Was passiert, wenn man im Weltall wegfliegt?
Was passiert wenn man im Weltall wegfliegt? 12-15 Sekunden
Die Frage Was passiert wenn man im Weltall wegfliegt betrifft nicht nur die endlose Drift. Der fehlende atmosphärische Druck führt zu rascher Bewusstlosigkeit, noch bevor Sauerstoffmangel eintritt. Auch ein Raumanzug schützt nur, solange man die Lage kontrolliert. Eine unkontrollierte Rotation verbraucht die lebenswichtigen Ressourcen, bevor der Rückflug gelingt.
Was genau passiert beim Wegdriften im All?
Wenn man im Weltall von der ISS wegtreibt, fliegt man nicht sofort in die unendliche Weite des Kosmos. Man beschreibt stattdessen eine eigene Umlaufbahn um die Erde.
Ohne Rettungsleine oder ein funktionierendes Antriebssystem ist dies jedoch eine lebensgefährliche Situation, deren Ausgang komplett von der Ausrüstung abhängt.
In Hollywood-Filmen sieht das Wegdriften meist dramatisch und unglaublich schnell aus. In der Realität ist es ein unerbittlich langsamer, völlig lautloser Prozess. Viele glauben, man treibt einfach geradlinig ins Leere.
Es gibt jedoch einen entscheidenden Moment - einen winzigen Fehler, den selbst hochtrainierte Astronauten fürchten - den ich später im Abschnitt über Rettungssysteme im Detail erklären werde.
Die unerbittliche Physik der Schwerelosigkeit
Im Weltraum gibt es keinen Luftwiderstand, der einen abbremst. Ein Astronaut, der sich mit einem kleinen Stoß von der Raumstation löst, bewegt sich mit exakt dieser Geschwindigkeit weiter. Für immer.
Naja, fast. Da die ISS mit etwa 28.000 Kilometern pro Stunde um die Erde kreist, hat auch der Astronaut diese immense Grundgeschwindigkeit.
Gefangen im Erdorbit
Man fällt nicht wie ein Stein sofort zur Erde zurück. Stattdessen wird man zu einem winzigen, menschlichen Satelliten.
Wenn die Abstoßrichtung und Geschwindigkeit ungünstig sind, kann sich die eigene Flugbahn nach etwa 90 Minuten sogar wieder mit der Station kreuzen. Ein schwacher Trost. Ohne Antrieb gibt es absolut keine Möglichkeit, die Richtung im Vakuum aktiv zu ändern.
Das Worst-Case-Szenario: Ohne Raumanzug ins Vakuum
Seien wir ehrlich: Ohne Schutzanzug ist die Situation völlig aussichtslos. Ich dachte früher immer, dass Körper im Vakuum sofort platzen, wie man es oft in der Popkultur sieht.
Das ist glücklicherweise falsch. Die menschliche Haut ist erstaunlich reißfest und hält den Druckunterschied überraschend gut aus. Aber das rettet einen leider nicht.
Das eigentliche Problem ist der fehlende atmosphärische Druck. Bei null Druck kochen Flüssigkeiten bereits bei normaler Körpertemperatur.
Das Blut beginnt nicht buchstäblich zu brodeln, aber das Wasser im weichen Gewebe verdampft rasant. Dieser Prozess bläht den Körper stark auf. Nach etwa 12 bis 15 Sekunden tritt die völlige Bewusstlosigkeit ein, weil das sauerstoffarme Blut das Gehirn erreicht. Das Herz schlägt vielleicht noch ein bis zwei Minuten weiter. Dann ist es vorbei.
Überleben im Raumanzug: Ein Kampf gegen die Zeit
Mit einem intakten Raumanzug sieht die Sache vorerst besser aus. Ein moderner Anzug bietet Lebenserhaltungssysteme für etwa 6 bis 8 Stunden.
Plus eine Notfallreserve von knapp 30 Minuten. Das klingt auf den ersten Blick nach viel Zeit. Falsch gedacht.
Der größte Feind - und das überrascht viele - ist nicht der fehlende Sauerstoff, sondern das eigene Kohlendioxid. Wenn die CO2-Filter gesättigt sind, sammelt sich das giftige Gas im Helm.
Das führt unweigerlich zu Verwirrung, Panik und schließlich zum Ersticken. Zudem kühlt der Anzug ohne aktive elektronische Heizung extrem schnell aus. Die Temperaturen im Erdschatten fallen auf eisige minus 150 Grad Celsius ab, während sie im direkten Sonnenlicht auf brennende 120 Grad Celsius steigen.
Rettung in letzter Sekunde: Das SAFER-System
Hier ist der kritische Punkt, den ich zu Beginn erwähnt habe. Astronauten sind bei Außeneinsätzen immer mit extrem stabilen Stahldrahtseilen gesichert.
Sollten diese wider Erwarten reißen, gibt es als letzte Rettung den SAFER-Rucksack. Das ist ein kompakter Raketenrucksack mit winzigen Stickstoffdüsen.
Aber hier ist der Haken - und der Fehler, den Anfänger theoretisch machen würden. Das System funktioniert nur, wenn man sich nicht unkontrolliert dreht.
Bei einer schnellen Rotation um die eigene Achse ist es fast unmöglich, den kleinen Joystick manuell richtig zu bedienen. Wenn der Stickstoffvorrat von knapp 1,4 Kilogramm aufgebraucht ist, bevor die Rotation gestoppt und der Rückflug zur Schleuse eingeleitet wurde, treibt man endgültig ab. Es gibt keine zweite Chance.
