Warum heißt das Meer Schwarzes Meer?

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Die Frage, warum heißt das meer schwarzes meer, wird physikalisch durch die fehlende Durchmischung der Wasserschichten erklärt. In Tiefen ab 150 Metern existiert kein Sauerstoff, was dieses Gewässer zum größten meromiktischen Becken macht. Weniger dichtes Süßwasser an der Oberfläche schwebt auf einer salzigeren Tiefenschicht. Diese anoxische Zone prägt den Charakter des Meeres maßgeblich.
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Warum heißt das Meer Schwarzes Meer? Die Chemie

Hinter der Frage, warum heißt das meer schwarzes meer, verbergen sich faszinierende wissenschaftliche Erkenntnisse über die Schichtung des Wassers. Das Verständnis dieser natürlichen Besonderheiten schützt vor Fehlinterpretationen und verdeutlicht die ökologische Einzigartigkeit der Region. Entdecken Sie die physikalischen Gründe für diesen weltberühmten Namen und lernen Sie die Prozesse in der Tiefe kennen.

Die kurze Antwort: Warum heißt das Meer Schwarzes Meer?

Die Namensherkunft Schwarzes Meer ist bis heute nicht endgültig geklärt, aber es gibt mehrere überzeugende Theorien. Die beiden Hauptansätze sind zum einen die antike Tradition, die Himmelsrichtungen mit Farben verband – wobei Schwarz für den Norden stand –, und zum anderen die einzigartige chemische Zusammensetzung des Meeres. In den sauerstofffreien Tiefen des Schwarzen Meeres produzieren Bakterien Schwefelwasserstoff. Dieser bildet mit Metallen eine schwarze Schicht, die versunkenen Objekten ein dunkles Aussehen verleiht und so zum Ruf des Meeres beitrug.

Die Himmelsrichtungstheorie: Schwarz als Norden

Eine der ältesten und einflussreichsten Theorien führt den Namen auf ein System der Farbcodierung von Himmelsrichtungen zurück, das in vielen antiken Kulturen verbreitet war. Dieses System verwendete Farben, um die vier Himmelsrichtungen zu symbolisieren. Schwarz stand für den Norden, Rot für den Süden, Blau für den Osten und Weiß für den Westen(reference:0)(reference:1). Für die alten Griechen und Perser, die sich südlich des Meeres befanden, lag das Schwarze Meer im Norden – es war also das nördliche, schwarze Meer.

Verwandte Namensgebung: Das Rote und das Weiße Meer

Diese Tradition der farblichen Richtungszuordnung ist nicht auf das Schwarze Meer beschränkt. Das Rote Meer, das südlich des Mittelmeerraums liegt, folgt derselben Logik. Ebenso wird das Mittelmeer in der Türkei bis heute als „Akdeniz“ – das „Weiße Meer“ – bezeichnet, da es westlich von Anatolien liegt(reference:2). Diese Zusammenhänge machen die Theorie, dass der Name eine geografische Lage beschreibt, besonders schlüssig auf die Frage, warum heißt das meer schwarzes meer.

Die chemische Erklärung: Schwefelwasserstoff und schwarzer Schlamm

Die zweite große Theorie ist physikalisch-chemischer Natur, ist ebenso faszinierend und erklärt, warum ist das schwarze meer schwarz. Das Schwarze Meer ist das größte meromiktische Becken der Erde. [1] Das bedeutet, dass sich seine oberen und unteren Wasserschichten kaum vermischen. Die weniger dichte Süßwasserschicht an der Oberfläche (gespeist von großen Flüssen wie Donau, Dnepr und Don) schwebt auf einer dichteren, salzigeren Tiefenwasserschicht(reference:3). Diese stabile Schichtung führt dazu, dass in den Tiefen ab etwa 150 Metern kein Sauerstoff mehr vorhanden ist. Man spricht von einer anoxischen Zone(reference:4).

Wie Bakterien das Meer schwarz färben

In dieser sauerstofflosen Tiefe übernehmen spezialisierte Bakterien die Arbeit der Zersetzung. Anstatt Sauerstoff zu verwenden, nutzen sie Sulfat aus dem Meerwasser, um organische Materie abzubauen. Dabei entsteht als Abfallprodukt giftiger Schwefelwasserstoff (H2S), ein Gas, das nach faulen Eiern riecht(reference:5). Wenn Metallgegenstände oder organische Stoffe in diese Zone sinken, reagiert der Schwefelwasserstoff mit Metallen wie Eisen. Dabei bildet sich eine schwarze Schicht aus Eisensulfid, die alles wie mit einer schwarzen Patina überzieht(reference:6)(reference:7). Diese Färbung versunkener Gegenstände trug sicherlich zum düsteren Ruf des Meeres bei.

