Was ist ein gutes Lesetempo?

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Leseflüssigkeit entwickelt sich individuell. Während Zweitklässler durchschnittlich 80-90 Wörter pro Minute bewältigen, erreichen besonders geübte Kinder bis zu 115 WpM. Die gemessene Wortanzahl pro Minute bietet somit lediglich einen Anhaltspunkt für die Lesegeschwindigkeit.
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Was ist ein gutes Lesetempo? – Mehr als nur Wörter pro Minute

Die Frage nach dem "guten" Lesetempo beschäftigt viele Eltern und Pädagogen. Oft wird die Lesegeschwindigkeit in Wörtern pro Minute (WpM) gemessen, und Vergleiche mit Durchschnittswerten suggerieren eine einfache Antwort. Zweitklässler lesen im Schnitt 80-90 WpM, geübte Leser erreichen in diesem Alter auch schon mal 115 WpM. Doch diese Zahlen greifen zu kurz. Ein gutes Lesetempo ist weit mehr als nur die bloße Anzahl gelesener Wörter. Es ist ein komplexes Zusammenspiel verschiedener Faktoren und individuell unterschiedlich.

Leseflüssigkeit als Schlüsselkompetenz:

Anstatt sich auf die WpM zu fixieren, sollte der Fokus auf der Leseflüssigkeit liegen. Diese setzt sich aus drei Komponenten zusammen:

  • Lesegeschwindigkeit: Wie viele Wörter pro Minute werden gelesen?
  • Leseautomatisierbarkeit: Wie mühelos werden Wörter erkannt und dekodiert?
  • Leseausdruck (Prosodie): Wird der Text mit der richtigen Betonung, dem passenden Rhythmus und den entsprechenden Pausen vorgelesen?

Ein flüssiger Leser erkennt Wörter automatisch, liest in sinnvollen Sinneinheiten und gestaltet den Text durch seinen Vortrag lebendig. Stolpert ein Kind hingegen über jedes Wort, liest monoton und ohne Betonung, so ist das Leseverstehen beeinträchtigt, selbst wenn die WpM im Durchschnitt liegen.

Individuelle Entwicklung und Lesestoff:

Die Entwicklung der Leseflüssigkeit verläuft individuell. Verschiedene Faktoren spielen eine Rolle, darunter die Lesepraxis, die sprachliche Entwicklung, die Motivation und auch das Vorwissen zum jeweiligen Thema. Vergleiche mit Durchschnittswerten können zwar eine Orientierung bieten, sollten aber nicht überbewertet werden.

Auch der Lesestoff selbst beeinflusst das Lesetempo. Ein komplexer wissenschaftlicher Text erfordert eine andere Lesegeschwindigkeit als eine einfache Geschichte. Es ist also normal, dass die WpM je nach Text variieren.

Förderung der Leseflüssigkeit:

Anstatt Druck durch den Vergleich mit Durchschnittswerten auszuüben, sollten Eltern und Pädagogen die Lesefreude und die Leseflüssigkeit fördern. Dies kann durch verschiedene Maßnahmen geschehen:

  • Regelmäßiges Vorlesen: Auch wenn Kinder bereits selbst lesen können, fördert das Vorlesen die Sprachentwicklung und das Textverständnis.
  • Gemeinsames Lesen: Abwechselnd lesen und über den Text sprechen.
  • Viellesen: Je mehr ein Kind liest, desto flüssiger wird es. Die Auswahl des Lesestoffs sollte dabei den Interessen des Kindes entsprechen.
  • Lesespiele: Spielerisch die Lesegeschwindigkeit und das Textverständnis trainieren.
  • Audiobooks: Das Mitlesen im Buch während des Hörens eines Hörbuchs kann die Leseflüssigkeit unterstützen.

Fazit:

Ein "gutes" Lesetempo lässt sich nicht an einer bestimmten WpM-Zahl festmachen. Viel wichtiger ist die Leseflüssigkeit, die ein müheloses, automatisiertes und ausdrucksstarkes Lesen ermöglicht. Durch gezielte Förderung und vor allem durch die Freude am Lesen kann die Lesekompetenz nachhaltig gestärkt werden.