Welche Tomatensorte ist die älteste?

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älteste Tomatensorte gilt häufig als Borgo Cellano, eine historische Kulturtomate aus Apulien, deren Anbau bis ins 15. Jahrhundert zurückreicht. Im botanischen Ursprung steht jedoch Solanum pimpinellifolium, eine wilde Tomatenart aus Südamerika, während Borgo Cellano zu den frühesten dokumentierten Kultursorten gehört. Die heutigen Tomaten stammen aus langer Züchtungsgeschichte, bei der über 95 Prozent der ursprünglichen genetischen Vielfalt verloren gingen.
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Älteste Tomatensorte: Borgo Cellano aus dem 15. Jahrhundert

Die älteste Tomatensorte fasziniert Gärtner und Historiker, denn heutige Tomaten stammen aus alten Linien und verlorener genetischer Vielfalt. Wer ihre Herkunft versteht, erkennt Unterschiede zwischen ursprünglichen Wildformen und frühen Kultursorten. Ein kurzer Blick auf die Geschichte der Tomate erklärt diese Entwicklung klar.

Die Suche nach der Ur-Tomate: Zwischen Wildnis und Kultur

Wenn wir nach der älteste Tomatensorte suchen, müssen wir zwischen der Botanischen Urform und den ersten kultivierten Züchtungen unterscheiden. Die Sorte Borgo Cellano gilt heute als eine der ältesten bekannten Kulturtomaten, deren Anbau in Apulien, Italien, bis in das 15. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann. Aber hier liegt ein faszinierendes Geheimnis verborgen: Die Tomaten, die wir heute essen, haben eine genetische Reise hinter sich, die mehr als 95 Prozent ihrer ursprünglichen Vielfalt gekostet hat[2] - ein Thema, auf das ich später bei der Frage nach dem Geschmack noch genauer eingehen werde.

Die Antwort ist also zweigeteilt. Botanisch gesehen ist die Wildtomate Solanum pimpinellifolium die Mutter aller heutigen Sorten. Sie wächst noch immer wild in den Anden Südamerikas und produziert winzige, erbsengroße Früchte. Sucht man jedoch nach der ältesten stabilen Sorte für den Garten, landet man unweigerlich bei den historische Tomatensorten oder sehr frühen deutschen Züchtungen wie der Goldenen Königin. Es ist eine Reise durch Jahrhunderte von Selektion und Leidenschaft.

Borgo Cellano und das Erbe Italiens

In der Region Apulien wird die Sorte Borgo Cellano seit Generationen fast unverändert angebaut. Diese Sorte zeichnet sich durch ihre kleinen, ovalen Früchte aus, die traditionell an der Luft getrocknet werden. Da sie sehr wenig Saft und ein festes Fleisch besitzt, war sie für die Bauern des 15. Jahrhunderts die perfekte Lösung, um Vitamine über den Winter zu retten. Solche Sorten nennt man samenfest - das bedeutet, man kann die Samen der reifen Frucht trocknen und im nächsten Jahr wieder aussäen, wobei exakt die gleiche Pflanze entsteht.

Nichts schlägt das Gefühl, im Hochsommer eine dieser historischen Früchte direkt vom Strauch zu essen. Ehrlich gesagt, am Anfang meiner Gärtnerkarriere dachte ich, alle Tomaten bräuchten Unmengen an Wasser. Bei Borgo Cellano lernte ich schnell: Weniger ist mehr. Zu viel Wasser verwässert nicht nur das Aroma, sondern lässt die dünne Schale dieser alten Schätze sofort platzen. Diese Pflanzen sind hart im Nehmen und an karge Böden angepasst.

Die San Marzano - Ein Klassiker mit Geschichte

Oft als die beste Saucen-Tomate der Welt bezeichnet, hat die San Marzano ebenfalls eine lange Geschichte, die bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht. Die Legende besagt, dass die ersten Samen ein Geschenk des Vizekönigreichs Peru an das Königreich Neapel waren. Sie wurde am Fuße des Vesuvs auf vulkanischem Boden kultiviert. Ihre längliche Form und der geringe Säuregehalt machen sie bis heute zum Goldstandard für die italienische Küche.

Deutsche Tradition: Die Goldene Königin

Auch in Deutschland gibt es eine beeindruckende Geschichte der Tomatenzüchtung. Die Goldene Königin ist eine der historische Tomatensorten und wurde bereits um 1884 eingeführt.[3] Während viele moderne Sorten auf maximale Transportfähigkeit gezüchtet werden, stand bei der Goldenen Königin der milde, fast süße Geschmack im Vordergrund. Sie ist eine gelbe Sorte, was damals eine kleine Sensation war, da die meisten Menschen nur rote Tomaten kannten.

Ich erinnere mich noch gut an mein erstes Jahr mit der Goldenen Königin. Die Pflanzen waren so voller Früchte, dass mir die Stützen unter der Last wegbrachen. Ein klassischer Anfängerfehler - ich hatte die Wuchskraft dieser alten Sorte völlig unterschätzt. Historische Sorten wachsen oft viel ungestümer als die kompakten Hybriden aus dem Baumarkt. Man braucht Platz und Geduld. Aber der Lohn ist ein Geschmack, den man im Supermarkt vergeblich sucht.

