr Hausarzt. Er kann die nötigen Basismessungen durchführen, eine 24-Stunden-Messung veranlassen und erste Blut- und Urintests machen. Bei Verdacht auf eine sekundäre Hypertonie oder wenn die Blutdruckeinstellung schwierig ist, wird er Sie an einen Facharzt für Kardiologie (Herzspezialist) oder Nephrologie (Nierenspezialist) überweisen.
Kann die Schilddrüse den unteren Blutdruckwert beeinflussen?
Ja, definitiv. Sowohl eine Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose) als auch eine Unterfunktion (Hypothyreose) können den Blutdruck beeinflussen. Eine Schilddrüsenunterfunktion wird immer wieder als mögliche Ursache für einen isoliert erhöhten diastolischen Wert genannt (citation:1). Lassen Sie Ihre Schilddrüsenwerte (TSH) überprüfen, wenn andere Ursachen nicht greifen.
Was kann ich heute noch tun, um den Wert zu senken?
Sofort umsetzbar ist: Legen Sie die Beine hoch – das erleichtert den Rückfluss des Blutes und entlastet das Herz. Trinken Sie ein großes Glas Wasser. Atmen Sie bewusst tief ein und aus – das aktiviert den Parasympathikus und kann die Gefäße etwas weiten. Und ganz wichtig: Messen Sie nicht ständig nach – das macht nur nervös. Ein Wert sagt nichts aus, erst der Trend über Tage und Wochen.
Referenz
- [1] Herzstiftung - In etwa 90-95 % der Fälle liegt ein primärer Bluthochdruck vor, bei dem keine einzelne organische Ursache gefunden wird
- [2] Herzstiftung - Bei etwa 5-10 % der Patienten mit hohem Blutdruck, insbesondere wenn der diastolische Wert trotz gesundem Lebensstil erhöht bleibt, steckt eine andere Erkrankung dahinter
- [3] Herzstiftung - Eine isoliert hohe diastolische Hypertonie tritt häufiger bei jüngeren Menschen auf, insbesondere bei Männern zwischen 30 und 50 Jahren
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