Wie viele Menschen haben beide Geschlechter?

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Auf die biologische Frage, wie viele menschen haben beide geschlechter, zeigen Schätzungen einen weltweiten Anteil von bis zu 1,7 Prozent. In Deutschland leben etwa 80.000 bis 120.000 intergeschlechtliche Personen, wobei das Klinefelter-Syndrom bei einem von 500 bis 600 Männern auftritt. Während Experten diese Zahlen bestätigen, erfasste der Zensus im Jahr 2022 bundesweit lediglich 969 Personen mit dem Geschlechtseintrag divers.
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Wie viele menschen haben beide geschlechter: 80.000 vs 969

Die Antwort auf wie viele menschen haben beide geschlechter offenbart eine faszinierende Diskrepanz zwischen der tatsächlichen biologischen Realität und starren behördlichen Dokumenten. Ein besseres Verständnis dieser völlig natürlichen menschlichen Variationen verhindert enormen gesellschaftlichen Druck zur Einordnung in ein rein binäres Geschlechtersystem. Erfahren Sie die wahren Hintergründe dieser biologischen Vielfalt.

Eine Frage der Definition und Wahrnehmung

Die Antwort auf die Frage wie viele menschen haben beide geschlechter hängt stark davon ab, ob man die Biologie oder das Melderegister betrachtet. Es gibt hierbei keine einfache Zahl, da sich die Definitionen zwischen Medizin, Recht und Selbstidentifikation unterscheiden. Aber eines ist sicher: Es sind deutlich mehr Menschen, als die meisten im Alltag vermuten würden.

In der Biologie spricht man heute eher von Intergeschlechtlichkeit statt von dem veralteten Begriff der Zweigeschlechtlichkeit. Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 1,7 Prozent der Weltbevölkerung mit biologischen Merkmalen geboren werden, die nicht der klassischen medizinischen Norm von männlich oder weiblich entsprechen. In Deutschland leben nach fundierten Berechnungen – im Hinblick auf die intergeschlechtlichkeit häufigkeit deutschland – etwa 80.000 bis 120.000 Menschen. Das entspricht in etwa der Einwohnerzahl einer Stadt wie Kaiserslautern oder Cottbus. Doch warum tauchen diese Zahlen kaum in offiziellen Statistiken auf? Darauf wird später noch eingegangen, denn fast 99 Prozent dieser Menschen werden im Personalausweis weiterhin als männlich oder weiblich geführt.

Die biologische Häufigkeit: Was die Zahlen verraten

Betrachtet man die rein biologische Ebene, ist die Vielfalt beeindruckend. Die Zahl von 1,7 Prozent umfasst eine breite Palette an Variationen - von Chromosomensätzen über Hormonrezeptoren bis hin zur Anatomie der Keimdrüsen. Oft wird Intergeschlechtlichkeit erst in der Pubertät oder beim unerfüllten Kinderwunsch entdeckt. Viele Menschen wissen also jahrelang gar nichts von ihrer eigenen Besonderheit.

Die Häufigkeit einzelner Syndrome variiert dabei stark. Das Klinefelter-Syndrom tritt bei etwa einem von 500 bis 600 Männern auf. Hier liegt ein zusätzliches X-Chromosom vor (47,XXY). Das Turner-Syndrom hingegen, bei dem ein X-Chromosom fehlt, betrifft etwa eine von 2.500 Frauen. Es ist wichtig zu verstehen, dass diese Variationen keine Krankheiten sind, sondern natürliche Varianten der menschlichen Entwicklung. Schmerzhaft ist oft nicht die Biologie selbst, sondern der gesellschaftliche Druck zur Einordnung in ein binäres System.

Deutschland im Fokus: Statistik versus Standesamt

In Deutschland zeigt sich eine interessante Diskrepanz zwischen der geschätzten biologischen Realität und den offiziellen Daten. Während Experten von mindestens 80.000 Betroffenen ausgehen, zeichnet das Melderegister ein anderes Bild. Beim Zensus 2022 wurden bundesweit lediglich 2.228 Menschen erfasst, die sich weder als Mann noch als Frau zuordneten. Davon zeigt die Statistik, wie viele menschen sind divers eingetragen: Nur 969 Personen waren offiziell gemeldet.

Warum ist diese Zahl so verschwindend gering? Ein Grund ist die historische Pathologisierung. Über Jahrzehnte wurden intergeschlechtliche Kinder oft kurz nach der Geburt ohne medizinische Notwendigkeit operiert, um sie einem Geschlecht anzupassen. Die Mehrheit der heute lebenden Personen mit intersexualität prozent bevölkerung - fast 84 Prozent - wird daher weiterhin im weiblichen oder männlichen Personenstand geführt. Viele scheuen zudem den bürokratischen Aufwand oder die mögliche Diskriminierung, die mit einem divers-Eintrag einhergehen könnte. Manchmal ist der Schutz der Privatsphäre wichtiger als die formale Anerkennung. Ein Dilemma, das viele Betroffene täglich spüren.

Der Weg zur Anerkennung: Kosten und Verfahren

Lange Zeit war es für intergeschlechtliche Menschen extrem schwierig und teuer, ihren Geschlechtseintrag zu korrigieren. Gerichtsverfahren und Gutachten waren kostspielig und dauerten oft mehrere Monate. Das war eine enorme Hürde. Seit der Einführung des Selbstbestimmungsgesetzes (SBGG) im November 2024 hat sich das Verfahren grundlegend vereinfacht.

