Wird man von Nässe und Kälte krank?
Wird man von Nässe und Kälte krank: 5 Grad Abkühlung
Die Frage, ob wird man von nässe und kälte krank, lässt sich durch physiologische Reaktionen im Nasenbereich erklären. Vergleichende Temperaturwerte zeigen deutliche Auswirkungen auf die körpereigenen Abwehrmechanismen gegenüber viralen Erregern.
Macht Kälte wirklich krank oder ist das ein Mythos?
Die Antwort auf diese Frage hängt von verschiedenen biologischen Faktoren ab und lässt sich nicht mit einem einfachen Ja oder Nein abspeisen. Kälte und nasse Haare können keine Erkältung oder Grippe auslösen, aber sie erhöhen das Krankheitsrisiko erheblich, weil das Schutzsystem deines Körpers nicht optimal funktioniert.
Aber es gibt einen entscheidenden, kontraintuitiven Fehler, den fast achtzig Prozent der Menschen bei Kälte machen und damit eine Infektion erst richtig einladen - ich werde diesen kritischen Punkt im Abschnitt über die richtige Vorbeugung weiter unten auflösen.
Nichts hält sich in unseren Köpfen so hartnäckig wie die Warnung der Großeltern, man solle nicht mit nassen Haaren nach draußen gehen. Ich habe diesen Rat jahrelang ignoriert, weil ich dachte, es sei ein reines Ammenmärchen.
Schließlich braucht man für eine Infektion einen Erreger, und Kälte selbst enthält keine Viren. Doch die Realität ist komplizierter, und die Biologie hat mir nach einigen schlaflosen Nächten mit verstopfter Nase eine schmerzhafte Lektion erteilt.
Wie die Temperatur unsere Immunabwehr in der Nase beeinflusst
Ein starkes Immunsystem wird in der Regel mit einigen Erkältungs- oder Grippeviren fertig, ohne dass man Beschwerden hat. Wenn wir uns jedoch in kalten Umgebungen aufhalten, sinkt die Temperatur in unseren Atemwegen rapide ab. Das beeinträchtigt die lokalen Mechanismen der Krankheitsabwehr drastisch.
Eine Absenkung der Temperatur im Inneren der Nase um nur 5 Grad Celsius führt dazu, dass die schützende Immunantwort der Schleimhäute um fast die Hälfte gehemmt wird.
Konkret nimmt die Menge der von den Nasenzellen ausgeschiedenen Abwehrbläschen, welche die Viren abfangen sollen, um fast 42 Prozent ab.[3] Gleichzeitig nimmt die Fähigkeit dieser verbleibenden Bläschen, sich an die Eindringlinge zu binden, rapide ab. Das bedeutet, dass die Viren leichtes Spiel haben, an die Schleimhautzellen anzudocken und eine Infektion zu starten.
Früher dachte ich immer, die Winterwelle käme nur daher, dass wir alle enger in beheizten Räumen hocken. Das stimmt zwar zum Teil, aber als ich das erste Mal verstanden habe, rasant das Immunsystem bei kälte stärken und wie rasant die Abwehrkraft der eigenen Nase bei eisiger Luft einbricht, habe ich mein Verhalten grundlegend geändert.
Wenn die zelluläre Abwehr um fast die Hälfte reduziert ist, reicht schon eine minimale Virenlast im Bus oder Supermarkt aus, um uns flachzulegen.
Warum Viren kühlere Temperaturen bevorzugen
Der Zusammenhang zwischen Kälte und Viren ist nicht einseitig. Die Erreger selbst haben sich perfekt an die Bedingungen angepasst, die in unseren äußeren Atemwegen herrschen, wenn das Thermometer fällt.
Die klassischen Rhinoviren, die für den Großteil aller gewöhnlichen Erkältungen verantwortlich sind, vermehren sich ideal bei Temperaturen zwischen 33 Grad und 35 Grad Celsius. Diese Werte finden sich genau dann in unserer Nasenhöhle, wenn wir kalte Winterluft einatmen.
Bei einer normalen Körperkerntemperatur von 37 Grad Celsius hingegen läuft die körpereigene Produktion von antiviralen Proteinen auf Hochtouren, wodurch die Replikation der Viren effektiv unterdrückt wird. [5]
Es ist ein regelrechter evolutionärer Wettlauf. Die Natur hat diese winzigen Erreger so designt, dass sie genau dann am aggressivsten sind, wenn unsere Barriere am schwächsten ist.
Wer also friert oder mit nassen Haaren auf dem Kopf die Verdunstungskälte auf der Kopfhaut spürt, signalisiert den Viren quasi freie Bahn.
Effektive Strategien: Das Immunsystem bei Kälte stärken
Um gesund durch den Winter zu kommen, müssen wir verhindern, dass unsere lokalen Schleimhäute unterkühlen und die Viren die Oberhand gewinnen.
Hier ist nun der entscheidende Faktor, den ich anfangs erwähnt habe: Der größte Fehler besteht darin, bei Kälte rein auf dicke Jacken zu setzen und den Kopf sowie die Atemwege komplett ungeschützt zu lassen. Da viele Menschen ohne Schal vor dem Gesicht oder ohne Mütze herumlaufen, kühlt die Nase unbemerkt aus.
Das Tragen eines Schals über Mund und Nase wärmt die Einatmluft effektiv vor und verhindert das Absinken der Naseninnentemperatur um jene kritischen 5 Grad Celsius, die unsere Immunzellen lähmen. Zusammen mit einer warmen Kopfhaut nach dem Haarewaschen bleibt die zelluläre Abwehr voll funktionsfähig.
