Welche Medikamente beeinflussen die Körpertemperatur?

99 Aufrufe
Bestimmte Medikamente können die natürliche Wärmeregulierung des Körpers stören. Schilddrüsenhormone, trizyklische Antidepressiva und Antihistaminika sind Beispiele für Substanzen, die das Risiko einer Hyperthermie, also einer gefährlichen Überhitzung, erhöhen können. Auch Anticholinergika sowie Wirkstoffe wie Atropin und Hyoscyamin können diesen Effekt auslösen.
Kommentar 0 Gefällt mir

Fieber, Frieren oder Normaltemperatur? Der Einfluss von Medikamenten auf die Körpertemperatur

Die Körpertemperatur wird durch ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Systeme im Körper reguliert. Ein wichtiger Faktor dabei ist das Hypothalamus, der als "Wärmethermostat" fungiert. Diverse Medikamente können in diesen fein abgestimmten Prozess eingreifen und zu unerwarteten Temperaturveränderungen führen – von leichter Unterkühlung bis hin zu gefährlicher Hyperthermie. Diese Auswirkungen sind nicht immer vorhersehbar und hängen von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Dosierung, die Dauer der Einnahme und die individuellen Reaktionen des Patienten.

Im Folgenden werden einige Medikamentenklassen näher beleuchtet, deren Einfluss auf die Körpertemperatur bekannt ist:

Medikamente, die zu erhöhter Körpertemperatur führen können (Hyperthermie):

  • Neuroleptika (Antipsychotika): Besonders atypische Neuroleptika können das Maligne Neuroleptika-Syndrom (MNS) auslösen, eine seltene, aber lebensbedrohliche Komplikation mit hohem Fieber, Muskelstarre und Bewusstseinsstörungen. Auch klassische Neuroleptika können, wenngleich seltener, zu Fieber führen.

  • Anticholinergika: Diese Medikamente hemmen die Wirkung des Acetylcholins, eines wichtigen Neurotransmitters. Diese Hemmung kann zu einer Beeinträchtigung der Schweißproduktion führen, was die Wärmeregulation des Körpers stört und zu Überhitzung führen kann. Beispiele hierfür sind Atropin, Scopolamin und bestimmte Antihistaminika mit anticholinerger Wirkung.

  • Beta-Agonisten (z.B. Salbutamol): Diese Medikamente, die häufig bei Asthma eingesetzt werden, können in hohen Dosen zu einem Anstieg der Körpertemperatur führen. Dieser Effekt ist jedoch meist nur bei intravenöser oder inhalativer Anwendung in hohen Dosen relevant.

  • Trizyklische Antidepressiva (TZD): Obwohl seltener als bei anderen Medikamenten, können TZD ebenfalls eine Erhöhung der Körpertemperatur verursachen. Der genaue Mechanismus ist noch nicht vollständig geklärt.

  • Schilddrüsenhormone (z.B. Levothyroxin): Eine Überdosierung von Schilddrüsenhormonen kann zu einer gesteigerten Stoffwechselrate und damit zu Fieber führen. Dies manifestiert sich meist als leicht erhöhte Temperatur, kann aber in schweren Fällen auch gefährlich werden.

Medikamente, die zu erniedrigter Körpertemperatur führen können (Hypothermie):

  • Lithium: Dieses Medikament, das häufig bei bipolaren Störungen eingesetzt wird, kann in hohen Dosen oder bei Niereninsuffizienz zu einer leichten bis mittelschweren Hypothermie führen.

  • Benzodiazepine: Diese beruhigenden und angstlösenden Medikamente können in hohen Dosen die Körpertemperatur senken. Dies ist meist ein indirekter Effekt durch Sedierung und Beeinträchtigung der Thermoregulation.

  • bestimmte Opioide: Starke Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide können ebenfalls zu einer leichten Senkung der Körpertemperatur beitragen.

Wichtiger Hinweis: Diese Liste ist nicht erschöpfend. Viele weitere Medikamente können, abhängig von individueller Disposition und Begleiterkrankungen, die Körpertemperatur beeinflussen. Bei auftretenden ungewöhnlichen Temperaturveränderungen während der Einnahme von Medikamenten sollte immer ein Arzt konsultiert werden. Eine eigenständige Behandlung ist nicht ratsam. Die hier beschriebenen Informationen ersetzen nicht den Rat eines Arztes oder Apothekers.