Das Geheimnis des Geschmacks historischer Sorten

Erinnern Sie sich an die 95 Prozent verlorene Vielfalt, die ich eingangs erwähnte? Hier lösen wir das Rätsel auf. Moderne Hybrid-Tomaten werden oft auf das Gen für gleichmäßige Reife selektiert. Das macht sie im Regal hübsch und rot, blockiert aber die Bildung von Zucker und Aromastoffen in der Frucht. Auf einer alte Tomatensorten Liste stehen oft Sorten wie Borgo Cellano oder Moskvich, die dieses Gen nicht besitzen. Sie reifen ungleichmäßig - oft bleiben sie am Stielansatz grün, während sie unten schon weich sind - aber genau das erlaubt es ihnen, bis zu 40 Prozent mehr gelöste Zuckerstoffe (Brix-Wert) zu entwickeln als industrielle Standardware.

Dieser Unterschied ist nicht nur messbar, sondern man schmeckt ihn sofort. Wenn man eine historische Tomate aufschneidet, strömt einem dieser intensive, würzige Duft entgegen. Es ist die Kombination aus Tradition, Genetik und der Freiheit, nicht für den LKW-Transport optimiert sein zu müssen.

Vergleich historischer Tomatensorten

Historische Tomaten unterscheiden sich stark in ihrer Verwendung und ihren klimatischen Ansprüchen. Hier sehen Sie die wichtigsten Vertreter im direkten Vergleich.

Borgo Cellano (Italien)

• Kultiviert seit zirka dem 15. Jahrhundert

• Ideal zum Trocknen und für die Lagerung geeignet

• Sehr hitzebeständig und tolerant gegenüber Trockenheit

• Kleine, ovale Früchte mit sehr festem Fruchtfleisch

Goldene Königin (Deutschland)

• Eingeführt um das Jahr 1884

• Sehr säurearm und besonders mild im Geschmack

• Gut für das deutsche Freilandklima geeignet

• Mittelgroße, runde Früchte in leuchtendem Gelb

Moskvich (Russland)

• Historische Sorte, exaktes Datum unbekannt

• Extrem kältetolerant und früh reifend

• Perfekt für Regionen mit kurzen, kühlen Sommern

• Rote, leicht flachrunde Früchte

Während italienische Sorten wie Borgo Cellano perfekt für heiße, trockene Regionen sind, bietet die Goldene Königin für Gärtner in Mitteleuropa eine verlässliche und geschmacklich überlegene Alternative zu modernen gelben Sorten.

Stefans Kampf gegen den Brandenburger Sandboden

Stefan, ein leidenschaftlicher Hobbygärtner aus der Nähe von Potsdam, wollte unbedingt historische Tomaten anbauen, scheiterte aber zwei Jahre in Folge kläglich. Er pflanzte empfindliche italienische Fleischtomaten in seinen sandigen, nährstoffarmen Boden, was zu mickrigen Pflanzen und kaum Ertrag führte.

Er versuchte es mit Unmengen an Kunstdünger, was die Situation nur verschlimmerte: Die Pflanzen schossen ins Kraut, aber die Früchte bekamen Blütenendfäule. Stefan war kurz davor, das Gewächshaus abzureißen und stattdessen Rasen zu säen.

Dann kam der Durchbruch: Er wechselte zur kältetoleranten Sorte Moskvich und verbesserte den Boden nur noch mit eigenem Kompost und einer dicken Schicht Mulch. Er begriff, dass alte Sorten oft weniger Hilfe brauchen, als man denkt.

Im dritten Jahr erntete er über 5 kg Tomaten pro Pflanze, trotz eines kühlen Junitiefs. Die Moskvich hielt durch und lieferte bis in den Oktober hinein aromatische Früchte, was Stefan zum offiziellen Tomaten-Experten in seiner Kleingartenanlage machte.

Die wichtigsten Punkte

Samenfestigkeit als Basis

Alte Sorten sind fast immer samenfest, was bedeutet, dass man sein eigenes Saatgut gewinnen und die Tradition fortführen kann.

Geschmack durch Genetik

Der Verzicht auf das industrielle Gen für gleichmäßige Reife erlaubt historischen Sorten einen deutlich höheren Zuckergehalt.

Regionale Anpassung nutzen

Wählen Sie Sorten, die zu Ihrem Klima passen: Italienische für Hitze, russische oder deutsche Sorten für kühlere Regionen.

Fragensammlung

Sind historische Tomaten schwieriger anzubauen als moderne Hybriden?

Nicht unbedingt, aber sie reagieren empfindlicher auf Pflegefehler wie unregelmäßiges Gießen. Während Hybriden oft auf Krankheitsresistenz getrimmt sind, punkten alte Sorten durch ihre Anpassung an spezifische Klimazonen.

Woher bekomme ich Saatgut für die ältesten Tomatensorten?

Da diese Sorten samenfest sind, finden Sie sie oft bei Arche-Noah-Projekten oder spezialisierten Bio-Saatgut-Händlern. Im normalen Baumarkt sind sie aufgrund der geringeren Lagerfähigkeit der Früchte selten zu finden.

Möchten Sie mehr über die kulinarischen Traditionen Italiens erfahren? Entdecken Sie hier: Was gilt als No Go in der italienischen Küche?

Warum sehen alte Tomatensorten oft so komisch aus?

Historische Sorten folgen keinem optischen Industriestandard. Sie können gerippt sein, verschiedene Farben aufweisen oder unregelmäßige Formen haben. Das beeinträchtigt den Geschmack jedoch nicht - im Gegenteil, oft steckt in den hässlichen Entlein das meiste Aroma.

Referenzinformationen

  • [2] Academic - Die Tomaten, die wir heute essen, haben eine genetische Reise hinter sich, die mehr als 95 Prozent ihrer ursprünglichen Vielfalt gekostet hat.
  • [3] Tomatenjunkie - Die Goldene Königin ist eine der ältesten dokumentierten deutschen Sorten und wurde bereits um 1884 eingeführt.