Warum fliegt man Richtung Osten schneller?
Schneller Richtung Osten: Der Jetstream als Fluggast
Die Frage, warum Flüge in östlicher Richtung oft schneller sind als in westlicher, lässt sich nicht allein mit der Erdrotation erklären, wie oft fälschlicherweise behauptet wird. Der entscheidende Faktor ist der Jetstream, ein starkes, schnell fließendes Luftstromsystem in der oberen Troposphäre und unteren Stratosphäre.
Stellen Sie sich den Jetstream als eine Art Fluss in der Luft vor. Dieser "Luftstrom" bewegt sich in großer Höhe, meist zwischen 8 und 12 Kilometern, mit beachtlichen Geschwindigkeiten von bis zu 400 Kilometern pro Stunde. Seine Lage und Stärke variiert je nach Jahreszeit und Breitengrad, ist aber im Allgemeinen in mittleren Breiten, also in den Gebieten, in denen sich ein Großteil des internationalen Flugverkehrs abspielt, besonders ausgeprägt.
Fliegt ein Flugzeug mit dem Jetstream im Rücken – also Richtung Osten – wirkt dieser als natürlicher Rückenwind. Dieser Rückenwind addiert sich zur Geschwindigkeit des Flugzeugs, wodurch die Reisezeit deutlich verkürzt wird. Ein Flug von Europa nach Nordamerika profitiert beispielsweise maßgeblich von diesem Effekt. Die Flugzeuge erreichen nicht nur eine höhere Reisegeschwindigkeit über Grund, sondern sparen auch erhebliche Mengen an Treibstoff.
Im Gegensatz dazu kämpfen Flugzeuge bei Westflügen, also gegen den Jetstream, gegen diesen starken Wind an. Der Jetstream wirkt hier als Gegenwind und reduziert die Geschwindigkeit des Flugzeugs über Grund. Die Flugzeit verlängert sich entsprechend, und der Treibstoffverbrauch steigt. Ein Flug von Nordamerika nach Europa benötigt deshalb im Schnitt länger als der umgekehrte Flug.
Die Erdrotation, die Corioliskraft, spielt zwar eine Rolle für die Entstehung und die Richtung des Jetstreams, hat aber nur einen indirekten und vergleichsweise geringen Einfluss auf die Flugzeiten. Ihre Wirkung ist im Vergleich zum direkten Einfluss des Jetstreams vernachlässigbar.
Zusammenfassend lässt sich sagen: Die schnelleren Flugzeiten in östlicher Richtung sind primär auf den Rückenwind des Jetstreams zurückzuführen. Dieser natürliche "Windschatteneffekt" verkürzt die Reisezeit und optimiert die Effizienz der Flugzeuge. Die Erdrotation ist zwar ein Einflussfaktor im globalen Luftstromgeschehen, aber weit weniger bedeutend für die spürbare Geschwindigkeitsdifferenz bei Ost- und Westflügen.
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