Warum wird das Süßwasser auf der Erde nicht weniger?

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Warum wird das Süßwasser auf der Erde nicht weniger? Die Erde ist ein versiegeltes System: kein Wasser entweicht, kein neues kommt hinzu. Wasser verdunstet, fällt als Regen und bleibt im Kreislauf, sodass die globale Süßwassermenge konstant bleibt, auch wenn regional Grundwasser abgesenkt wird. Rund 97% des Wassers ist Salzwasser, nur 3% Süßwasser, wovon zwei Drittel in Gletschern gefroren sind.
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Süßwasser auf der Erde: Warum die Menge konstant bleibt

Warum wird das Süßwasser auf der Erde nicht weniger? Weil die Erde ein geschlossenes System ist: Kein Wasser entweicht oder kommt hinzu. Die globale Wassermenge bleibt daher konstant. Dieses Wissen schützt vor Fehleinschätzungen bei der Nutzung von Grundwasser und fördert ein nachhaltiges Bewusstsein.

Warum wird das Süßwasser auf der Erde nicht weniger?

Die Antwort auf die Frage, warum das Süßwasser auf der Erde nicht weniger wird, liegt in einem geschlossenen System: dem globalen Wasserkreislauf. Es mag überraschen, aber die Gesamtmenge an Wasser auf unserem Planeten ist seit Jahrmillionen nahezu konstant geblieben. Wasser wird nicht verbraucht, sondern lediglich gebraucht und befindet sich in einer ewigen Zirkulation zwischen Ozeanen, Atmosphäre und dem Festland.

Angetrieben durch die Sonnenenergie verdunstet Wasser – hauptsächlich aus den salzigen Weltmeeren –, steigt als unsichtbarer Wasserdampf auf und bildet Wolken.

In diesem Prozess findet eine natürliche Reinigung statt: Das Salz bleibt im Meer zurück, während der Dampf zu Süßwasser wird. Wenn dieser Dampf abkühlt und als Regen oder Schnee auf die Erde zurückfällt, füllt er Flüsse, Seen und das Grundwasser auf. Dieser Kreislauf stellt sicher, dass die Wassermenge global stabil bleibt, auch wenn sich ihr Ort und ihr Zustand ständig ändern. Aber hier gibt es einen Haken, den viele bei der Debatte um Wasserknappheit übersehen - ich werde im Abschnitt über regionale Knappheit erklären, warum das globale Gleichgewicht kein Grund zur Entwarnung ist.

Der Wasserkreislauf: Eine gigantische Recycling-Maschine

Stellen Sie sich die Erde wie ein riesiges, versiegeltes Terrarium vor. Kein Tropfen Wasser entweicht in den Weltraum, und es kommt auch kein nennenswertes neues Wasser hinzu. Rund 97% des gesamten Wasservorkommens der Erde bestehen aus Salzwasser in den Ozeanen. Nur etwa 3% entfallen auf Süßwasser, wovon wiederum fast zwei Drittel in Gletschern und Eisschilden gefroren sind.[2] Das bedeutet, dass weniger als 1% des weltweiten Wassers als flüssiges Süßwasser für uns und die Natur leicht zugänglich ist.

Dass dieses Süßwasser nicht versiegt, verdanken wir dem ständigen Wechsel der Aggregatzustände.

In meiner Zeit als Tutor für Umweltwissenschaften habe ich oft bemerkt, dass Schüler das Konzept des Verbrauchs falsch verstehen. Wenn wir Wasser trinken oder zum Gießen nutzen, verschwindet es nicht. Es wird durch unseren Körper geschleust, verdunstet über die Blätter der Pflanzen oder versickert im Boden. Irgendwann landet jeder Tropfen über die Kanalisation, Flüsse oder direkte Verdunstung wieder in der Atmosphäre oder im Meer. Der Wasserkreislauf ist also eine perfekte Kreislaufwirtschaft, in der das Wasser seit der Zeit der Dinosaurier immer wieder recycelt wird. Es ist faszinierend zu denken, dass wir heute technisch gesehen das gleiche Wasser trinken könnten, das schon vor Millionen von Jahren existierte.

Wenn das Wasser nicht weniger wird, warum gibt es dann Wasserknappheit?

Hier ist die Auflösung für den vorhin erwähnten Haken: Zwar bleibt die globale Menge gleich, aber die Verfügbarkeit an einem bestimmten Ort zur richtigen Zeit ändert sich drastisch. Das ist das Kernproblem der modernen Wasserwirtschaft. Durch den Klimawandel verschieben sich Niederschlagsmuster. Regionen, die früher wasserreich waren, erleben heute Dürreperioden, während andere von Starkregen überflutet werden. Zudem greift der Mensch massiv in den lokalen Kreislauf ein.

In vielen landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten wird Grundwasser deutlich schneller abgepumpt, als es durch Regen wieder aufgefüllt werden kann.

