Welches Land hat die niedrigste Lebenserwartung in Europa?

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Europas demografisches Bild zeigt deutliche Unterschiede: Während viele Länder eine Lebenserwartung von über 80 Jahren aufweisen, liegt der Durchschnitt deutlich darunter. Bulgarien bildet mit einer Lebenserwartung von 75,8 Jahren ein Beispiel für eine signifikante Diskrepanz im europäischen Vergleich. Diese Differenz unterstreicht die Bedeutung sozioökonomischer Faktoren.

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Die niedrigste Lebenserwartung in Europa: Ein Blick hinter die Zahlen

Europa gilt gemeinhin als Kontinent mit hoher Lebensqualität und guter Gesundheitsversorgung. Doch hinter dieser allgemeinen Wahrnehmung verbergen sich deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Ländern. Während Nordeuropa mit Spitzenreitern wie Spanien, Italien und der Schweiz glänzt, kämpfen andere Nationen mit deutlich niedrigeren Lebenserwartungen. Doch welches Land hält den traurigen Rekord in Europa?

Die Antwort lautet: Moldawien. Mit einer Lebenserwartung von rund 71,5 Jahren (Stand 2023, Daten variieren je nach Quelle minimal) liegt Moldawien deutlich unter dem europäischen Durchschnitt. Zwar gehört Moldawien geografisch nicht vollständig zu Europa, wird aber aufgrund seiner kulturellen und historischen Verbindungen oft in europäische Statistiken miteinbezogen und ist Mitglied des Europarats. Innerhalb der EU liegt Bulgarien mit einer Lebenserwartung von rund 75 Jahren am unteren Ende der Skala.

Die Gründe für die niedrige Lebenserwartung in Moldawien sind vielschichtig und komplex. Sie lassen sich nicht auf einen einzigen Faktor reduzieren, sondern ergeben sich aus einem Zusammenspiel verschiedener sozioökonomischer und gesundheitlicher Herausforderungen:

  • Armut und soziale Ungleichheit: Moldawien zählt zu den ärmsten Ländern Europas. Ein niedriger Lebensstandard, eingeschränkter Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung sowie prekäre Arbeitsbedingungen tragen negativ zur Gesundheit der Bevölkerung bei.

  • Gesundheitssystem: Das moldawische Gesundheitssystem steht vor großen Herausforderungen. Mangelnde Finanzierung, unzureichende Ausstattung und Abwanderung qualifizierten medizinischen Personals führen zu einer suboptimalen Gesundheitsversorgung, insbesondere in ländlichen Gebieten.

  • Risikofaktoren: Der Anteil an Rauchern ist in Moldawien hoch, ebenso der Konsum von Alkohol. Ungesunde Ernährung und mangelnde Bewegung tragen zusätzlich zu einer erhöhten Krankheitslast bei, insbesondere bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs.

  • Abwanderung: Die Abwanderung junger und gut ausgebildeter Menschen, die sogenannte “Brain Drain”, verstärkt die Probleme des Landes. Sie führt zu einem Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und belastet das Sozialversicherungssystem.

  • Politische Instabilität und Korruption: Politische Instabilität und weit verbreitete Korruption behindern Reformen und Investitionen im Gesundheits- und Sozialwesen.

Die niedrige Lebenserwartung in Moldawien ist ein alarmierendes Zeichen und verdeutlicht die Notwendigkeit gezielter Maßnahmen zur Verbesserung der Lebensbedingungen und des Gesundheitssystems. Internationale Unterstützung und Zusammenarbeit sind unerlässlich, um die bestehenden Herausforderungen zu bewältigen und die Lebenserwartung der moldawischen Bevölkerung zu erhöhen. Es gilt, nicht nur die Symptome, sondern auch die strukturellen Ursachen der niedrigen Lebenserwartung zu bekämpfen.