Warum heißt die Ostsee See und nicht Meer?
Die Ostsee: See oder Meer – Ein Namensstreit mit historischem Hintergrund
Die Ostsee, das „Mare Balticum der Römer, trägt einen Namen, der immer wieder für Verwirrung sorgt. Denn obwohl sie gemeinhin als See bezeichnet wird, handelt es sich tatsächlich um ein Binnenmeer. Wie kann diese scheinbare Diskrepanz erklärt werden? Die Antwort liegt in einer Kombination aus geografischen Besonderheiten und historischer Namensgebung, die bis heute nachwirkt.
Rein wissenschaftlich betrachtet, erfüllt die Ostsee die Kriterien eines Meeres. Sie ist ein salzhaltiges Gewässer, das mit dem Weltmeer verbunden ist – wenn auch nur über die schmalen dänischen Straßen. Doch im Vergleich zu den großen Ozeanen weist sie einige markante Unterschiede auf, die historisch zu ihrer Bezeichnung als „See geführt haben.
Ein entscheidender Faktor ist die geringe Tiefe der Ostsee. Mit einer durchschnittlichen Tiefe von nur 55 Metern und einer maximalen Tiefe von etwa 459 Metern ist sie im Vergleich zu den Ozeanen, die Tiefen von mehreren tausend Metern erreichen, relativ flach. Diese geringe Tiefe beeinflusst die Wasserzirkulation und den Wasseraustausch mit dem Atlantik.
Die Verbindung zum Atlantik erfolgt über die schmalen Sunde und Belte zwischen Dänemark und Schweden. Dieser begrenzte Austausch führt zu einer geringen Salinität, insbesondere im nördlichen und östlichen Teil der Ostsee. Das Brackwasser, eine Mischung aus Süß- und Salzwasser, unterscheidet sich deutlich vom stark salzhaltigen Wasser der offenen Ozeane. Diese geringe Salinität, gepaart mit der geringen Tiefe, begünstigt die Ausbildung von Eis im Winter, ein Phänomen, das in den meisten Meeren deutlich seltener auftritt.
Ein weiterer Aspekt ist die eingeschränkte Größe der Ostsee. Mit einer Fläche von etwa 412.500 Quadratkilometern ist sie zwar größer als viele Seen, aber im Vergleich zu den Weltmeeren verhältnismäßig klein. Diese überschaubare Größe mag in der Vergangenheit dazu beigetragen haben, sie eher als See wahrzunehmen. Man denke an die frühen Seefahrer, für die die Ostsee ein abgeschlossenes Gewässer darstellte, dessen Grenzen klar erkennbar waren.
Die Bezeichnung „See ist also historisch gewachsen und reflektiert die Wahrnehmung der Ostsee in früheren Zeiten. Die Menschen orientierten sich an den sichtbaren Eigenschaften: geringe Tiefe, eingeschränkte Größe, Brackwasser und Eisbildung. Diese Merkmale ähnelten eher den bekannten Seen als den großen, scheinbar endlosen Ozeanen.
Auch sprachliche Einflüsse spielten eine Rolle. Der germanische Begriff „See bezeichnete ursprünglich jedes stehende Gewässer, unabhängig von seiner Größe oder Salinität. Erst später differenzierte sich die Bedeutung und die Bezeichnung „Meer etablierte sich für die großen, salzhaltigen Gewässer. Die Bezeichnung Ostsee hat sich jedoch im Sprachgebrauch festgesetzt und wird auch in wissenschaftlichen Kontexten oft verwendet, obwohl die korrekte ozeanografische Klassifizierung Binnenmeer lautet.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bezeichnung „Ostsee ein historisches Relikt ist, das die geografischen Besonderheiten dieses Binnenmeeres widerspiegelt. Die geringe Tiefe, der begrenzte Wasseraustausch mit dem Atlantik, die resultierende geringe Salinität und die vergleichsweise geringe Größe haben dazu beigetragen, dass die Ostsee – trotz ihrer Verbindung zum Weltmeer – die Bezeichnung „See behielt. Die Namensgebung ist somit ein interessantes Beispiel dafür, wie historische Wahrnehmung und geografische Eigenschaften die Sprache und unser Verständnis der Welt prägen.
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