Können Krebse in Süßwasser leben?
Können Krebse in Süßwasser leben? Ja, über 600 Arten
Die Frage, ob können krebse in süßwasser leben, lässt sich eindeutig bejahen. Viele Arten haben sich perfekt an limnische Lebensräume angepasst und bereichern die Artenvielfalt in lokalen Gewässern. Ein fundiertes Wissen über ihre Biologie hilft dabei, die richtigen Bedingungen für die Haltung zu schaffen und ökologische Zusammenhänge besser zu verstehen.
Können Krebse in Süßwasser leben?
Ja, viele Krebsarten sind perfekt an ein Leben im Süßwasser angepasst und besiedeln weltweit Bäche, Flüsse und Seen. Während man bei Krustentieren oft zuerst an Hummer oder Garnelen aus dem Ozean denkt, existieren allein in Europa spezialisierte süßwasserkrebse arten, die ihren gesamten Lebenszyklus fernab vom Salzgehalt der Meere verbringen.
Diese Tiere verfügen über faszinierende biologische Mechanismen, um ihren Salzhaushalt in mineralarmen Gewässern stabil zu halten. In Deutschland sind vor allem der heimische Edelkrebs und der Steinkrebs bekannt. Aber Vorsicht: Nicht jeder Krebs, den man im Zoogeschäft sieht, gehört in unsere Gewässer. Die Unterscheidung zwischen heimischen und invasiven Arten ist entscheidend für das ökologische Gleichgewicht. Aber dazu später mehr im Abschnitt über die Krebspest - ein Thema, das leider oft unterschätzt wird.
Heimische Süßwasserkrebse vs. exotische Bewohner
Die Vielfalt der welche krebse leben im süßwasser ist beeindruckend. In europäischen Gewässern finden wir primär drei Gruppen: die stark gefährdeten heimischen Arten, die bereits seit Jahrhunderten etablierten Arten und die in den letzten Jahrzehnten eingeschleppten Invasoren aus Nordamerika.
Flusskrebse machen rund 4-5% aller weltweit bekannten Zehnfußkrebs-Arten aus. Der bekannteste Vertreter bei uns ist der Edelkrebs (Astacus astacus) [1], der früher so häufig war, dass er sogar als Fastenspeise diente. Er benötigt sauberes, sauerstoffreiches Wasser und viele Versteckmöglichkeiten unter Wurzeln oder Steinen. Im Kontrast dazu stehen invasive Arten wie der Signalkrebs oder der Kamberkrebs. Diese sind oft robuster und verdrängen unsere heimischen Krebse aktiv - nicht nur durch Konkurrenz um Nahrung, sondern als Überträger tödlicher Krankheiten.
Ich erinnere mich noch gut an meinen ersten Versuch, einen kleinen Bachlauf hinter unserem Haus zu untersuchen. Ich erwartete Edelkrebse, fand aber nur Signalkrebse. Es war eine ernüchternde Lektion in Sachen Ökologie: Nur weil ein Krebs im Süßwasser lebt, gehört er dort nicht zwangsläufig hin. Die Verdrängungsrate durch invasive Arten ist in manchen Regionen erschreckend hoch.
Überlebensstrategien: Wie regulieren sie ihren Salzhaushalt?
Der größte unterschied flusskrebs hummer liegt in der Osmoregulation. Im Meer ist die Salzkonzentration im Wasser ähnlich hoch wie im Körper des Tieres. Im Süßwasser hingegen droht der Krebs ständig zu verwässern, da Wasser durch die Kiemen in seinen Körper eindringt, während wertvolle Salze verloren gehen.
Süßwasserkrebse haben hocheffiziente Antennendrüsen entwickelt, die quasi wie Nieren fungieren. Sie scheiden große Mengen an stark verdünntem Urin aus, während sie gleichzeitig aktiv Salze aus dem umgebenden Wasser über ihre Kiemen aufnehmen. Dieser Prozess ist energetisch extrem aufwendig. Aus diesem Grund reagieren sie besonders empfindlich auf Wasserverschmutzungen oder einen niedrigen Sauerstoffgehalt. Sinkt die Sauerstoffsättigung im Wasser unter kritische Werte, bricht dieser energieintensive Regulationsmechanismus oft zusammen. [2]
Früher dachte ich, man könnte jeden Krebs einfach in ein Glas Leitungswasser setzen. Ein fataler Irrtum - ohne ausreichende Belüftung ersticken die Tiere innerhalb kürzester Zeit. Das Wasser muss ständig in Bewegung sein.
Krebse im Aquarium halten: Was man wissen muss
In der Aquaristik sind vor allem Zwergflusskrebse (Cambarellus-Arten) beliebt, da sie friedlicher sind und Pflanzen meist in Ruhe lassen. Doch die flusskrebse im aquarium halten ist kein Selbstläufer. Ein häufiger Fehler ist die fehlende Strukturierung des Beckens. Krebse sind Einzelgänger und während der Häutung extrem verletzlich. In dieser Phase ist ihr Panzer weich wie Butter - man nennt sie dann auch Butterkrebse.