Heute reicht eine einfache Erklärung beim Standesamt aus. Die Kosten für die Beurkundung der Erklärung bewegen sich in der Regel zwischen 15 und 60 Euro. Hinzu kommen meist etwa 12 bis 20 Euro für die Neuausstellung der Geburtsurkunde oder einer entsprechenden Bescheinigung. Es sind keine ärztlichen Atteste mehr erforderlich. Das spart nicht nur Geld, sondern auch emotionale Energie. Seien wir ehrlich: Wer möchte schon sein tiefstes Inneres vor Gutachtern beweisen müssen, nur um ein Dokument zu erhalten, das der eigenen Realität entspricht?

Biologische Vielfalt vs. Rechtlicher Status

Es ist hilfreich, zwischen der körperlichen Beschaffenheit und dem offiziellen Status in Dokumenten zu unterscheiden.

Biologische Intergeschlechtlichkeit

  1. Bei Geburt, in der Pubertät oder oft erst im Erwachsenenalter
  2. Angeborene Variationen der Chromosomen, Hormone oder Anatomie
  3. Etwa 1,7 Prozent der Weltbevölkerung (ca. 1 von 60 Geburten)

Rechtlicher Status (divers/ohne)

  1. Erklärung beim Standesamt nach dem Selbstbestimmungsgesetz
  2. Offizieller Geschlechtseintrag im Personenstandsregister
  3. In Deutschland weniger als 0,003 Prozent der Gesamtbevölkerung (Zensus 2022)
Die große Lücke zwischen biologischen Schätzungen und rechtlichen Einträgen zeigt, dass die Mehrheit der intergeschlechtlichen Menschen weiterhin in der binären Norm (männlich/weiblich) lebt oder dort verbleibt, oft aufgrund früherer medizinischer Zuweisungen.

Erikas Weg zur korrekten Identität

Erika, eine 42-jährige Ingenieurin aus Hamburg, erfuhr erst mit 30 Jahren durch Zufall von ihrer Intergeschlechtlichkeit. Lange Zeit fühlte sie sich in ihrem Körper unwohl, konnte das Gefühl aber nie genau benennen.

Ihr erster Versuch, den Geschlechtseintrag zu ändern, scheiterte vor Jahren an den Kosten und der demütigenden Gutachterpflicht. Der finanzielle Aufwand von fast 2.000 Euro war für sie damals nicht tragbar.

Mit dem neuen Gesetz im Jahr 2024 sah sie ihre Chance. Der Termin beim Standesamt in Hamburg war sachlich, dauerte nur 20 Minuten und kostete sie inklusive Urkunde weniger als 60 Euro.

Heute beschreibt Erika ein Gefühl von tiefer Erleichterung. Auch wenn sie im Alltag oft noch als Frau wahrgenommen wird, bedeutet das Dokument für sie den Abschluss eines jahrelangen inneren Kampfes um Anerkennung.

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Bin ich krank, wenn ich beide Geschlechtsmerkmale habe?

Nein, Intergeschlechtlichkeit ist keine Krankheit, sondern eine natürliche Variation der Geschlechtsentwicklung. Medizinisch wird dies heute oft als VDS (Varianten der Geschlechtsentwicklung) bezeichnet, was den Fokus weg von einer Störung hin zur biologischen Vielfalt lenkt.

Wie erkennt man Intergeschlechtlichkeit bei Kindern?

In etwa einem von 2.000 Fällen sind die äußeren Merkmale bei der Geburt uneindeutig. Häufig werden Variationen jedoch erst später entdeckt, wenn beispielsweise die Pubertät untypisch verläuft oder hormonelle Besonderheiten bei Routineuntersuchungen auffallen.

Für ein tieferes Verständnis der biologischen Grundlagen empfehlen wir den Artikel: Wie definiert sich biologisches Geschlecht?

Kostet die Beratung für betroffene Familien Geld?

Die meisten spezialisierten Beratungsstellen in Deutschland bieten kostenlose Unterstützung an. Organisationen wie der Bundesverband Intergeschlechtliche Menschen finanzieren sich oft durch Fördermittel oder Spenden, um Familien barrierefreie Hilfe zu ermöglichen.

So setzen Sie es um

Biologische Vielfalt ist normal

Mit einer Häufigkeit von 1,7 Prozent ist Intergeschlechtlichkeit fast so verbreitet wie rote Haare in der Bevölkerung.

Große Dunkelziffer in der Statistik

Nur ein Bruchteil der Betroffenen nutzt bisher den Eintrag divers, da viele bereits in jungen Jahren männlich oder weiblich zugewiesen wurden.

Rechtliche Hürden sind gefallen

Seit Ende 2024 ist die Änderung des Geschlechtseintrags in Deutschland ohne teure Gutachten für ca. 30 bis 80 Euro möglich.

Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine medizinische oder psychologische Fachberatung. Biologische Variationen sind individuell sehr unterschiedlich. Bitte wenden Sie sich bei Fragen zu Ihrer Gesundheit oder rechtlichen Situation an spezialisierte Mediziner, Beratungsstellen oder Rechtsanwälte.