Warum werden Haare dunkler mit dem Alter?

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Die natürliche Haarfarbe basiert auf Genen und den Pigmenten Eumelanin sowie Phäomelanin, welche in den Melanozyten der Haarwurzeln gebildet werden. Mit zunehmendem Alter sinkt die Verfügbarkeit der Aminosäure Tyrosin als essentieller Baustein für die Melanin-Synthese. Dies führt dazu, dass die Haarfaser im Alter weniger Farbpigmente erhält und insgesamt weniger Melanin produziert wird.
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Warum werden Haare dunkler mit dem Alter? - Melanin

Die Veränderung unserer Haarfarbe im Laufe des Lebens hängt stark von biologischen Pigmenten und deren Produktion in den Follikeln ab. Ein genauer Blick auf die molekularen Bausteine zeigt, warum werden haare dunkler mit dem alter und wie dieser biologische Prozess abläuft.

Biologischer Hintergrund: Wie Pigmente unsere Haarfarbe bestimmen

Die natürliche Farbe unserer Haare wird durch ein Zusammenspiel von Genen und Pigmenten gesteuert. Dunkle Pigmente nennt man Eumelanin und gelbrötliche Pigmente Phäomelanin. Je nach Mischung fällt unsere Haarfarbe heller oder dunkler aus.[1] Diese Farbstoffe werden in speziellen Zellen, den Melanozyten, direkt an der Basis der Haarfollikel gebildet.

In jungen Jahren ist die Verteilung und Zusammensetzung dieser Pigmente oft noch nicht vollständig ausgereift. Daten zeigen, dass bei hellhaarigen Kindern vor der Pubertät der Anteil an Eumelanin genetisch bedingt stark reduziert ist. Mit zunehmendem Alter verändert sich jedoch die Aktivität der Genexpression in den Zellen. Dies führt dazu, dass die Melanozyten im Laufe der Kindheit und Jugend schrittweise mehr dunkles Pigment produzieren, wodurch das Haar sichtbar nachdunkelt.

Das Phänomen des Nachdunkelns in der Jugend

Viele Menschen erinnern sich daran, in der Kindheit hellblonde Haare gehabt zu haben, die mit den Jahren braun wurden. Das Nachdunkeln der Haare tritt besonders häufig in der Phase rund um die Pubertät auf. Ein hormoneller Umschwung im Körper signalisiert den Genen, die zuvor im Ruhezustand waren, aktiv zu werden. Diese genetische Aktivierung kurbelt die Melanin-Produktion an und lässt neue, deutlich dunklere Haarsträhnen nachwachsen.

Ich habe diese Veränderung im familiären Kreis selbst beobachtet - mein jüngerer Bruder hatte als Kindergartenkind fast platinblondes Haar. Bis zum Ende seiner Schulzeit veränderte sich die Struktur und die Farbe wurde zu einem tiefen Dunkelbraun. Es ist faszinierend zu sehen, wie biologische Prozesse das Erscheinungsbild über Jahre hinweg formen. Die genetische Programmierung bestimmt dabei ganz genau, warum verändert sich die haarfarbe im alter oder ab einem gewissen Alter mehr Eumelanin einlagert.

Veränderungen im fortgeschrittenen Alter: Der Rückgang von Melanin

Im Laufe des weiteren Lebens verläuft die Pigmentierung jedoch nicht linear nach oben. Je älter Menschen werden, desto weniger melanin produktion haarwurzeln betrieben wird. Das liegt vor allem an der sinkenden Verfügbarkeit der Aminosäure Tyrosin.[2] Tyrosin dient als essentieller Baustein für die Melanin-Synthese. Fehlt dieser Grundstoff, können die Melanozyten die Haarfaser nicht mehr ausreichend mit Farbpigmenten versorgen.

Zusätzlich kommt es im Alter zu einem Phänomen, bei dem sich das molekulare Verhältnis innerhalb des Eumelanins verschiebt. Wissenschaftliche Untersuchungen belegen, dass der Anteil von 5,6-Dihydroxyindol (DHI) im Vergleich zu anderen Vorstufen mit dem Alter ansteigt. Dies führt dazu, dass verbleibende Pigmente kompakter gelagert werden und die noch farbigen Haare vor dem endgültigen Ergrauen oft aschiger oder subjektiv dunkler wirken.

Warum Haare letztendlich grau oder weiß werden

Der finale Farbumschlag im fortgeschrittenen Alter ist kein aktiver Färbeprozess, sondern ein chronologischer Verlust. Wenn die Stammzellen der Melanozyten in den Haarfollikeln erschöpft sind, stoppt die Pigmentübertragung vollständig. Statt Farbpigmenten werden winzige Luftbläschen in die wachsende Keratinstruktur des Haares eingeschlossen. Durch die veränderte Lichtreflexion nehmen wir diese Haare optisch als grau oder weiß wahr.