Überlebenschancen: Mit vs. Ohne Raumanzug
Die Ausrüstung bestimmt im Weltraum buchstäblich über Leben und Tod. Hier ist der direkte Vergleich der beiden Szenarien beim Wegdriften.Szenario 1: Ohne Raumanzug
Erstickung in Kombination mit Ebullismus (Verdampfen von Körperflüssigkeiten)
Verlust nach etwa 12 bis 15 Sekunden durch akuten Sauerstoffmangel im Gehirn
Etwa 1 bis 2 Minuten, bis der Herzstillstand eintritt
Erfrierungen oder schwere Verbrennungen treten extrem schnell auf
⭐ Szenario 2: Im modernen Raumanzug
Kohlendioxidvergiftung durch gesättigte Filter oder Erfrieren nach Stromausfall
Bleibt vollständig erhalten, bis die Lebenserhaltungssysteme versagen
Regulär 6 bis 8 Stunden, maximal 8,5 Stunden mit Notreserve
Wird durch aktive Heiz- und Kühlsysteme reguliert, solange Batterie hält
Während der ungeschützte Körper im Vakuum extrem schnell aufgibt, kauft ein Anzug wertvolle Stunden. Diese Zeit nutzt jedoch nur etwas, wenn man über ein Antriebssystem verfügt, um aktiv zur Station zurückzukehren.Der Albtraum an der ISS-Außenhülle
Klaus, ein erfahrener Astronaut, führte komplexe Reparaturen am Solarmodul der ISS durch. Bei einem ungeschickten Tritt rutschte sein primärer Sicherungshaken ab, während der zweite noch nicht eingehakt war. Er stieß sich leicht ab und trieb mit wenigen Zentimetern pro Sekunde von der Station weg.
Seine erste Reaktion war pure Panik. Er griff hektisch nach dem SAFER-Joystick. Aber durch seine unruhigen Bewegungen begann er langsam zu rotieren. Jeder unüberlegte Versuch gegenzusteuern, machte die Drehung nur noch chaotischer. Der winzige Stickstoffvorrat sank in Sekundenbruchteilen auf kritische 40 Prozent. Er war kurz davor, aufzugeben.
Dann kam die Erkenntnis, die ihm das Leben rettete. Er hörte auf, blind Tasten zu drücken. Er zwang sich zur Ruhe, wartete, bis die helle Station wieder in sein Sichtfeld rotierte, und feuerte nur einen winzigen, hochpräzisen Stoß ab, um die Eigendrehung komplett zu stoppen.
Mit den verbleibenden 15 Prozent Treibstoff navigierte er quälend langsam zurück zur rettenden Luftschleuse. Es dauerte 20 Minuten für eine Distanz von nur zehn Metern. Er lernte eine harte Lektion: Die beste Technik rettet dich nicht, wenn du in Panik die Kontrolle über dich selbst verlierst.
Häufige Missverständnisse
Kann man im Weltall wie unter Wasser zurückschwimmen?
Nein, das ist physikalisch unmöglich. Da das Weltall ein Vakuum ist, gibt es keine Materie, an der man sich abstoßen könnte. Schwimmbewegungen verbrauchen nur unnötig Sauerstoff, ändern aber die Flugbahn absolut nicht.
Wie lange überlebt ein Astronaut im Weltraum ohne Leine?
Das hängt von seinem Raumanzug ab. Normalerweise reichen die Vorräte für 6 bis 8 Stunden. Wenn man in dieser Zeit nicht durch den SAFER-Rucksack zurückkehrt, gibt es keine externe Rettungsmöglichkeit.
Gibt es kein Rettungsschiff auf der ISS?
Es gibt zwar Raumschiffe wie die Sojus oder Crew Dragon an der ISS, aber diese können nicht schnell genug ablegen. Es würde Stunden dauern, sie zu starten, und es ist extrem gefährlich, damit einen winzigen, treibenden Menschen einzufangen.
Allgemeiner Überblick
Sicherung ist allesStahlseile sind die primäre und wichtigste Lebensversicherung bei jedem Außeneinsatz. Niemand verlässt die Schleuse ohne doppelte Verankerung.
Ohne Druckanzug kochen Körperflüssigkeiten sofort. Die Bewusstlosigkeit tritt nach spätestens 15 Sekunden ein, was jede Eigenrettung unmöglich macht.
SAFER ist die allerletzte HoffnungDer kleine Raketenrucksack kann einen Astronauten retten, verlangt aber einen kühlen Kopf. Bei knapp 1,4 Kilogramm Treibstoff darf kein einziger Steuerungsfehler passieren.
- Warum darf man im Toten Meer nicht schwimmen?
- Was passiert bei Sonnenbrand 3. Grades?
- Warum ist eine Mondlandung so schwierig?
- Was ist besser, heiß oder kalt zu Räuchern?
- Wie stellt man Salzwasser her?
- Auf welchem Planet könnte man am ehesten leben?
- Wie lange muss man Fischfilet räuchern?
- Was tun, um schnell braun zu werden?
- Warum müssen sich Planeten bewegen?
- Was tun gegen erste Erkältungsanzeichen?
Kommentar zum Antwort:
Vielen Dank für Ihr Feedback! Ihr Kommentar hilft uns, die Antworten in Zukunft zu verbessern.