Was darf der Arbeitgeber beim Arzt nachfragen?

90 Aufrufe
Arbeitgeber dürfen beim Arzt Informationen zur Arbeitsunfähigkeit erfragen, jedoch begrenzt auf den Bezug zur Tätigkeit, ob es sich um eine Neu- oder Folgeerkrankung handelt und mögliche Teilarbeitsfähigkeit. Datenschutzrechtliche Grenzen sind dabei zu beachten.
Kommentar 0 Gefällt mir

Was darf der Arbeitgeber beim Arzt nachfragen? – Die Balance zwischen Informationspflicht und Datenschutz

Die Krankschreibung eines Mitarbeiters wirft für Arbeitgeber oft Fragen auf. Klar ist: Sie benötigen Informationen, um die Arbeitsabläufe zu organisieren und gegebenenfalls Anpassungen vorzunehmen. Doch wie viel darf der Arbeitgeber tatsächlich beim Arzt erfragen, ohne die Datenschutzrechte des Arbeitnehmers zu verletzen? Die Gratwanderung zwischen berechtigtem Informationsbedürfnis und dem Schutz sensibler Gesundheitsdaten ist schmal.

Grundsätzlich gilt: Der Arbeitgeber darf beim Arzt Informationen zur Arbeitsunfähigkeit erfragen, jedoch nur in einem eng begrenzten Rahmen. Die Anfrage muss sich konkret auf den Zusammenhang zwischen der Erkrankung und der beruflichen Tätigkeit beziehen. Erlaubt sind Fragen nach:

  • Der voraussichtlichen Dauer der Arbeitsunfähigkeit: Diese Information ist essentiell für die Planung und Organisation der Arbeitsabläufe.
  • Ob es sich um eine Neu- oder Folgeerkrankung handelt: Diese Unterscheidung kann für die Beurteilung von Lohnfortzahlung und Rehabilitationsmaßnahmen relevant sein.
  • Der Möglichkeit einer Teilarbeitsfähigkeit: Hier geht es darum, zu prüfen, ob der Mitarbeiter trotz Erkrankung bestimmte Aufgaben erfüllen kann. Dies dient der bestmöglichen Integration des Mitarbeiters und vermeidet längere Ausfallzeiten.

Was der Arbeitgeber nicht fragen darf:

Der Arbeitgeber hat kein Recht auf detaillierte Informationen über die Diagnose oder die Art der Behandlung. Die konkrete Erkrankung geht ihn nichts an. Fragen nach der genauen Diagnose, den verordneten Medikamenten oder therapeutischen Maßnahmen sind unzulässig und verstoßen gegen das Datenschutzrecht. Auch die Inanspruchnahme von psychotherapeutischer Behandlung unterliegt der Schweigepflicht und darf vom Arbeitgeber nicht erfragt werden.

Die Rolle der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU):

Die AU-Bescheinigung enthält die notwendigen Informationen für den Arbeitgeber. Sie bestätigt die Arbeitsunfähigkeit und gibt die voraussichtliche Dauer an. Darüber hinausgehende Informationen darf der Arzt ohne ausdrückliche Einwilligung des Arbeitnehmers nicht preisgeben.

Direkte Kontaktaufnahme mit dem Arzt – nur mit Einwilligung:

Der Arbeitgeber darf nicht eigenmächtig Kontakt zum Arzt des Mitarbeiters aufnehmen. Eine direkte Kommunikation ist nur mit der expliziten Einverständniserklärung des betroffenen Mitarbeiters zulässig. Diese Einwilligung muss freiwillig erfolgen und kann jederzeit widerrufen werden.

Fazit:

Der Arbeitgeber hat ein berechtigtes Interesse an Informationen zur Arbeitsunfähigkeit seiner Mitarbeiter. Dieses Interesse endet jedoch dort, wo der Schutz der persönlichen Gesundheitsdaten beginnt. Die erlaubten Fragen beschränken sich auf den Zusammenhang mit der beruflichen Tätigkeit, die Dauer der Arbeitsunfähigkeit und die Möglichkeit einer Teilarbeitsfähigkeit. Die genaue Diagnose und Details zur Behandlung unterliegen dem ärztlichen Schweigepflicht und dürfen vom Arbeitgeber nicht erfragt werden. Im Zweifelsfall sollte stets die ausdrückliche Einwilligung des Mitarbeiters eingeholt werden.