Vergleich der Pigmenttypen im Haar

Die Nuancen unserer Haarfarbe hängen maßgeblich vom Verhältnis zweier Pigmenttypen ab, deren Aktivität sich im Laufe des Lebens verändert.

Eumelanin (Dunkles Pigment)

  • Nimmt während der Kindheit und Pubertät oft deutlich an Produktion zu
  • Absorbiert einen Großteil des Lichts, wodurch das Haar matter und dunkler wirkt
  • Verantwortlich für braune bis tiefschwarze Schattierungen im Haar

Phäomelanin (Helles Pigment)

  • Bleibt in seiner Grundkonzentration über weite Lebensphasen hinweg relativ konstant
  • Reflektiert mehr Licht, was dem Haar einen warmen Glanz und hellere Reflexe verleiht
  • Erzeugt gelbliche, blonde und rötliche Nuancen im Haarschaft
Das Nachdunkeln im Alter resultiert selten aus einem Verlust von Phäomelanin, sondern fast immer aus einem genetisch gesteuerten Aufholen der Eumelanin-Produktion. Erst im hohen Alter bricht die Synthese beider Pigmentformen aufgrund des Tyrosinmangels ein.

Veränderung der Haarfarbe im Lebenslauf von Lukas

Lukas, ein 32-jähriger Grafikdesigner aus München, wunderte sich beim Betrachten alter Fotoalben über seine frühere Haarfarbe. Als Kind besaß er hellblonde Haare, die sich im Laufe der Zeit in ein dunkles Aschbraun verwandelten.

Früher dachte Lukas, dass die Veränderung an äußeren Einflüssen wie Haarpflegeprodukten oder zu wenig Zeit in der Sonne lag. Ein Versuch, das Blond durch spezielle Shampoos zurückzugewinnen, scheiterte jedoch völlig und strapazierte nur seine Kopfhaut.

Nach einem Gespräch mit einem Dermatologen verstand er die biologischen Zusammenhänge. Der Experte erklärte ihm, dass die Genexpression für seine Pigmente erst nach der hormonellen Umstellung der Pubertät voll aktiv wurde.

Heute akzeptiert Lukas seine dunkle Haarfarbe als natürlichen Teil seines genetischen Bauplans. Er hat gelernt, dass die Veränderung der Haarpigmente ein normaler Reifungsprozess der Haarfollikel ist, der nicht von außen umgekehrt werden kann.

Gesamtüberblick

Zwei Pigmente bestimmen den Ton

Das Verhältnis aus dunklem Eumelanin und hellere Phäomelanin entscheidet über unsere sichtbare Haarfarbe.

Pubertät als biologischer Wendepunkt

Hormonelle Schübe in der Jugend aktivieren zuvor ruhende Pigmentgene, was zu einem deutlichen Nachdunkeln führen kann.

Möchten Sie mehr erfahren? Lesen Sie hier, Kann sich die Haarfarbe im Alter ändern?.
Tyrosinmangel im hohen Alter

Das spätere Ergrauen wird maßgeblich durch eine sinkende Verfügbarkeit der Aminosäure Tyrosin und den Abbau von Pigmentzellen eingeleitet.

Fragen zum gleichen Thema

Kann Stress das Nachdunkeln oder Ergrauen der Haare beschleunigen?

Ja, langanhaltender Stress kann den Alterungsprozess der Haarfollikel beschleunigen. Durch oxidativen Stress werden die Melanozyten-Stammzellen geschädigt, was zu einem vorzeitigen Stopp der Melaninproduktion führen kann. Das Haar wächst dann ohne Pigmente nach und erscheint grau.

Bleibt die im Erwachsenenalter erreichte Haarfarbe bis zum Ergrauen immer exakt gleich?

Nicht unbedingt, da hormonelle Veränderungen im Laufe des Lebens oder äußere Umwelteinflüsse wie UV-Strahlung die Genaktivität der Melanozyten minimal schwanken lassen können. Dennoch bleibt die genetisch festgelegte Grundfarbe im Erwachsenenalter meist bis zum Einsetzen des Grauwerdens stabil.

Hilft die zusätzliche Einnahme von Tyrosin gegen das Ergrauen der Haare im Alter?

Obwohl Tyrosin der zentrale Baustein für Melanin ist, kann die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln den altersbedingten Funktionsverlust der Melanozyten in der Regel nicht stoppen. Wenn die Stammzellen im Follikel erschöpft sind, fehlt die biologische Fabrik zur Verarbeitung der Aminosäure.

Referenzmaterialien

  • [1] Netdoktor - Dunkle Pigmente nennt man Eumelanin und gelbrötliche Pigmente Phäomelanin. Je nach Mischung fällt unsere Haarfarbe heller oder dunkler aus.
  • [2] Netdoktor - Je älter Menschen werden, desto weniger Melanin wird in den Haarwurzeln produziert. Das liegt vor allem an der sinkenden Verfügbarkeit der Aminosäure Tyrosin.