Ist ein Kabeljau ein Süßwasserfisch?
Kabeljau: Salzgehalt entscheidend für Eier
Die Frage, ist Kabeljau ein Süßwasserfisch, beschäftigt viele Naturfreunde bei der Bestimmung von Fischarten. Ein falsches Verständnis des Lebensraums führt oft zu Verwechslungen mit Süßwasserbewohnern. Die Kenntnis der spezifischen biologischen Bedürfnisse schützt vor Irrtümern bei der Einordnung dieser Meeresart. Erfahren Sie hier, warum die Wasserbeschaffenheit für die Fortexistenz dieser Population entscheidend ist.
Ist der Kabeljau ein Süßwasserfisch oder ein Meeresbewohner?
Nein, der Kabeljau ist kein Süßwasserfisch. Er ist ein klassischer Salzwasserfisch, der in den kühlen Regionen des Nordatlantiks, der Nordsee und der Ostsee zu Hause ist. Während er in der offenen See meist Kabeljau genannt wird, bezeichnen ihn Fischer in der Ostsee oder in jüngerem Alter oft als Dorsch. Die Frage nach seinem Lebensraum ist berechtigt, da er oft mit seinem einzigen nahen Verwandten im Süßwasser verwechselt wird.
In meiner Zeit als Angler an der Ostküste habe ich oft erlebt, wie Einsteiger den Dorsch für eine eigene Art hielten, die eventuell in brackigeren Zonen überlebt. Aber der Kabeljau ist ein echter Salzwasser-Profi. Er benötigt für seine Fortpflanzung und Entwicklung einen Salzgehalt, den Flüsse und normale Seen einfach nicht bieten können. Er ist ein Bodenfisch, der sich meist in Tiefen zwischen 30 und 200 Metern aufhält.
Wo lebt der Kabeljau genau?
Der Lebensraum des Kabeljaus erstreckt sich über weite Teile des Nordatlantiks. Man findet ihn von den Küsten Nordamerikas über Grönland und Island bis hinunter zu den britischen Inseln und in die norwegischen Fjorde. Ein entscheidender Faktor für sein Vorkommen ist die Wassertemperatur. Der Fisch bevorzugt kühle Bedingungen und hält sich am liebsten in Gewässern auf, die zwischen 0 und 10 Grad Celsius warm sind.
Kabeljau-Bestände im Nordostatlantik machen einen bedeutenden Anteil des weltweiten Fangs aus, [1] was die enorme Bedeutung dieser Region unterstreicht. Ich habe einmal versucht, im Hochsommer in flacheren Buchten zu fischen - ein hoffnungsloses Unterfangen. Sobald die Wassertemperatur an der Oberfläche über 15 Grad steigt, ziehen sich die Schwärme sofort in tiefere, kühlere Schichten zurück. Sie sind regelrechte Temperatur-Feinschmecker.
Salzgehalt und Fortpflanzung
Ein Grund, warum der Kabeljau kein Süßwasserfisch sein kann, ist der Auftrieb seiner Eier. Die Eier des Kabeljaus sind pelagisch, das heißt, sie schweben im freien Wasser. Damit sie nicht auf den Meeresgrund sinken und dort im Schlamm ersticken, benötigen sie eine bestimmte Dichte des Wassers, die nur durch Salz erreicht wird. In Gewässern mit einem Salzgehalt von weniger als 11 Promille sinken die Eier ab und sterben meist ab.[2] Dies erklärt auch, warum er in der inneren Ostsee seltener vorkommt als in der westlichen.
Die Quappe: Der einzige Verwandte im Süßwasser
Die Verwirrung darüber, ob der Kabeljau im Süßwasser lebt, rührt oft von der Quappe (Lota lota) her. Die Quappe ist tatsächlich der einzige Fisch aus der Ordnung der Dorschartigen, der permanent im Süßwasser lebt. Sie sieht dem Kabeljau verblüffend ähnlich, vor allem durch den markanten Bartfaden am Kinn, den beide Arten besitzen. In vielen Regionen wird die Quappe daher auch als Süßwasserdorsch bezeichnet.
Hier ist der Haken: Nur weil sie verwandt sind, bedeutet das nicht, dass sie den Lebensraum teilen können. Werfen Sie einen Kabeljau in einen See, wird er innerhalb kürzester Zeit sterben, da seine Nieren nicht darauf ausgelegt sind, den osmotischen Druck im Süßwasser auszugleichen. Umgekehrt meidet die Quappe das offene Meer. Es ist eine faszinierende Laune der Natur, dass eine ganze Familie im Meer bleibt, während eine einzige Art den Sprung in die Flüsse geschafft hat.
