Wie halte ich Krebse im Aquarium?
Wie halte ich Krebse im Aquarium: Becken und Einrichtung
Wer sich mit der artgerechten Pflege von Krebsen beschäftigt, muss auf wichtige Rahmenbedingungen wie Beckengröße und Verstecke achten. Eine sorgfältige Vorbereitung schützt die Tiere vor Gefahren und sorgt für ein langes, gesundes Leben im heimischen Süßwasseraquarium ohne böse Überraschungen.
Wie halte ich Krebse im Aquarium?
Die artgerechte Haltung von Krebsen hängt von der Beckengröße, einem grabfähigen Bodengrund und vielen Verstecken ab. Das Aquarium sollte für kleinere Arten mindestens 54 Liter fassen. Pflanzen dienen als Nahrung und Deckung. Zudem ist eine Haltung mit räuberischen Fischen unbedingt zu vermeiden.
Die erfolgreiche Pflege dieser gepanzerten Aquariumbewohner kann von verschiedenen Faktoren abhängen. Oft gibt es mehr als eine richtige Erklärung für das Verhalten der Tiere, und die Ausgestaltung des Beckens hängt stark von der gewählten Krebsart ab. Wer die grundlegenden Bedürfnisse an den Lebensraum ignoriert, riskiert schnell Probleme bei der Häutung oder aggressive Revierkämpfe.
Die richtige Aquariengröße und Beckeneinrichtung für Krebse
Für die dauerhafte Haltung von kleineren Zwergflusskrebsen ist ein Beckenvolumen von mindestens 54 Litern absolut notwendig, um den Tieren ausreichend Revierfläche zu bieten. Größere Flusskrebsarten benötigen hingegen deutlich mehr Platz. Große Arten wie der australische Yabby verlangen wegen ihrer extremen Territorialität und einer Körperlänge von bis zu 20 Zentimetern nach einem aquarium für krebse ausbruchssicher machen.
Als ich mein erstes Krebsbecken einrichtete, war ich erstaunt, wie rabiat die Tiere ihren Lebensraum umgestalten. Ich hatte mühsam filigrane Stängelpflanzen gesetzt, die am nächsten Morgen alle an der Oberfläche trieben. Krebse sind leidenschaftliche Gräber. Ein mindestens 5 cm hoher Bodengrund aus Sand oder feinem Kies ist daher Pflicht, damit sie ihre natürlichen Wohnhöhlen anlegen können. Zusätzlich müssen schwere Steinaufbauten direkt auf der Bodenscheibe platziert werden, da Untergrabungen andernfalls zum Einsturz führen.
Verstecke und die kritische Phase der Häutung
Da Krebse hyperterritorial sind, benötigt jedes Tier mindestens zwei eigene Höhlen als Rückzugsort. Dies ist besonders während der Häutung überlebenswichtig, wenn der neue Panzer noch weich und verletzlich ist. Bei unzureichenden Versteckmöglichkeiten kann die Sterblichkeitsrate während des Häutungsprozesses in Gemeinschaftsbecken auf bis zu 90 Prozent ansteigen, da die weichen Krebse von ihren eigenen Artgenossen attackiert oder gefressen werden.
Ausbruchsschutz: Das Aquarium absolut dicht machen
Krebse sind extrem geschickte Kletterer und nutzen Kabel, Filterschläuche oder Aquarium-Silikonnähte, um die Wasseroberfläche zu verlassen. Jede noch so kleine Lücke in der Aquariumabdeckung führt unweigerlich dazu, dass das Tier ausbricht. Krebse können außerhalb des Wassers zwar so lange überleben, wie ihre Kiemen feucht bleiben, doch ungesicherte Becken enden für die Entdecker meist tödlich.
Der Ausbruchsschutz liefert eine der größten Hürden für Einsteiger - aber hier ist die Lösung simpel. Verwenden Sie passgenaue Glasabdeckungen und dichten Sie die verbleibenden Kabeldurchführungen rigoros mit Filterschwamm-Stücken oder Aquariensilikon ab. Ein kleiner Spalt von wenigen Millimetern reicht einem Zwergkrebs bereits, um sich hindurchzuzwängen. Kontrollieren Sie diese Barrieren wöchentlich.
Ernährung: Was fressen Krebse im Aquarium?
Krebse sind opportunistische Allesfresser, deren Speiseplan zu einem großen Teil aus pflanzlicher Kost, Laub und speziellem Krebsfutter bestehen sollte. Einseitig proteinreiche Nahrung führt bei Krebsen zu gefährlichen Häutungsfehlern, die fast immer tödlich enden. Die Fütterung sollte daher abwechslungsreich gestaltet und nur in kleinen Mengen alle zwei bis drei Tage erfolgen.
In meiner langjährigen Praxis hat sich braunes Herbstlaub von Eichen oder Buchen als der beste dauerhafte Futterhintergrund erwiesen. Das Laub zersetzt sich langsam, bildet wertvolle Huminstoffe und wird von den Krebsen bis auf die Blattnerven abgeweidet. Ergänzen Sie dies mit calciumreichen Gemüsesorten wie blanchiertem Mangold oder Gurkenscheiben, um den Panzeraufbau zu unterstützen.
Gefahren bei der Vergesellschaftung mit Fischen
Gemeinsam mit Fischen, insbesondere räuberischen oder bodenorientierten Arten, sollten Krebse nicht gehalten werden. Große Fische wie Buntbarsche betrachten Krebse während der Häutungsphase als weiche, wehrlose Beute. Umgekehrt jagen größere Krebsarten nachts schlafende Fische und können selbst flinke Salmler mit ihren kräftigen Scheren erbeuten.
