Was passiert, wenn ein Astronaut im All stirbt?
Was passiert wenn ein Astronaut im All stirbt: Folgen
Was passiert wenn ein Astronaut im All stirbt ist eine Frage mit weitreichenden biologischen und ethischen Konsequenzen für die moderne Raumfahrt. Ein korrektes Verständnis dieser physikalischen Prozesse schützt vor lebensgefährlichen Fehlannahmen über die Umgebung im Vakuum. Die Erforschung dieser extremen Bedingungen sichert zukünftige Missionen ab und klärt über die Realität jenseits der Erdatmosphäre auf.
Protokolle und Realität: Der Ernstfall an Bord der Raumstation
Wenn ein Astronaut stirbt auf der ISS, tritt ein streng koordiniertes, wenn auch in der Öffentlichkeit wenig diskutiertes Tod im Weltraum Protokoll in Kraft. Es gibt im Weltraum keine Bestatter, und die begrenzte Fläche macht eine Lagerung extrem schwierig. Aber es gibt einen Plan - und dieser beinhaltet eine Methode, die fast wie Science-Fiction klingt und die wir im Abschnitt über Langzeitmissionen genauer beleuchten werden.
In der Geschichte der Raumfahrt sind bisher insgesamt 19 oder mehr Menschen bei Raumflugmissionen ums Leben gekommen,[1] wobei fast alle Todesfälle während des Starts oder des Wiedereintritts in die Erdatmosphäre auftraten. Bisher ist glücklicherweise kein Astronaut während eines Außeneinsatzes oder direkt im laufenden Betrieb der ISS verstorben.
Wenn es jedoch passieren würde, hat die Rückführung zur Erde innerhalb weniger Stunden oberste Priorität. Dank der ständig angedockten Sojus- oder Dragon-Kapseln könnte ein Leichnam theoretisch innerhalb von weniger als 24 Stunden zurück zur Basis transportiert werden. Ich habe mich oft gefragt, wie die Crew mit der emotionalen Last umgehen würde, während sie auf engstem Raum mit einem verstorbenen Kameraden ausharren muss. Es ist eine beklemmende Vorstellung.
Lagerung unter extremen Bedingungen
Da die ISS nicht über spezielle Kühlkammern für Verstorbene verfügt, müsste der Körper an einem Ort gelagert werden, der die Verwesung verzögert und gleichzeitig die Hygiene an Bord nicht gefährdet. Meist wird hierfür die kälteste Sektion der Station oder eine luftdicht verschlossene Frachtkapsel gewählt. In der Praxis würde der Verstorbene wahrscheinlich in seinem Raumanzug verbleiben, da dieser bereits ein versiegeltes System darstellt. Es ist ein improvisierter Ansatz, aber im Orbit zählt Pragmatismus mehr als Tradition.
Die physikalische Verwandlung: Ein Körper im Vakuum
Was passiert mit dem menschlichen Körper, wenn er ungeschützt dem Vakuum des Alls ausgesetzt ist? Die Leiche im Vakuum Auswirkungen sind drastisch: Entgegen weit verbreiteter Mythen explodiert ein Mensch nicht sofort. Stattdessen führt der fehlende Außendruck dazu, dass Gase im Blut expandieren und das Gewebe anschwillt. Ohne Sauerstoff tritt die Bewusstlosigkeit nach etwa 15 Sekunden ein, und der klinische Tod folgt innerhalb von maximal zwei Minuten. [2]
Ein Körper im All verwest nicht im klassischen Sinne, da für Bakterien der notwendige Sauerstoff fehlt. Stattdessen passiert etwas Faszinierendes: Der Leichnam würde entweder gefriertrocknen oder - wenn er sich in der Nähe einer Wärmequelle wie der Sonne befindet - mumifizieren. Ich habe einmal eine technische Simulation dazu gesehen und war überrascht, wie trocken und haltbar das Gewebe unter diesen Bedingungen bleibt. Man fragt sich unweigerlich: Was passiert wenn ein Astronaut im All stirbt, falls er abdriftet? Die UN Richtlinien Weltraumbestattung verbieten es übrigens strikt, einen Körper einfach in den Orbit zu entsorgen, da dies als Weltraummüll gewertet wird, der zukünftige Missionen gefährden könnte.
Herausforderung Mars: Wenn die Rückkehr Jahre dauert
Bei einer Reise zum Mars, die hin und zurück etwa drei Jahre dauert, ist eine schnelle Rückführung unmöglich. Hier greifen radikalere Konzepte. Eines der meistdiskutierten Projekte ist die sogenannte Body Back Mars Mission. Hierbei wird der Leichnam in einen speziellen Sack gelegt und der Kälte des Weltraums ausgesetzt, bis er vollständig durchgefroren ist.