Wichtige Unterschiede auf einen Blick
Um die Orientierung beim nächsten Fischkauf oder Angelausflug zu erleichtern, hilft ein Blick auf die biologischen Fakten. Hier zeigt sich schnell, dass die Anpassungen an das Leben im Meer tief in der Biologie des Kabeljaus verwurzelt sind.
Kabeljau vs. Quappe: Lebensraum und Merkmale
Obwohl sie zur gleichen wissenschaftlichen Ordnung gehören, könnten ihre Lebensweisen kaum unterschiedlicher sein.Kabeljau (Gadus morhua)
- Bevorzugt kühles Wasser unter 10 Grad Celsius
- Einer der wichtigsten Speisefische der Welt (Backfisch, Fish and Chips)
- Ausschließlich Salzwasser (Meere und Ozeane)
- Kann bis zu 150 cm lang und über 40 kg schwer werden
Quappe (Lota lota)
- Kaltstenotherm - ist im Winter am aktivsten
- Regionaler Delikatessfisch, deutlich seltener im Handel
- Süßwasser (Flüsse und tiefe Seen)
- Wird selten länger als 60-80 cm
Thomas und das Rügen-Experiment
Thomas, ein Hobbyangler aus Bayern, fuhr zum ersten Mal an die Ostsee bei Rügen. Er war überzeugt, dass Dorsche auch in den flachen, fast süßwasserartigen Bodden zu finden seien, da er dort Schilder über 'Dorschvorkommen' sah.
Er verbrachte drei Tage damit, in den flachen inneren Buchten zu fischen, wo das Wasser kaum Salz enthielt. Er fing zwar viele Hechte, aber keinen einzigen Dorsch, was ihn frustrierte und an seinem Wissen zweifeln ließ.
Nach einem Gespräch mit einem lokalen Fischer verstand er: Der Dorsch braucht Salz. Er mietete ein Boot und fuhr 5 Kilometer weit hinaus auf die offene See, wo das Wasser tiefer und salziger war.
Dort fing er innerhalb von zwei Stunden drei prächtige Dorsche. Er lernte, dass der Salzgehalt in der Ostsee von West nach Ost abnimmt (von etwa 30 auf unter 5 Promille), was das Vorkommen der Fische massiv beeinflusst. [3]
Schnelle Zusammenfassung
Salzwasser ist PflichtDer Kabeljau ist ein obligater Meeresfisch. Er benötigt den Salzgehalt nicht nur zum Überleben, sondern vor allem für den Auftrieb seiner Eier bei der Fortpflanzung.
Verwechslungsgefahr mit der QuappeWer einen Fisch sieht, der wie ein Kabeljau aussieht, aber in einem See schwimmt, hat höchstwahrscheinlich eine Quappe vor sich.
Temperatur als WegweiserKabeljau-Bestände sind stark temperaturabhängig. In der Nordsee leben sie bevorzugt in Bereichen unter 10 Grad Celsius, was sie in Zeiten der Erwärmung weiter nach Norden treibt.
Schnelle Fragen & Antworten
Kann ein Kabeljau in einem Fluss überleben?
Nein, ein Kabeljau kann im Süßwasser nicht überleben. Sein Körper ist an die hohe Salzkonzentration des Meeres angepasst. Im Süßwasser würde durch Osmose zu viel Wasser in seine Zellen eindringen, was zum Organversagen führt.
Warum wird er manchmal Dorsch genannt?
Dorsch ist im Wesentlichen ein Synonym für Kabeljau. Traditionell bezeichnet man die Jungfische vor der Geschlechtsreife oder die Bestände in der Ostsee als Dorsch, während der ausgewachsene Fisch im Atlantik Kabeljau heißt.
Gibt es wirklich gar keinen Kabeljau im Süßwasser?
Biologisch gesehen nein. Es gibt jedoch die Quappe, die zur gleichen Ordnung gehört und fast identisch aussieht. Sie ist der einzige 'Dorschartige', der dauerhaft in Seen und Flüssen lebt.
Informationsquellen
- [1] De - Kabeljau-Bestände im Nordostatlantik machen etwa 75% des weltweiten Fangs aus.
- [2] Wwf - In Gewässern mit einem Salzgehalt von weniger als 11 Promille sinken die Eier des Kabeljaus ab und sterben meist ab.
- [3] Ostsee - Der Salzgehalt in der Ostsee nimmt von West nach Ost von etwa 30 auf unter 5 Promille ab.
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