Viele Einsteiger glauben, dass flinke Fische im oberen Beckenbereich sicher vor Krebsen sind. Das ist ein Trugschluss. Krebse lauern oft auf erhöhten Wurzeln oder Pflanzenstängeln und schnappen blitzschnell nach vorbeischwimmenden Fischen. Eine dauerhaft friedliche Vergesellschaftung funktioniert am ehesten bei Zwergflusskrebsen und sehr kleinen, schwimmaktiven Oberflächenfischen wie Guppys, wobei auch hier vereinzelte Verluste vorkommen können.
Verhalten von Krebsarten gegenüber Aquarium-Pflanzen
Nicht jeder Krebs zerstört Ihre Unterwasserlandschaft. Die Wahl der richtigen Art entscheidet darüber, ob Ihr bepflanztes Aquarium langfristig grün bleibt.Zwergflusskrebse (Cambarellus) ⭐
- Sehr gering; wühlen den Bodengrund nicht auf und lassen feine Wurzeln intakt
- Bereits ab 54 Litern für eine kleine Gruppe gut geeignet
- Absolut pflanzenfreundlich; beschädigen oder fressen keine gesunden Aquarienpflanzen
Große Flusskrebse (Procambarus / Cherax)
- Extrem stark; graben den gesamten Bodengrund um und entwurzeln jede Bepflanzung
- Je nach Art mindestens 80 bis 100 Liter für ein einzelnes Tier erforderlich
- Sehr hoch; schneiden Stängel systematisch ab und fressen weiche Blätter komplett auf
Für klassisch bepflanzte Aquarien oder Aquascapes sind ausschließlich Zwergflusskrebse zu empfehlen. Große Flusskrebse der Gattungen Cherax oder Procambarus sollten in speziellen Hardscape-Becken gehalten werden, die nur mit robusten Aufsitzerpflanzen wie Anubias oder Javafarn auf schweren Steinen ausgestattet sind.Tobias und der Kampf gegen den Ausbruchskönig
Tobias, ein Einsteiger in die Krebshaltung aus Hamburg, richtete voller Vorfreude ein 60-Liter-Becken für ein Pärchen orangefarbene Zwergflusskrebse ein. Er installierte einen Außenfilter und ließ die Standard-Abdeckung auf dem Becken, ohne sich große Gedanken über die hinteren Kabelöffnungen zu machen.
Nach nur drei Tagen der Schock: Das Krebs-Männchen war spurlos verschwunden. Tobias suchte panisch das Zimmer ab und fand das Tier verstaubt, aber lebendig unter dem Sofa. Der Krebs war am rauen Filterschlauch hochgeklettert und durch die fünf Zentimeter breite Kabelöffnung entwischt.
Tobias stopfte die Öffnung hastig mit etwas Alufolie. Doch beim nächsten Wasserwechsel stellte er fest, dass die scharfe Folie den Krebs fast verletzt hätte, als dieser erneut versuchte, hochzuklettern. Ihm wurde klar, dass er eine sichere und tierfreundliche Barriere brauchte.
Er entfernte die Folie und klemmte stattdessen passgenau zugeschnittene Stücke aus grobem Filterschwamm in alle Lücken. Seit dieser Anpassung gab es über Monate hinweg keinen einzigen Ausbruch mehr, und die Krebse blieben dauerhaft gesund in ihrem Revier.
Zusammenfassung in Stichpunkten
Verstecke retten Krebse vor KannibalismusBieten Sie immer mehr Höhlen an, als Krebse im Becken leben. Besonders in der verletzlichen Phase direkt nach der Häutung senken sichere Rückzugsorte die Ausfallrate im Aquarium massiv.
Lückenlose Abdeckung ist lebenswichtigSichern Sie ausnahmslos jede Kabeldurchführung mit Filterschwamm. Krebse nutzen jeden Spalt zur Flucht, was außerhalb des Beckens schnell zur Austrocknung führt.
Laub als gesundes Grundnahrungsmittel nutzenStändiges Vorhandensein von braunem Eichen- oder Buchenlaub liefert Ballaststoffe und beugt Häutungsfehlern vor, die durch eine zu proteinreiche Fütterung entstehen.
Wissenszusammenfassung
Warum versucht mein Krebs ständig, aus dem Aquarium zu klettern?
Krebse sind von Natur aus neugierige Erkunder, doch ein permanenter Fluchtversuch deutet meist auf schlechte Wasserwerte oder akuten Sauerstoffmangel hin. Überprüfen Sie sofort die Nitrit- und Ammoniakwerte und installieren Sie eine zusätzliche Luftpumpe mit Ausströmerstein.
Kann man mehrere Krebse in einem Becken halten?
Ja, das funktioniert bei Zwergflusskrebsen gut, sofern das Aquarium groß genug ist und extrem viele Höhlen bietet. Bei großen Flusskrebsen sollte aufgrund der starken Territorialität und der Gefahr von Kannibalismus nach der Häutung auf eine Gruppenhaltung in kleinen Becken verzichtet werden.
Muss ich die alte Haut nach der Häutung aus dem Aquarium nehmen?
Nein, lassen Sie die abgeworfene Exuvie unbedingt im Becken liegen. Der Krebs frisst seine alte Haut in den Tagen nach der Häutung fast vollständig auf, um die darin enthaltenen wertvollen Mineralien und das Calcium für die Härtung seines neuen Panzers zu nutzen.
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