Kann man Wasser Abkochen und dann trinken?

56 Aufrufe
Das wasser abkochen und trinken gilt als zuverlässige Methode, um Trinkwasser von Keimen zu befreien. Die Hitze zerstört die Zellstrukturen und Proteine von Mikroorganismen wie Bakterien und Viren. Kochen vernichtet zwar lebende Keime, lässt chemische Substanzen jedoch unberührt. Das Wasser einmal sprudelnd aufwallen lassen reicht aus, um die allermeisten Krankheitserreger unschädlich zu machen.
Kommentar 0 Gefällt mir

Wasser abkochen und trinken: Keime vs Chemikalien

Wer wasser abkochen und trinken möchte, sollte wissen, dass Hitze zwar biologische Verunreinigungen beseitigt, chemische Substanzen jedoch unberührt lässt. Die richtige Vorbereitung schützt vor gesundheitlichen Risiken im Alltag.

Kann man Wasser abkochen und dann trinken?

Das Abkochen von Wasser gilt seit Generationen als eine der zuverlässigsten Methoden, um Trinkwasser von Keimen zu befreien und trinkbar zu machen.[1] Doch wie bei so vielen alltäglichen Dingen ist die Realität ein bisschen differenzierter, als man im ersten Moment denkt. Ob das Wasser nach dem Sprudeln auf dem Herd tatsächlich sicher im Glas landet, hängt vor allem davon ab, was sich ursprünglich darin befunden hat. Seien wir ehrlich - die Vorstellung, dass Hitze jedes Problem löst, ist trügerisch.

Wie das Abkochen Krankheitserreger neutralisiert

Wenn Wasser den Siedepunkt erreicht, passiert etwas Ziemlich Einfaches, aber Hocheffektives: Die Hitze zerstört die Zellstrukturen und Proteine von Mikroorganismen.[2] Bakterien, Viren und Parasiten, die häufig Auslöser für Magen-Darm-Beschwerden sind, überleben diese Temperaturen in der Regel nicht. Wenn das Gesundheitsamt ein Abkochen anordnet, geschieht dies meist genau aus diesem Grund. Die thermische Desinfektion tötet die biologischen Verunreinigungen ab und macht das leitungswasser abkochen keime wieder sicher für den Alltag.

Die Grenzen der Hitze: Was beim Abkochen nicht verschwindet

Hier stoßen wir auf einen Punkt, den viele übersehen. Kochen vernichtet zwar lebende Keime, aber es lässt chemische Substanzen völlig unberührt. Schwermetalle wie Blei aus alten Hausleitungen, Pestizidrückstände oder Nitrat lösen sich durch das reine Erhitzen nicht in Luft auf. Im Gegenteil: Wenn man Wasser zu lange sprudelnd kochen lässt, verdunstet ein Teil der Flüssigkeit, wodurch sich gelöste Mineralien und Chemikalien sogar konzentrieren können.[3] Wer also glaubt, mit Kochen ließe sich jede Art von Verschmutzung beseitigen, irrt sich gewaltig.

Wie lange muss man Wasser abkochen?

In akuten Krisensituationen oder bei Verunreinigungsmeldungen durch die Behörden wird meist empfohlen, das Wasser sprudelnd aufkochen zu lassen. Aber wie lange wasser abkochen muss man wirklich? Typischerweise reicht es aus, das Wasser einmal sprudelnd aufwallen zu lassen, um die allermeisten Krankheitserreger unschädlich zu machen. Manche Empfehlungen raten dazu, das Wasser vorsichtshalber ein bis drei Minuten weiterkochen zu lassen, um auch extrem hitzeresistente Sporen oder hartnäckige Keime sicher zu erwischen.

In vielen Haushalten schalten sich Wasserkocher automatisch ab, sobald das Wasser kocht. Bei amtlichen Abkochgeboten ist jedoch ein genaueres Hinsehen ratsam. Die Daumenregel lautet: Ein kräftiger, sprudelnder Blubb reicht meist aus, aber ein paar Minuten Extra-Zeit schaden im Zweifel nie, solange man nicht die Hälfte des Wassers verdampfen lässt.

Sichere Aufbewahrung: Den Sekundärschaden vermeiden

Wenn Sie anschließend das abgekochtes wasser trinken, ist es direkt nach dem Abkühlen zwar keimfrei, aber es bleibt nicht steril. Werden Gefäße verwendet, die nicht absolut sauber sind, oder lässt man den Krug offen in der Küche stehen, siedeln sich schnell neue Bakterien aus der Umgebungsluft an. Das ist ein klassischer Stolperstein. Am besten füllt man das abgekühlte Wasser in sterile, verschließbare Glasflaschen und lagert sie kühl. Nach spätestens ein bis zwei Tagen sollte man es idealerweise aufbrauchen oder frisch abkochen, um geschmackliche Veränderungen und Verkeimungen zu verhindern.