Die Überlebensrate bei der Häutung steigt deutlich, wenn genügend Röhren oder Höhlen vorhanden sind,[3] in die sich das Tier zurückziehen kann. Ohne Schutz werden sie oft Opfer ihrer eigenen Artgenossen. Hier ist die Realität im Aquarium oft grausam: Krebse kennen keine Gnade gegenüber geschwächten Kollegen.
Vergleich: Heimischer Edelkrebs vs. Amerikanischer Signalkrebs
Es ist für Laien oft schwer, den Unterschied zu erkennen. Doch für den Naturschutz ist diese Unterscheidung überlebenswichtig.
Edelkrebs (Heimisch)
Rote Gelenkhäute an den Scheren, kräftige Bedornung am Kopfpanzer
Sehr hoch; benötigt sauberes Wasser und stabilen Sauerstoffgehalt
Hundertprozentig tödlich; keine Abwehrkräfte gegen den Pilzerreger
Signalkrebs (Invasiv)
Weißer bis türkiser Fleck am Scheren-Gelenk (Namensgeber)
Robust; toleriert auch wärmeres und leicht verschmutztes Wasser
Überträger; ist selbst immun, tötet aber heimische Bestände durch Sporen
Der Signalkrebs ist der gefährlichere Konkurrent. Er sieht fast aus wie der Edelkrebs, ist aber ein biologisches Trojanisches Pferd, das die heimischen Bestände durch die eingeschleppte Krebspest binnen weniger Wochen auslöschen kann.Toms Teichprojekt: Eine Lektion über die Krebspest
Tom, ein begeisterter Naturschützer aus Bayern, wollte in seinem großen Gartenteich heimische Edelkrebse ansiedeln. Er kaufte im Internet vermeintlich gesunde Tiere und setzte sie voller Stolz in sein klares Wasser aus dem nahen Bach.
Er machte jedoch einen fatalen Fehler: Er kaufte die Edelkrebse bei einem Händler, der auch nordamerikanische Krebse führte. Durch benutzte Kescher wurden Sporen des Pilzerregers Aphanomyces astaci unbemerkt mitgeliefert.
Nach nur 10 Tagen bemerkte Tom, dass seine Krebse am helllichten Tag völlig desorientiert im Flachwasser umherliefen - ein typisches Symptom für den Befall des Nervensystems. Er realisierte zu spät, dass sein Teich nun verseucht war.
Innerhalb von zwei Wochen starben alle 20 Edelkrebse. Tom lernte auf die harte Tour, dass Desinfektion und strikte Trennung von Arten (Biosecurity) beim Umgang mit Süßwasserkrebsen über Leben und Tod entscheiden.
Das sollten Sie mitnehmen
Hoher Sauerstoffbedarf ist kritischSüßwasserkrebse sterben schnell bei Sauerstoffmangel; eine Belüftung ist im Aquarium oder kleinen Teichen oft lebensnotwendig.
Gefahr durch invasive ArtenAmerikanische Krebse übertragen die Krebspest, die heimische Bestände zu 100% auslöscht. Niemals verschiedene Herkunftsgruppen mischen!
Häutung ist die größte SchwachstelleWährend der Häutung brauchen Krebse absolut sichere Verstecke, da sie sonst von Fischen oder Artgenossen gefressen werden.
Das sollten Sie noch wissen
Kann ich Flusskrebse aus dem Supermarkt in meinen Teich setzen?
Auf keinen Fall. Die meisten dort verkauften Krebse sind invasive Arten aus Asien oder Amerika. Wenn diese in die Freiheit gelangen, schleppen sie Krankheiten ein, die unsere heimische Natur zerstören. Zudem ist das Aussetzen rechtlich verboten.
Fressen Süßwasserkrebse meine Fische im Aquarium?
Größere Arten können durchaus Jagd auf langsame oder kranke Fische machen. Zwergflusskrebse sind meist friedlich, aber eine Garantie gibt es nie. Eine gute Fütterung und ausreichend Platz minimieren das Risiko deutlich.
Brauchen Krebse im Süßwasser eine Heizung?
Die meisten heimischen Arten bevorzugen kühles Wasser (unter 20 Grad C). Tropische Arten aus dem Zoohandel benötigen oft Temperaturen zwischen 22 und 26 Grad C. Man sollte die Technik also immer an die spezifische Art anpassen.
Referenzmaterialien
- [1] De - Flusskrebse machen rund 4-5% aller weltweit bekannten Zehnfußkrebs-Arten aus.
- [2] Garnelenhaus - Sinkt die Sauerstoffsättigung im Wasser unter kritische Werte, bricht dieser energieintensive Regulationsmechanismus oft zusammen.
- [3] Garnelen-guemmer - Die Überlebensrate bei der Häutung steigt deutlich, wenn genügend Röhren oder Höhlen vorhanden sind.
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