Die einzigartige Dunkelheit des Wassers

Diese chemische Besonderheit beeinflusst auch die Sichttiefe. Durch die Trübung des Wassers beträgt die Sichtweite an den meisten Stellen nur zwischen 40 und 50 Zentimetern.[3] Das Wasser erscheint daher von Natur aus dunkel und trüb, was die Namensgebung „Schwarz“ zusätzlich begünstigt haben könnte.

Der historische Weg des Namens: Von ungastlich zu schwarz

Die Namensreise des Schwarzen Meeres ist ein Spiegel der Geschichte der Anrainerstaaten. Sie begann im Altertum bei den iranischen Völkern, die das Meer aufgrund seiner dunklen Farbe als „axšaina“ – „dunkelfarbig“ – bezeichneten(reference:10). Die Griechen übernahmen diesen Begriff und deuteten ihn zu „Áxeinos“ um, was in ihrer Sprache „ungastlich“ oder „unwirtlich“ bedeutete, ein passender Name für das stürmische und schwer zu befahrene Gewässer(reference:11).

Pontos Euxeinos: Das gastliche Meer

Als die griechischen Siedler die Küsten zu kolonisieren begannen und der Handel florierte, wandelten sie den negativ konnotierten Namen in „Pontos Euxeinos“ um – das „gastliche Meer“(reference:12). Die genaue Pontos Euxinos Bedeutung war ein Euphemismus, der die neu gewonnene Wertschätzung für die Region ausdrückte. Die spätere Bezeichnung „Schwarzes Meer“ ist also nicht aus dem Griechischen, sondern über andere Wege zu uns gekommen.

Die türkisch-osmanische Prägung: Kara Deniz

Wer sich immer noch fragt, wie kam das schwarze meer zu seinem namen, sollte wissen: Eine entscheidende Rolle spielten die türkischen Völker und später das Osmanische Reich. Sie übernahmen den Namen und nannten das Meer „Kara Deniz“ – wörtlich „Schwarzes Meer“(reference:13). Interessant ist, dass „kara“ im Alttürkischen nicht nur die Farbe Schwarz, sondern auch die Himmelsrichtung Norden bedeutete(reference:14). Dies verbindet beide großen Theorien auf elegante Weise: Kara Deniz ist sowohl das schwarze Meer als auch das nördliche Meer. Die slawischen Völker, die später in die Region kamen, übernahmen diese Bezeichnung und übersetzten sie in ihre eigenen Sprachen, wie das russische „Chyornoye More“ oder das bulgarische „Cherno more“(reference:15)(reference:16).

Alle Theorien im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die drei Haupttheorien zur Schwarzes Meer Name Bedeutung zusammen und bewertet ihre jeweilige Wahrscheinlichkeit aus wissenschaftlicher Sicht.

Die drei Haupttheorien zur Namensherkunft im Vergleich

Die Wissenschaft favorisiert heute eine Kombination mehrerer Faktoren. Keine der Theorien kann für sich allein beanspruchen, die alleinige Wahrheit zu sein. Die folgende Gegenüberstellung zeigt die Stärken der einzelnen Ansätze.

Die Himmelsrichtungstheorie

Das Meer liegt nördlich der alten Hochkulturen (Griechen, Perser). Analogien zum Roten und Weißen Meer stützen diese Logik.

Erklärt nicht, warum ausgerechnet diese Farbe gewählt wurde. Die Systematik ist nicht in allen Kulturen identisch.

Der Name leitet sich von einem antiken System ab, das Himmelsrichtungen Farben zuordnet. 'Schwarz' steht für 'Norden'.

Die Chemisch-Geologische Theorie

Die anoxische Tiefe mit Schwefelwasserstoff erzeugt schwarzen Eisensulfid-Schlamm. Die Sichttiefe beträgt meist nur 40-50 cm.

Der Schwefelwasserstoff beeinflusst vor allem die Tiefsee, während der Name sicherlich von Seefahrern an der Oberfläche geprägt wurde.

Der Name bezieht sich auf das dunkle, trübe Wasser und die schwarzen Ablagerungen auf versunkenen Gegenständen.

Die Historisch-Sprachliche Theorie

Bietet eine lückenlose historische Kette von den Iraniern über die Griechen (Áxeinos) zu den Türken (Kara Deniz) und Slawen.

Die Bedeutung von 'axšaina' ist nicht eindeutig – es könnte sowohl 'dunkel' als auch eine Himmelsrichtung gemeint haben.

Der moderne Name ist das Ergebnis einer jahrhundertealten Weitergabe und Übersetzung des ursprünglichen iranischen Begriffs 'axšaina' (dunkelfarbig).

Die plausibelste Erklärung ist eine Kombination aller drei Theorien: Der iranische Begriff 'axšaina' (dunkelfarbig) wurde von den Griechen übernommen. Die türkischen Völker, die den Namen später prägten, interpretierten 'Kara' sowohl als Farbe als auch als Himmelsrichtung. Diese kulturelle Überlagerung wurde durch die tatsächliche dunkle Erscheinung des Wassers untermauert, die durch die Schwefelwasserstoff-Ökosysteme in der Tiefe verursacht wird.