Methoden zur Wasseraufbereitung im Vergleich

Nicht jede Situation erfordert das klassische Abkochen auf dem Herd. Je nach Art der Kontamination kommen unterschiedliche Verfahren infrage.

Klassisches Abkochen

• Keinerlei Wirkung auf Schwermetalle, Pestizide oder Nitrat.

• Tötet Bakterien, Viren und Parasiten extrem zuverlässig ab.

• Einfach und überall machbar, wo es einen Herd oder Feuer gibt.

Aktivkohlefilter

• Entfernt Chlor, Medikamentenreste und organische Schadstoffe sehr gut.

• Geringe bis keine Wirkung gegen Viren; filtert manche Bakterien mechanisch.

• Benötigt spezielle Filterkartuschen, die regelmäßig gewechselt werden müssen.

Chemische Desinfektion (Tabletten)

• Verändert die Schadstofflast nicht, fügt stattdessen Chlor oder Silberionen hinzu.

• Wirksam gegen Bakterien und Viren bei ausreichender Einwirkzeit.

• Perfekt für unterwegs und Outdoor-Aktivitäten, hinterlässt oft einen Eigengeschmack.

Für die akute Bekämpfung von Keimen im heimischen Leitungswasser bleibt das Abkochen die unschlagbare Nummer eins. Wer jedoch dauerhaft chemische Belastungen minimieren will, greift besser zu passenden Filtersystemen.

Der Ernstfall im Wohngebiet: Das plötzliche Abkochgebot

Thomas erlebte letztes Jahr im Spätherbst, wie plötzlich das lokale Trinkwasser wegen starker Regenfälle mit Keimen belastet war. Das Gesundheitsamt schickte eine Warnmeldung über die Warn-App heraus.

Anfangs dachte er, ein kurzer Schluck aus dem Hahn würde schon nicht schaden, aber nach zwei Tagen mit leichten Magenproblemen wurde ihm klar, dass das Problem ernst zu nehmen war.

Er stellte daraufhin große Töpfe auf den Herd, kochte jeweils mehrere Liter ab und füllte sie in saubere Glasflaschen für den Tag ab.

Nach knapp einer Woche gab Entwarnung. Die Proben waren wieder sauber, und Thomas hatte gelernt, dass man Warnungen dieser Art niemals auf die leichte Schulter nehmen sollte.

Nächste Schritte

Keime sicher abtöten

Ein einmaliges, sprudelndes Aufkochen reicht aus, um Bakterien und Viren zuverlässig zu neutralisieren.

Falls Sie unsicher sind, ob das Erhitzen ausreicht: Ist abgekochtes Wasser trinken gesund?
Chemische Stoffe bleiben erhalten

Hitze hilft nicht gegen Schwermetalle oder Pestizide; hierfür sind spezielle Filter notwendig.

Hygiene bei der Aufbewahrung

Abgekochtes Wasser sollte in sauberen, verschlossenen Behältern kühl gelagert und innerhalb weniger Tage verbraucht werden.

Schnelle Zusammenfassung

Ist abgekochtes Wasser komplett steril?

Nein, es ist direkt nach dem Abkochen zwar keimfrei, aber nicht steril im medizinischen Sinne. Sobald es abkühlt und mit der Luft in Berührung kommt, können sich neue Mikroorganismen darin vermehren.

Warum schmeckt abgekochtes Wasser manchmal schal?

Beim Erhitzen entweicht der im Wasser gelöste Sauerstoff. Das führt dazu, dass das Wasser kurz nach dem Abkochen etwas flach oder schal schmeckt, was sich durch kräftiges Umrühren oder Herabgießen von einem Gefäß ins andere leicht beheben lässt.

Hilft das Abkochen gegen Kalk im Wasser?

Ja, teilweise schon. Durch das Erhitzen fällt ein Teil des gelösten Calcium- und Magnesiumcarbonats als Kesselstein aus, was die Härte des Wassers geringfügig reduziert, aber den Geschmack kaum beeinflusst.

Referenz

  • [1] Ivario - Das Abkochen von Wasser gilt seit Generationen als eine der zuverlässigsten Methoden, um Trinkwasser von Keimen zu befreien und trinkbar zu machen.
  • [2] Waterdropfilter - Wenn Wasser den Siedepunkt erreicht, passiert etwas Ziemlich Einfaches, aber Hocheffektives: Die Hitze zerstört die Zellstrukturen und Proteine von Mikroorganismen.
  • [3] Ivario - Wenn man Wasser zu lange sprudelnd kochen lässt, verdunstet ein Teil der Flüssigkeit, wodurch sich gelöste Mineralien und Chemikalien sogar konzentrieren können.