Ich habe selbst gesehen, wie Brunnen in trockenen Sommern versiegen, weil der Grundwasserspiegel um mehrere Meter gesunken war. Das Wasser ist dann nicht weg, es fließt vielleicht schneller ins Meer ab oder verdunstet an einem Ort, wo es uns nichts nützt. Rund 70% des weltweit entnommenen Süßwassers fließen in die Landwirtschaft.[3] Wenn wir diese Reserven übernutzen, stören wir das regionale Gleichgewicht, auch wenn die globale Bilanz der Erde immer noch bei Null liegt. Wir verbrauchen Wasser also nicht im physikalischen Sinne, aber wir verschmutzen es oder verlagern es so, dass es als Trinkwasser unbrauchbar wird.

Wasserverbrauch vs. Wassergebrauch

Oft werden diese Begriffe synonym verwendet, doch sie beschreiben unterschiedliche Auswirkungen auf den globalen Wasservorrat.

Wassergebrauch (Zirkulation)

Duschen, Händewaschen, Nutzung von Kühlwasser in der Industrie.

Die lokale Wassermenge bleibt weitgehend stabil, die Qualität kann sich ändern.

Nutzung von Wasser, das danach gereinigt oder direkt in den Kreislauf zurückgegeben wird.

Wasserverbrauch (Lokale Entnahme)

Bewässerung in der Wüste, Einbau in Produkte (Getränke), Verdunstung in Kühltürmen.

Führt zu sinkenden Pegelständen und Austrocknung in der spezifischen Region.

Wasser, das einem lokalen System entnommen wird und dort nicht direkt wieder ankommt.

Physikalisch gesehen 'gebrauchen' wir Wasser immer nur, da es im Kreislauf bleibt. Wirtschaftlich und ökologisch sprechen wir von 'Verbrauch', wenn das Wasser nach der Nutzung nicht mehr für dieselbe Region zur Verfügung steht oder verschmutzt ist.

Lukas und das Experiment im Schulgarten

Lukas, ein neugieriger Zehnjähriger aus München, baute im Biologieunterricht ein Flaschen-Ökosystem. Er goss die Erde einmal kräftig an und verschloss das Glas luftdicht mit einem Metalldeckel.

Nach drei Tagen war Lukas enttäuscht: Die Wände waren beschlagen und er dachte, seine Pflanzen würden ertrinken oder das Wasser würde faulen. Er wollte das Glas öffnen und frisches Wasser nachfüllen.

Seine Lehrerin erklärte ihm, er solle warten. Er beobachtete, wie die Tropfen an der Glaswand (Atmosphäre) herunterliefen und die Erde (Grundwasser) wieder befeuchteten. Er verstand: Das Wasser recycelte sich selbst.

Nach sechs Wochen ohne äußere Hilfe war das System immer noch grün. Lukas lernte, dass Wasser niemals verschwindet, sondern in einem geschlossenen Raum wie der Erde immer wieder seine Form wandelt.

Ausnahmen

Verschwindet Wasser, wenn es verdunstet?

Nein, Wasser wechselt beim Verdampfen nur seinen Zustand von flüssig zu gasförmig. Es bleibt als unsichtbarer Wasserdampf in der Luft, bis es abkühlt, kondensiert und als Niederschlag wieder zur Erde fällt.

Kann die Erde jemals komplett austrocknen?

Solange es eine Atmosphäre und Sonnenenergie gibt, bleibt der Wasserkreislauf bestehen. Wasser kann jedoch in Regionen extrem knapp werden oder in Form von Eis gebunden sein, was für Menschen wie ein Austrocknen wirkt.

Warum ist Salzwasser für uns kein Süßwasserersatz?

Der menschliche Körper kann das überschüssige Salz im Meerwasser nicht verarbeiten; die Nieren bräuchten mehr Süßwasser zum Ausspülen des Salzes, als man durch Trinken aufnimmt, was zur Dehydrierung führt.

Das wichtigste Ergebnis

Geschlossenes System Erde

Die Gesamtmenge an Wasser auf der Erde bleibt konstant bei etwa 1,4 Milliarden Kubikkilometern.

Verdunstung ist natürliche Destillation

Wenn Meerwasser verdunstet, bleibt das Salz zurück - so entsteht aus Salzwasser frisches Süßwasser.

Möchten Sie mehr darüber erfahren, warum unser Planet so reich an Wasser ist? Dann lesen Sie Warum gibt es so viel Wasser auf der Erde?
Regionale Knappheit ist real

Auch wenn Wasser global nicht weniger wird, sinken lokale Grundwasserspiegel oft schneller, als sie sich regenerieren können.

Wasser wird nur geliehen

Jeder Tropfen, den wir nutzen, kehrt irgendwann über den Kreislauf in die Natur zurück, oft jedoch in schlechterer Qualität.

Referenz

  • [2] Usgs - Nur etwa 3% entfallen auf Süßwasser, wovon wiederum fast zwei Drittel in Gletschern und Eisschilden gefroren sind.
  • [3] Ourworldindata - Rund 70% des weltweit entnommenen Süßwassers fließen in die Landwirtschaft.