Warum erkältet man sich, wenn man friert?

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Niedrige Temperaturen begünstigen Viren: Ihre Lipidhülle verfestigt sich, was ihre Widerstandsfähigkeit erhöht. Gleichzeitig trocknet kalte Luft die Schleimhäute aus, wodurch der natürliche Schutz vor Viren geschwächt wird und eine Infektion wahrscheinlicher wird. Das Zusammenspiel dieser Faktoren erhöht das Erkrankungsrisiko.
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Der Mythos vom Frieren und der Erkältung: Wärme, Kälte und die Rolle der Viren

Die weit verbreitete Annahme, dass Frieren eine Erkältung verursacht, ist ein hartnäckiger Mythos. Tatsächlich ist Kälte selbst nicht die Ursache für eine Erkältung, sondern begünstigt lediglich die Infektion mit Erkältungsviren. Der Zusammenhang ist komplexer, als oft angenommen wird. Es geht nicht darum, dass die Kälte die Viren selbst erzeugt, sondern um deren Überlebensfähigkeit und unsere Anfälligkeit.

Der entscheidende Faktor ist das Rhinovirus, welches die häufigsten Erkältungen auslöst. Diese Viren vermehren sich in den Zellen unserer oberen Atemwege. Die verbreitete Vorstellung, dass Kälte direkt diese Vermehrung antreibt, ist falsch. Die entscheidende Rolle der Kälte liegt in zwei Aspekten:

1. Erhöhte Widerstandsfähigkeit der Viren: Viele Erkältungsviren sind umhüllt von einer Lipidhülle (einer Fettschicht). Niedrige Temperaturen führen zu einer Verfestigung dieser Lipidhülle. Diese verfestigte Hülle schützt die Viren besser vor dem Abbau durch unser Immunsystem und erhöht somit deren Überlebensfähigkeit außerhalb des Körpers. Ein Virus mit einer stabileren Hülle kann länger auf Oberflächen überleben und die Wahrscheinlichkeit einer Infektion durch Berührungen erhöhen.

2. Schwächung der körpereigenen Abwehr: Kalte Luft trocknet die Schleimhäute in Nase und Rachen aus. Diese Schleimhäute bilden unsere erste Verteidigungslinie gegen Viren. Der Schleim fängt Viren ab und enthält Abwehrstoffe, die sie bekämpfen. Sind die Schleimhäute trocken und gereizt, ist diese natürliche Barriere geschwächt. Viren können leichter in die Zellen eindringen und sich dort vermehren. Hinzu kommt, dass die kalte, trockene Luft die Funktion der Flimmerhärchen in den Atemwegen beeinträchtigen kann. Diese winzigen Härchen transportieren normalerweise Schleim und eingeschlossene Viren aus den Atemwegen heraus. Eine verminderte Funktion erhöht das Infektionsrisiko.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Kälte an sich verursacht keine Erkältung. Sie schafft jedoch optimale Bedingungen für die Überlebensfähigkeit von Viren und schwächt gleichzeitig unsere körpereigene Abwehr. Der Kontakt mit bereits vorhandenen Viren – durch Tröpfcheninfektion, Kontakt mit kontaminierten Oberflächen oder Aerosolen – bleibt die eigentliche Ursache einer Erkältung. Die Kälte wirkt als begünstigender Faktor, der das Risiko einer Infektion erhöht. Daher ist es wichtig, sich in der kalten Jahreszeit gut zu schützen, indem man auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achtet, die Hände regelmäßig wäscht und bei Bedarf die Atemwege durch befeuchtende Maßnahmen unterstützt. Die Vermeidung von Kälte schützt also nicht direkt vor einer Erkältung, aber sie reduziert die Wahrscheinlichkeit einer Infektion.