Warum fließt das Wasser in Australien in die andere Richtung?

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Die Drehrichtung des Wassers im Abfluss wird hauptsächlich durch die Corioliskraft beeinflusst, die durch die Erdrotation entsteht. In Australien ist diese Kraft auf der Südhalbkugel entgegengesetzt gerichtet wie auf der Nordhalbkugel, was jedoch nur bei sehr großen Wassermassen einen merkbaren Effekt hat. Im Alltag spielen lokale Faktoren wie die Form des Waschbeckens, Anfangsströmungen und Restwasser eine deutlich größere Rolle.
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Warum dreht sich das Wasser in Australien anders herum? – Ein Mythos und die Realität

Die Behauptung, das Wasser in australischen Abflüssen drehe sich entgegen dem Uhrzeigersinn, während es auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn rotiere, gehört zu den hartnäckigsten Mythen der Geophysik. Tatsächlich spielt die Erdrotation, genauer gesagt die Corioliskraft, eine Rolle – aber eine weitaus geringere, als gemeinhin angenommen wird. Die weitverbreitete Vorstellung von einem umgekehrten Wasserwirbel in Australien basiert auf einem Missverständnis der Einflussfaktoren.

Die Corioliskraft ist eine Scheinkraft, die durch die Rotation der Erde entsteht. Sie lenkt bewegte Objekte – wie zum Beispiel Luftmassen oder Meeresströmungen – auf der Nordhalbkugel nach rechts und auf der Südhalbkugel nach links ab. Diese Ablenkung ist jedoch proportional zur Geschwindigkeit und der Entfernung vom Äquator. Für kleine Wassermengen in einem Waschbecken ist die Geschwindigkeit der Wasserbewegung und die räumliche Ausdehnung so gering, dass die Corioliskraft einen vernachlässigbaren Einfluss hat.

Um einen messbaren Effekt der Corioliskraft zu erzielen, bräuchte man ein riesiges Wasserbecken, idealerweise über mehrere Kilometer Durchmesser und mit einer extrem ruhigen Wasseroberfläche ohne störende Einflüsse. In einem typischen Waschbecken hingegen überlagern andere Faktoren die Corioliskraft bei weitem. Die Form des Beckens, der Einfluss des einlaufenden Wassers, bereits vorhandene Wasserströmungen und sogar die anfängliche Bewegung beim Öffnen des Abflusses bestimmen die Drehrichtung des Wasserwirbels weit stärker. Eine leichte Neigung des Beckens, winzige Unebenheiten im Boden oder ein Restwasserwirbel aus der vorherigen Nutzung können die Drehrichtung maßgeblich beeinflussen und die Wirkung der Corioliskraft völlig überdecken.

Experimente haben gezeigt, dass die Drehrichtung des Wassers im Abfluss zufällig ist und keine zuverlässige Vorhersage aufgrund der Erdrotation erlaubt. Man könnte also mit gleicher Wahrscheinlichkeit einen Links- oder Rechtsdrall sowohl in Australien als auch in Deutschland beobachten. Die Behauptung, dass die Corioliskraft die Drehrichtung in Australien umkehrt, ist somit eine Vereinfachung, die die Komplexität der beteiligten physikalischen Vorgänge ignoriert.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Während die Corioliskraft ein reales physikalisches Phänomen ist, das die großräumigen Strömungen auf der Erde beeinflusst, spielt sie bei der Drehrichtung des Wassers in einem Waschbecken eine untergeordnete Rolle. Die Drehrichtung wird im Alltag primär durch lokale Faktoren bestimmt, die zufällig und unvorhersehbar sind. Der Mythos vom umgekehrten Wasserwirbel in Australien ist also widerlegt – die Natur ist in diesem Fall komplexer als ein einfacher Nord-Süd-Unterschied. Die Suche nach einem umgekehrten Wasserwirbel als Beweis für die Erdrotation ist daher wenig aussichtsreich und zeigt die Grenzen einer solchen vereinfachten Betrachtungsweise.