Was passiert, wenn man sich oft krank meldet?

27 Aufrufe
Die Grenze zur unzumutbaren Fehlzeit ist fließend und hängt stark vom Einzelfall ab. Dreißig Krankheitstage pro Jahr über drei Jahre hinweg können jedoch zu arbeitsrechtlichen Konsequenzen, bis hin zur Kündigung, führen. Der Arbeitgeber muss die individuelle Situation und die Auswirkungen auf den Betrieb berücksichtigen.
Kommentar 0 Gefällt mir

Wenn die Krankmeldung zur Gewohnheit wird: Konsequenzen und Grenzen

Sich krankmelden – das kennt jeder. Ein grippaler Infekt, ein Migräneanfall oder einfach ein Tag, an dem die Erschöpfung überhandnimmt. Das ist menschlich und in der Regel kein Problem. Doch was passiert, wenn sich die Krankmeldungen häufen und zur Regelmäßigkeit werden? Wo verläuft die Grenze zwischen verständlichem Ausfall und unzumutbaren Fehlzeiten, die arbeitsrechtliche Konsequenzen nach sich ziehen können?

Die Antwort ist komplex, denn es gibt keine pauschale Regel. Die Bewertung der Fehlzeiten ist immer eine Einzelfallentscheidung, bei der viele Faktoren berücksichtigt werden müssen.

Was bedeutet „oft“ krankmelden?

Eine klare Definition, ab wann man sich „oft“ krankmeldet, existiert nicht. Es hängt von der Art der Tätigkeit, der Unternehmensgröße, den bisherigen Fehlzeiten des Mitarbeiters und den Auswirkungen auf den Betrieb ab. Tendenziell kann man aber sagen, dass eine hohe Anzahl von Krankheitstagen über einen längeren Zeitraum hinweg kritisch wird.

Ein Richtwert, der oft diskutiert wird, sind 30 Krankheitstage pro Jahr über einen Zeitraum von drei Jahren. Überschreitet ein Mitarbeiter diese Grenze, ist der Arbeitgeber in der Regel berechtigt, genauer hinzuschauen und gegebenenfalls arbeitsrechtliche Schritte einzuleiten. Dies bedeutet aber nicht automatisch die Kündigung.

Welche Konsequenzen drohen bei häufigen Krankmeldungen?

Bevor es zu einer Kündigung kommt, wird der Arbeitgeber in der Regel versuchen, andere Lösungen zu finden. Mögliche Schritte sind:

  • Gespräche mit dem Mitarbeiter: Der Arbeitgeber wird versuchen, die Gründe für die häufigen Fehlzeiten zu ergründen. Liegen gesundheitliche Probleme vor? Gibt es arbeitsbedingte Ursachen wie Stress oder Überlastung?
  • Betriebliches Eingliederungsmanagement (BEM): BEM ist ein strukturiertes Verfahren, das darauf abzielt, die Arbeitsfähigkeit des Mitarbeiters wiederherzustellen und ihn langfristig im Arbeitsleben zu halten. Dabei werden gemeinsam mit dem Mitarbeiter Maßnahmen erarbeitet, um die gesundheitliche Situation zu verbessern und die Arbeitsbedingungen anzupassen.
  • Abmahnung: Eine Abmahnung ist eine formale Rüge des Arbeitgebers, in der er den Mitarbeiter auf sein Fehlverhalten hinweist und ihn auffordert, dieses zu unterlassen. Häufen sich die Abmahnungen aufgrund von Fehlzeiten, kann dies ein Kündigungsgrund sein.
  • Personenbedingte Kündigung: Wenn der Arbeitgeber nachweislich alles unternommen hat, um die Situation zu verbessern, und die Fehlzeiten weiterhin bestehen, kann er eine personenbedingte Kündigung aussprechen. Diese Kündigung basiert auf der dauerhaften oder wiederkehrenden Krankheit des Mitarbeiters, die seine Arbeitsleistung beeinträchtigt.

Wichtige Aspekte, die der Arbeitgeber berücksichtigen muss:

Der Arbeitgeber ist nicht frei in seiner Entscheidung, sondern muss folgende Punkte berücksichtigen:

  • Dauer und Häufigkeit der Fehlzeiten: Wie lange und wie oft fehlt der Mitarbeiter?
  • Art der Erkrankung: Liegen chronische Erkrankungen vor? Gibt es eine klare Diagnose?
  • Auswirkungen auf den Betrieb: Wie stark werden die betrieblichen Abläufe durch die Fehlzeiten beeinträchtigt? Entstehen hohe Kosten durch Vertretungen oder Produktionsausfälle?
  • Verhältnis des Mitarbeiters zum Unternehmen: Wie lange ist der Mitarbeiter bereits im Unternehmen beschäftigt? Wie ist sein bisheriges Arbeitsverhalten?
  • Zumutbarkeit: Kann der Arbeitgeber die Fehlzeiten weiterhin hinnehmen, ohne dass der Betrieb erheblich beeinträchtigt wird?

Was kann man als Arbeitnehmer tun?

  • Offene Kommunikation mit dem Arbeitgeber: Suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Vorgesetzten und informieren Sie ihn über Ihre gesundheitliche Situation.
  • Unterstützung durch den Betriebsarzt in Anspruch nehmen: Der Betriebsarzt kann Sie beraten und gemeinsam mit Ihnen und dem Arbeitgeber nach Lösungen suchen.
  • Sich rechtzeitig ärztliche Hilfe suchen: Gehen Sie frühzeitig zum Arzt, um die Ursachen Ihrer Erkrankungen zu klären und behandeln zu lassen.
  • Dokumentation: Führen Sie ein Protokoll über Ihre Krankheitstage und die Gründe dafür. Dies kann im Falle einer Auseinandersetzung mit dem Arbeitgeber hilfreich sein.
  • Rechtliche Beratung einholen: Im Zweifelsfall sollten Sie sich von einem Anwalt für Arbeitsrecht beraten lassen.

Fazit:

Häufige Krankmeldungen können für Arbeitnehmer unangenehme Konsequenzen haben. Es ist wichtig, offen mit dem Arbeitgeber zu kommunizieren, sich ärztliche Hilfe zu suchen und gegebenenfalls rechtlichen Rat einzuholen. Arbeitgeber müssen die individuelle Situation des Mitarbeiters berücksichtigen und versuchen, gemeinsam mit ihm nach Lösungen zu suchen, bevor sie arbeitsrechtliche Schritte einleiten. Die Grenze zur unzumutbaren Fehlzeit ist fließend und hängt stark von den spezifischen Umständen ab.