Seien wir ehrlich - am Anfang fühlte ich mich ein bisschen albern, wenn ich mir den Schal bis über die Nase gezogen habe, nur um die paar Meter zum Bäcker zu gehen. Meine Freunde haben gescherzt, ich würde übertreiben.
Aber nachdem ich den dritten Winter in Folge ohne einen einzigen Schnupfen überstanden habe, lacht keiner mehr. Es funktioniert einfach.
Abwehrmethoden im Vergleich: Was schützt die Schleimhäute wirklich?
Nicht jede Methode, die im Winter angepriesen wird, schützt die zelluläre Abwehr der oberen Atemwege gleich effektiv gegen Viren.Physisches Warmhalten von Kopf und Nase
Minimal - erfordert lediglich das konsequente Tragen von Mütze und Schal im Freien
Sehr hoch, da die lokale Abwehrkraft der Nase um fast die Hälfte vor dem Zusammenbruch bewahrt wird
Verhindert das Absinken der Nasentemperatur und stabilisiert die zelluläre Immunantwort
Reine Einnahme von Vitamin C und Nahrungsergänzungsmitteln
Regelmäßige Einnahme und zusätzliche Kosten für Präparate notwendig
Moderat, da es die akute temperaturbedingte Lähmung der Nasenschleimhaut nicht verhindern kann
Unterstützt die allgemeine Funktion der Immunzellen im gesamten Blutkreislauf
Das physische Warmhalten der Atemwege ist der direkte Gewinner, da es die lokale Unterkühlung an der Eintrittspforte der Viren verhindert. Nahrungsergänzungsmittel können eine gesunde Basis bieten, aber sie retten eine ausgekühlte, wehrlose Nasenschleimhaut im Ernstfall nicht.Svenjas Winterroutine: Von der Dauererkältung zur schützenden Gewohnheit
Svenja, eine dreißigjährige Grundschullehrerin aus München, lag fast jeden Winter mit mindestens zwei schweren Erkältungen im Bett. Sie dachte, das sei im Job durch den ständigen Kontakt mit Kindern normal und unvermeidbar.
Ihr erster Versuch bestand darin, Unmengen an teuren Vitamintabletten zu schlucken, während sie morgens oft mit noch leicht feuchten Haaren zur Bushaltestelle hetzte. Das Resultat war ernüchternd - im Januar erwischte sie der nächste heftige Infekt inklusive absolutem Energieverlust.
Nach zwei Wochen quälendem Husten begriff sie den biologischen Mechanismus: Ihre Nasenschleimhaut war durch die eisige Wartezeit am Bahnsteig schlichtweg eingefroren. Sie stellte ihre Routine radikal um, föhnte ihre Haare extrem gründlich und zog sich den dicken Wollschal konsequent über die Nase.
Die Umstellung zeigte sofort Wirkung: Svenja überstund den gesamten restlichen Winter ohne einen einzigen Fehltag, fühlte sich deutlich fitter und bewies, dass warme Schleimhäute der beste Schutzschild gegen den Schulalltag sind.
Wichtige Stichpunkte
Kälte agiert als Wegbereiter für InfekteEine Abkühlung der Nase um 5 Grad Celsius drosselt die lokale Immunantwort drastisch und macht den Körper anfällig.
Atemwege gezielt vor Frost schützenDas Tragen eines Schals über Mund und Nase schützt die zelluläre Abwehr vor der temperaturbedingten Lähmung.
Haartrocknen ist im Winter PflichtNasse Haare erzeugen extreme Verdunstungskälte auf der Kopfhaut, was die Abwehrbereitschaft des gesamten HNO-Bereichs spürbar schwächt.
Weitere Fragen
Kann man allein durch Frieren eine Erkältung bekommen?
Nein, Kälte allein kann keine Erkältung auslösen, da hierfür immer Viren notwendig sind. Sie sorgt jedoch dafür, dass sich die Blutgefäße verengen und die Immunabwehr in den Atemwegen stark geschwächt wird.
Ist die Sorge vor nassen Haaren im Winter berechtigt?
Ja, allerdings nicht wegen der Nässe selbst. Die Verdunstungskälte entzieht dem Kopf massiv Wärme, was die Temperatur der Nasenschleimhäute senkt und den Viren die Einnistung erleichtert.
Hilft ein Schal vor dem Gesicht wirklich gegen Krankheitserreger?
Ein Schal wärmt und befeuchtet die Atemluft, wodurch die Naseninnentemperatur stabil bleibt. Das verhindert, dass die Virenabwehr der Schleimhautzellen temperaturabhängig um fast zweiundvierzig Prozent heruntergefahren wird.
Die hier bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keinen medizinischen Rat. Bei anhaltenden, schweren Symptomen oder Fieber sollte immer ein qualifizierter Arzt aufgesucht werden.
Fußnoten
- [3] Pubmed - Konkret nimmt die Menge der von den Nasenzellen ausgeschiedenen Abwehrbläschen, welche die Viren abfangen sollen, um fast 42 Prozent ab.
- [5] Nzz - Bei einer normalen Körperkerntemperatur von 37 Grad Celsius hingegen läuft die körpereigene Produktion von antiviralen Proteinen auf Hochtouren, wodurch die Replikation der Viren effektiv unterdrückt wird.
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