Wieso hat man nach Alkohol schlechtes Gewissen?

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Alkohol beeinflusst die Neurotransmitter, darunter GABA. Die gesteigerte GABA-Produktion dämpft die Nervenaktivität, was zu Enthemmung und nachträglicher Reue führen kann. Dieses Gefühl wird durch die Diskrepanz zwischen dem erlebten Rausch und den eigenen Werten verstärkt. Der Körper reguliert sich daraufhin wieder um.
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Der Rausch und die Reue: Warum wir uns nach dem Alkoholgenuss schlecht fühlen

Alkohol – ein gesellschaftlich akzeptierter Rausch, der dennoch oft mit einem unangenehmen Nachgeschmack einhergeht: dem schlechten Gewissen. Doch warum fühlen wir uns nach einem Abend mit Alkohol oft schuldig, beschämt oder reuevoll? Die Antwort liegt nicht nur in den möglicherweise begangenen Fehltritten, sondern tief in der komplexen Biochemie unseres Gehirns.

Alkohol greift tief in das empfindliche Gleichgewicht unserer Neurotransmitter ein, die Botenstoffe, welche die Kommunikation zwischen Nervenzellen steuern. Ein zentraler Spieler in diesem Drama ist GABA (Gamma-Aminobuttersäure). GABA wirkt im Gehirn hemmend; es dämpft die Nervenaktivität. Alkohol verstärkt die Wirkung von GABA, was zu der typischen Enthemmung führt, die wir mit Alkohol assoziieren: Lockerheit, ausgelassene Stimmung, Hemmungslosigkeit. Wir reden mehr, lachen lauter, sind offener – und vielleicht auch impulsiver und unvorsichtiger.

Diese Enthemmung ist jedoch ein zweischneidiges Schwert. Die gedämpfte Nervenaktivität führt zu einer reduzierten Selbstkontrolle und einem abgeschwächten moralischen Kompass. Handlungen, die wir nüchtern niemals tun würden, können im Rausch plötzlich plausibel erscheinen. Der kritische, reflektierende Teil unseres Gehirns, der uns normalerweise vor unüberlegten Entscheidungen schützt, ist gewissermaßen ausgeschaltet.

Das schlechte Gewissen nach dem Alkoholgenuss entsteht aus der Diskrepanz zwischen dem Verhalten im Rausch und den eigenen moralischen Werten und Normen. Was wir im betrunkenen Zustand getan oder gesagt haben, steht im krassen Gegensatz zu dem Bild, das wir von uns selbst haben. Dieser Konflikt erzeugt ein unangenehmes Gefühl der Scham, der Reue und des schlechten Gewissens. Je stärker die Diskrepanz, desto intensiver das negative Empfinden. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um eine vermeintlich harmlose Peinlichkeit oder um eine schwerwiegende Handlung handelt – das Gefühl der Verletzung der eigenen Werte bleibt bestehen.

Hinzu kommt die körperliche Reaktion. Der Körper, der durch den Alkohol aus dem Gleichgewicht gebracht wurde, versucht sich wieder zu regulieren. Dieser Prozess kann mit Kopfschmerzen, Übelkeit und allgemeinem Unwohlsein einhergehen, was das negative Gefühl zusätzlich verstärkt und das schlechte Gewissen wie ein körperliches Gewicht anfühlt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das schlechte Gewissen nach dem Alkoholkonsum eine komplexe Reaktion ist, die sowohl auf biochemischen Prozessen im Gehirn als auch auf der Diskrepanz zwischen Verhalten und moralischen Werten basiert. Die Enthemmung durch den Alkohol führt zu Handlungen, die im nüchternen Zustand nicht vollzogen würden, und diese Diskrepanz löst ein unangenehmes Gefühl der Reue und des schlechten Gewissens aus, verstärkt durch die körperlichen Auswirkungen des Alkoholentzugs.