Expedition ins Schwarze Meer: Ein Unterwasserarchäologe macht die Entdeckung

Dr. Klaus Richter, ein deutscher Meeresarchäologe, leitete 2023 eine Expedition zu einem gut erhaltenen byzantinischen Schiffswrack in 180 Metern Tiefe im Schwarzen Meer. Die größte Herausforderung war die Navigation in der völligen Dunkelheit – unter 150 Metern herrscht eine sauerstofffreie Todeszone. Das Team war gespannt auf den Zustand des Holzes, da es unter normalen Umständen längst verrottet wäre.

Beim ersten Tauchgang mit einem ferngesteuerten Fahrzeug staunten sie nicht schlecht: Das Wrack war vollständig intakt. Die Masten standen noch, Seile lagen auf dem Deck. Doch alles war von einer dicken, schwarzen, teerartigen Substanz überzogen. Das Team war zunächst verwirrt – diese schwarze Schicht sahen sie sonst nie.

Die Analyse der Proben brachte die überraschende Erkenntnis: Es handelte sich um eine Schicht aus Eisensulfid, das durch die Reaktion von Schwefelwasserstoff mit dem Eisen des Schiffes entstanden war. Das Holz selbst war perfekt konserviert, weil die Bakterien im Sediment den Sauerstoff verbraucht hatten, der für Zersetzungsprozesse nötig gewesen wäre.

Dieser Fund bewies eindrucksvoll die chemische Theorie der Namensgebung: Der Schwefelwasserstoff färbt alles, was in die Tiefe sinkt, mit einer schwarzen Patina. Das Expeditions-Team berichtete, dass die Sichttiefe an der Oberfläche oft weniger als einen halben Meter betrug, was das Meer selbst für Taucher dunkel und undurchsichtig machte.

Das sollten Sie mitnehmen

Drei Theorien, eine Wahrheit

Die Herkunft des Namens ist wahrscheinlich eine Mischung aus antiker Farbcodierung für Norden, der chemischen Schwarzfärbung durch Schwefelwasserstoff und der sprachlichen Weitergabe über Jahrtausende.

Meer der Superlative

Mit einer Fläche von 436.400 km² und einer maximalen Tiefe von 2.212 Metern ist es das weltweit größte meromiktische Becken [4] – ein See, in dem sich die Wasserschichten nicht vermischen(reference:17)(reference:18).

Ein lebendiges Geschichtsbuch

Durch die sauerstofffreie Tiefe sind unzählige Schiffswracks aus der Antike perfekt konserviert. Die schwarze Patina aus Eisensulfid ist dabei ein natürlicher Konservator.

Das sollten Sie noch wissen

Ist das Wasser des Schwarzen Meeres wirklich schwarz?

Nein, das Wasser an der Oberfläche ist nicht schwarz, sondern von einem klaren Blaugrün. In der Tiefe jedoch, unterhalb von etwa 150 Metern, ist es aufgrund des Schwefelwasserstoffs und der fehlenden Durchmischung völlig dunkel und sauerstofffrei.

Welche Theorie zur Namensherkunft ist die wahrscheinlichste?

Die Forschung geht heute von einer Kombination mehrerer Faktoren aus. Der Name ist sehr wahrscheinlich eine Mischung aus der antiken Tradition, Norden mit Schwarz zu assoziieren, und der tatsächlichen dunklen Erscheinung des Wassers, die durch Schwefelwasserstoff-Ablagerungen verursacht wird.

Gibt es andere Meere, die nach Himmelsrichtungen benannt sind?

Ja. Das Rote Meer liegt südlich des Mittelmeerraums (Rot = Süden), das Mittelmeer wurde im Osmanischen Reich als 'Weißes Meer' (Westen) bezeichnet, und im Chinesischen gibt es das 'Gelbe Meer' (Osten).

Haben Sie sich bei all diesen spannenden Fakten auch schon gefragt: Ist das Schwarze Meer ein echtes Meer? Erfahren Sie mehr über die geografische Einordnung dieses Gewässers.

Wann tauchte der Name 'Schwarzes Meer' zum ersten Mal auf?

Der Name in seiner heutigen Form ist erstmals in Schriften aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. belegt. Die Wurzeln reichen jedoch über die türkische Bezeichnung 'Kara Deniz' bis ins antike Griechenland (Áxeinos) und darüber hinaus zu den iranischen Völkern zurück.

Referenz

  • [1] En - Das Schwarze Meer ist das größte meromiktische Becken der Erde.
  • [3] En - Durch die Trübung des Wassers beträgt die Sichtweite an den meisten Stellen nur zwischen 40 und 50 Zentimetern.
  • [4] En - Mit einer Fläche von 436.400 km² und einer maximalen Tiefe von 2.212 Metern ist es das weltweit größte meromiktische Becken.