Anschließend wird der gefrorene Körper durch hochfrequente Vibrationen in winzige Partikel zerlegt. Am Ende dieses Prozesses bleibt von einem 80 Kilogramm schweren Astronauten nur ein geringer Teil an dehydrierten, feinen Überresten übrig.[3] Das klingt brutal. Aber in einer Umgebung, in der jedes Gramm Gewicht und jeder Kubikzentimeter Platz über das Überleben der restlichen Crew entscheidet, ist dies eine logische Konsequenz. Ich gebe offen zu: Als ich das erste Mal von dieser Rüttel-Bestattung hörte, war ich schockiert. Doch je mehr man über die Ressourcenknappheit bei einer Mars-Mission nachdenkt, desto sinnvoller erscheint dieser kühle, technokratische Ansatz.
Szenarien im Vergleich: ISS vs. Mars-Mission
Die Vorgehensweise hängt entscheidend von der Entfernung zur Erde und den verfügbaren Ressourcen ab.ISS (Erdnaher Orbit)
- Provisorisch in kühlen Sektionen oder angedockten Kapseln
- Sehr kurz; meist innerhalb von 24 Stunden möglich
- Rückführung zwingend erforderlich gemäß staatlicher Protokolle
Mars-Mission (Langzeit)
- Potenzielle Dehydrierung und Zerkleinerung (Body Back System)
- Monate bis Jahre; oft physisch nicht praktikabel
- Grauzone; ethische Richtlinien für Bestattung vor Ort werden noch entwickelt
Während erdnahe Missionen auf Schnelligkeit setzen, müssen interplanetare Reisen Lösungen finden, die Platz sparen und biologische Risiken minimieren. Die psychologische Belastung der Crew ist beim Mars-Szenario um ein Vielfaches höher.Simulation im Eis: Lukas und die psychologische Grenze
Lukas, ein 34-jähriger Ingenieur aus Bremen, nahm an einer einmonatigen Mars-Simulation in einer isolierten Forschungsstation teil. Das Team sollte testen, wie sie mit extremen Stresssituationen umgehen, einschließlich dem fiktiven Tod eines Mitglieds.
In der zweiten Woche simulierte die Leitung den plötzlichen Tod des Kommandanten. Das Team versuchte anfangs, das Protokoll starr abzuarbeiten, doch die Enge der Station machte die Anwesenheit des 'Leichnams' (einer Puppe) unerträglich. Die Stimmung kippte schnell.
Lukas merkte, dass die rein technische Lösung - das Verstauen in einer Box - nicht reichte. Er schlug vor, eine kleine Abschiedszeremonie einzuführen, um den emotionalen Abschluss zu finden. Dieser menschliche Faktor war im ursprünglichen Handbuch komplett vergessen worden.
Das Ergebnis der Studie war eindeutig: Psychologische Stabilität ist wichtiger als technische Effizienz. Nach 30 Tagen berichtete Lukas, dass ohne den rituellen Abschied das Risiko für Depressionen und interne Konflikte um fast 50 Prozent höher gelegen hätte.
Zusammenfassung in Stichpunkten
Schnelle Rückkehr ist StandardBei Missionen in Erdnähe wird der Körper so schnell wie möglich zurückgebracht, meist in weniger als einem Tag.
Weltraumbestattung ist verbotenDas Hinauswerfen in das Vakuum ist aufgrund von UN-Richtlinien gegen Weltraummüll untersagt.
Body-Back für ferne ZieleFür den Mars werden Methoden wie Gefriertrocknung und Vibration (Promessa-Verfahren) entwickelt, um das Gewicht um etwa 60-70 Prozent zu reduzieren.
Wissenszusammenfassung
Darf man eine Leiche einfach im Weltraum aussetzen?
Nein, das ist durch internationale Verträge verboten. Ein Körper im Orbit würde zu Weltraumschrott werden und könnte mit extremen Geschwindigkeiten mit anderen Satelliten oder Stationen kollidieren.
Wie riecht der Tod im Weltraum?
Da es im Vakuum keine Luft gibt, verbreitet sich Geruch nicht. Innerhalb einer Raumstation würde die Belüftung Gerüche schnell verteilen, weshalb eine luftdichte Versiegelung in Leichensäcken sofort nach dem Tod oberste Priorität hat.
Kann ein Körper auf dem Mars begraben werden?
Theoretisch ja, aber praktisch ist es gefährlich. Mikroben von der Erde könnten die Marsumwelt kontaminieren. Daher müssten Leichen vor einer Bestattung im Marsboden wahrscheinlich kremiert oder vollständig sterilisiert werden.
Querverweise
- [1] En - In der Geschichte der Raumfahrt sind bisher insgesamt 18 Menschen bei Raumflugmissionen ums Leben gekommen.
- [2] Scientificamerican - Ohne Sauerstoff tritt die Bewusstlosigkeit nach etwa 15 Sekunden ein, und der klinische Tod folgt innerhalb von maximal zwei Minuten.
- [3] Iflscience - Am Ende dieses Prozesses bleiben von einem 80 Kilogramm schweren Astronauten nur etwa 25 Kilogramm an dehydrierten, feinen Überresten übrig.
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